Die Maurenburg von Carrícola auf dem Berg Benicadell
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Bei einem Aufstieg auf den Benicadell hat man stets die Burg vor Augen.

Kunst inmitten der Natur

Carricola im Hinterland der Costa Blanca: Wie in einem Zauberwald

  • vonAndrea Beckmann
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Mit gerade einmal 80 Einwohnern zählt Carrícola im Vall d’Albaida (Valencia) nicht zu den Orten, in denen sich ein historisches Bauwerk an das andere reiht. Dennoch kann sich das Dörfchen als beliebtes Ausflugsziel behaupten.

Carrícola - Die Gemeinde Carrícola im Hinterland der Costa Blanca setzt auf nachhaltigen Tourismus und bietet Natur- und Kunstfreunden inmitten herrlicher Natur am Fuße der Sierra Benicadell eine äußert attraktive Kulturlandschaft, die viele Überraschungen bietet.

ValenciaSpanien
Autonome GemeinschaftValencia
HauptstadtValencia
Amtssprachen Spanisch, Valencianisch
Fläche 10.806 km2
Einwohner2.565.124 (1. Januar 2019)

Kein Mensch begegnet uns, als wir uns an einem sonnigen Morgen zum Aufstieg auf den Berg Benicadell machen. Über die Straße Carrer Trinquet geht es zunächst links an der Kapelle Santísimo Cristo del Calvario (19. Jahrhundert) vorbei. Und da sieht man sie schon von weitem: Auf einem Felsvorsprung in 420 Metern Höhe thront Carrícolas Festung aus der Epoche des Al-Andalus, also aus einer Zeit, in der sich die Mauren vor den Angriffen katalanischer und aragonesischer Truppen schützen mussten. Geschichtlichen Überlieferungen zufolge zählt sie zu den letzten Festungen dieser Epoche, die damals von den Mauren in der Region errichtet wurden.

Riesige Augen beobachten die Besucher in Carrícola.

Carrícola: Charmantes Dörfchen im Inland, in dem Kunstwerke den Weg zur Festung aus der Epoche des Al-Andalus säumen

Der Aufstieg führt über einen teils steinigen und zuweilen etwas steil ansteigenden Weg. Da, wo es für Ungeübte etwas schwierig werden könnte, bietet ein Seilgeländer Bremshilfe.

Eine wohltuende Stille liegt über dem Benicadell. Der Zivilisation so nah und doch ist man hier mit sich und der Natur alleine. Summende Insekten auf gelb, lila oder pink blühenden Pflanzen, gurrende Tauben statt Stimmengewirr und Motorlärm. Aus weiter Ferne weht Hundegebell und das Blöken von Schafen herüber.

Inmitten dieser friedlichen Stille hat man auf einmal das Gefühl, inmitten eines Zauberwaldes zu stehen. Wie lange mag uns dieses große Auge schon beobachtet haben und wie kommt man wohl am schnellsten an der riesigen Spinne vorbei? Je nach Licht und Schatten wird man vielleicht erst beim zweiten Hinschauen das Kunstwerk „Supervivència. Homo sapiens“ („Überlebenschance. Homo sapiens“) entdecken, das vor einer Höhle wacht, und ein hoher Stapel Bücher, der den Namen „El Palomar“ („Der Taubenschlag“) trägt, zeigt uns die umliegenden Orte an.

Künstler aus dem ganzen Land Valencia haben sich in Carrícola mit ihren Werken vereweigt

66 Künstler aus Carrícola sowie aus Orten wie Albaida, Alcoy, Alaquàs, Ontinyent, Almassera, Oliva, Quatretonda, aber auch Valencia und Sagunto haben hier ihre künstlerischen Spuren hinterlassen, indem sie sich 2010 an dem Projekt „Biodivers Carrícola“ („Nachhaltiges Carrícola“) beteiligt haben. Ihre Kunstwerke säumen den Aufstieg zur Festung sowie die Route „Els Camins de l‘aigua“ („Die Wege des Wassers“), die an dem alten Waschhaus des beschaulichen Örtchens beginnt.

Für einen Besuch in Carrícola sollte man Zeit einplanen. Wie lange man letztendlich unterwegs sein wird, hängt nicht zuletzt auch davon ab, wie intensiv man sich den Kunstobjekten widmet und wie ausgiebig man die spektakulären Aussichten genießen mag.

Wer es eher gemütlich angehen lassen will, kann sich eine Route für den Vormittag und nach einer Mittagspause die zweite Tour vornehmen. Beide Strecken sind für die gesamte Familie, also auch für Kinder, geeignet.

Ausflugsziel Carrícola: Liebevoll gepflegtes Örtchen inmitten wohltuender Natur

Auch in dem liebevoll gepflegten Ortskern gibt es einiges zu entdecken. Zum Beispiel das restaurierte Waschhaus, an dem einst die Frauen des Dorfes ihre Wäsche wuschen und in dem man sich an heißen Tagen erfrischen kann, die Pfarrkirche, die auf den Resten einer Moschee (7. Jahrhundert) erbaut wurde, die zahlreichen Kunstwerke an Hausfassaden, auf Dächern und Mauervorsprüngen, oder auch der Schneckenbrunnen an der Plaza de la Constitución.

In der näheren Umgebung empfiehlt sich der Besuch weiterer Orte. Zum Beispiel das durch seine vielen Sonnenuhren bekannte Nachbardorf Otus, der Ort Albaida (3,8 km) mit seinem internationalen Marionetten-Museum oder Bocairent (14,4 km) mit seiner malerischen Altstadt.

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