Als Moros verkleidete Personen ziehen bei einem Umzug der Moros-y-Cristianos-Feiern durch die Straße.
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Vor Corona konnten Moros y Cristianos noch ausgelassen feiern - auch bei Calpes Fiestas.

Spanien ohne Fiestas

Fiestas in Calpe: Moros und Cristianos in Coronavirus-Zeiten

  • Anne Thesing
    vonAnne Thesing
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An Fiestas wie die Moros y Cristianos ist in der Coronavirus-Krise nicht zu denken. Calpe fordert daher Unterstützung für die Festeros - und nutzt die Zeit für einen kreativen Blick auf das Wunder, das seinen Fiestas zugrunde liegt.

Calpe - Seien es Moros y Cristianos, Osterfeierlichkeiten oder Patronatsfeste aller Art: Die Fiestas an der Costa Blanca und in ganz Spanien liegen lahm, und das seit einem Jahr. Mit etwas Neid blickte Calpes Bürgermeisterin Ana Sala (PP) jetzt allerdings auf die Fallas in Valencia – die zwar, als erste Fiesta im Coronavirus-Pandemie-Kalender, in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal in Folge ausfielen, dafür aber mit größter Unterstützung der valencianischen Landesregierung rechnen durften.

CalpeKleinstadt in Spanien
Höhe59 m
Bevölkerung29.718 (2011)
Autonome GemeinschaftValencia
ProvinzProvinz Alicante

Fiestas in Calp: Moros y Cristianos fielen Coronavirus-Krise zum Opfer

„Die Fallas mussten sich in diesem Jahr an die Coronavirus-Pandemie anpassen, aber sie sind für die Falleros in Valencia weiterhin sehr präsent – genauso wie für die Landesregierung“, schreibt Calpes Bürgermeisterin in einem Kommuniqué. „Obwohl die Feiern verschoben wurden und das neue Datum noch nicht feststeht, hat die Landesregierung alles ihr Mögliche getan, damit Valencia den Fallas-Monat März genießen kann – mit vielen und unterschiedlichsten Online-Aktivitäten“, betont Sala und bittet um die gleiche Aufmerksamkeit für Calpes Fiesta der Moros y Cristianos, die im Oktober 2020 ebenfalls der Corona-Krise zum Opfer fiel.

Wie so viele andere Bereiche leide auch der Sektor der Moros y Cristianos schwer unter der Pandemie und sei zugleich von „großem sozialen und kulturellen Reichtum“, ist die Calpiner Fiesta doch im Land Valencia als Gut von touristischem Interesse deklariert. Ein wichtiger Anziehungspunkt also in einer der bei Touristen beliebtesten Gemeinden an der Costa Blanca. „Wir fordern, dass alle Fiesta-Verbände gleich behandelt werden“, schreibt Sala. Seien es Valencias Fallas oder Calpes Moros y Cristianos.

Fiestas in Calp: Moros und Cristianos nutzen Corona-Ausfall für Comic-Video

Letztere haben die Zeit, die sie im vergangenen Jahr durch die wegen Corona ausgefallenen Fiestas gewonnen haben, genutzt und den historischen Ausgangspunkt für Calpes Moros-y-Cristianos-Feiern in einem Comic-Youtube-Video dargestellt. Zurückgeblickt wird darin auf den 22. Oktober 1744, als für Calpes Bevölkerung eins dieser Wunder geschah, von denen fast jedes Dorf in Spanien eins sein Eigen nennt.

In Calpe ist es die Geschichte eines Bürgers namens Caragol (Schnecke), der dank der Hilfe des Christus des Schweißes die schweren Stadttore schließen und Calpe so vor den Angriffen der vor der Stadtmauer bedrohlich näher rückenden Mauren retten konnte. So jedenfalls erzählt es die Legende zum Ursprung der Moros y Cristianos. Es war ein Wunder, dass Caragol sich damit auch gegenüber Moncòfar behaupten konnte – einem gebürtigen Mauren, dessen Vater vor Jahren in den Kämpfen in der Sierra de Oltá von christlichen Truppen getötet worden war und der in Calpe von seiner Mutter großgezogen wurde.

Fiestas in Calp: Video der Moros y Cristianos auch auf Deutsch

Als Wunder, als „Miracle“, wird das legendäre Ereignis noch heute an jedem 22. Oktober im Rahmen der Fiesta der Moros y Cristianos gefeiert und theatralisch nachgestellt. Im Coronajahr 2020 fielen die Fiestas aus, dafür kann Calpes Wunder jetzt in einem Comic nachgelesen und auf besagtem Youtube-Video verfolgt werden. Den Comic gibt es zwar schon seit 2001, bisher allerdings nur auf Valenciano. Jetzt wurden 15.000 neue Exemplare gedruckt, außer in valencianischer Sprache sind sie auf Castellano, Englisch, Französisch und Deutsch erschienen. Und auch das Video erzählt die illustrierte, mit feierlicher Moros-y-Cristianos-Musik untermalte Geschichte, von Moncòfar und Caragol unter anderem auf Deutsch.

In Nicht-Corona-Jahren bieten die Fiestas der Moros y Cristianos in Calpe und anderswo bunte Spektakel.

Wer in das Youtube-Video reinschaut, erfährt, dass Moncòfar sich für den Tod seines Vaters rächen wollte und daher nicht lange zögerte, als die Piratentruppen sich an besagtem 22. Oktober wieder einmal der Calpiner Küste näherten. „Verräter“, wurde ihm nachgeschimpft, als er sich auf die andere Seite der Stadtmauer begab und den Piraten verzweifelt zurief: „Ich bin kein Christ!“ Diese empfingen ihn mit offenen Armen und folgten ihm, „um das Dorf dem Erdboden gleichzumachen“. Was ihnen fast gelang. Die bedrängten Calpinos mussten sich zurückziehen, nur der Christus des Schweißes, so die Legende zum Ursprung von Calpes Moros y Cristianos, ermöglichte ihnen die Rettung in letzter Sekunde. Für Moncòfar dagegen endete die Geschichte – weniger erfreulich – mit dem Tod.

Ein sehenswertes Spektakel – sei es, sobald Corona es wieder zulässt, live bei Calpes Moros-y-Cristianos-Fiestas, oder, bis dahin, in Comic oder Internet. Das deutschsprachige Video findet man in Youtube unter dem Namen „Das Wunder von Calp“.

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