Die Büste eines Mannes mit Bart steht vor einem U-Boot.
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U-Boot-Erfinder Isaac Peral hat in Cartagena im Schiffahrtsmuseum einen eigenen Saal.

Spanien und das Meer

U-Boot-Erfinder Isaac Peral aus Cartagena: Auftauchen einer Vision

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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In Sachen militärischer U-Boot-Technologie ist Spanien heute eine internationale Größe. Auch dank Isaac Peral, dem lange verkannten Genie. Zu seinem 170. Geburtstag erzählen wir die tragische Geschichte des in Berlin gestorbenen Spaniers - und träumen einen Traum von bunt bemalten Kriegsgeräten.

Cartagena - Ein strahlendes Blumenmeer. Bunte Muster. Eine fantastische Unterwasserwelt mit sinnlichen Meerjungfrauen. Ihren farbenfrohen Visionen ließen 17 Malerinnen und Maler freien Lauf, auf sehr exzentrischen Oberflächen. Statt flacher Leinen bemalten sie kleine U-Boote. Im Sommer 2021 waren die Kunstwerke im Schifffahrtsmuseum von Cartagena an der Costa Cálida zu bewundern. Die Ausstellung war Teil der Feier des 170. Geburtstags von Spaniens lange verkanntem, doch nunmehr im Bewusstsein der Menschen wieder aufgetauchten Herren der U-Boote: Erfinder Isaac Peral.

Isaac PeralIngenieur
Geboren1. Juni 1851, Cartagena
Verstorben22. Mai 1895, Berlin
EhepartnerinMaría del Carmen Cencio (verh. 1876–1895)

U-Boote aus Cartagena: Auftauchen eines Erfinders und seiner Visionen

Isaac Peral - dieser Name war in Cartagena, der historisch-einmaligen Stadt am Meer, bereits 2020 in aller Munde: Das vergangene Jahr war das 125. Todesjahr des einstigen Kapitänleutnants von Spaniens Marine und Pioniers der Unterwasser-Technologie. Es waren die Nachbildungen von Perals U-Boot-Prototyps, die - wie aufgetauchte Wundermaschinen aus einer Fantasiewelt - von Malerinnen und Malern im Jubiläumsjahr 2021 verziert wurden. Derzeit werden die Kunstwerke für gute Zwecke versteigert: Für Spaniens Krebsvereinigung AECC und die Stiftung Pablo Hugarte für an Krebs erkrankte Kinder.

Am 1. Juni 1851 kam Isaac Peral y Caballero in Cartagena zur Welt. Am 22. Mai 1895 starb der U-Boot-Erfinder in Berlin, wo er wegen einer schweren Krankheit behandelt wurde. Ein bewunderter Mann ist Isaac Peral wegen seiner Visionen im Bereich Unterwasser-Technik heute, längst nicht nur in Cartagena und Spanien. Ein genialer Denker und Forscher, seiner Zeit seemeilenweit voraus. Doch nicht von Ästhetik getrieben, wie die 17 U-Boot-Maler im Jahr 2021. Sondern von einer anderen Kraft, die im Menschen nicht nur größten Erfindungsdrang auftauchen lässt, sondern ihn auch in tiefste Abgründe treibt: der Krieg.

Isaac Peral erfand das erste elektrisch betriebene, mit militärischen Torpedo-Vorrichtungen versehene U-Boot. 1885 hatte es der Erfinder aus Cartagena erstmals als Plan vor sich liegen. Heute kann man sagen: Perals Erbe lebt. Spanien ist eines der wenigen Länder der Welt, das eigene U-Boote komplett entwirft und herstellt. Ein milliardenschwerer Aufrüstungsplan liegt dieser Leistung zugrunde. Das erste Boot der neuen S-80-Serie soll 2022 zur Jungfernfahrt ins Meer aufbrechen.

U-Boot-Skizzen von Erfinder Isaac Peral im Schiffahrtsmuseum von Cartagena.

Isaac Peral und der Deutschland-Konflikt: Sternstunde in Sicht

Im April 2021 wurde das 81 Meter lange Gefährt, das 300 Meter tief taucht und dabei 3.700 Tonner Wasser verdrängt, vor den Augen des Königspaars Felipe und Letizia von Spanien vorgestellt. Prinzessin Leonor taufte das Boot in Cartagena auf den Namen „Isaac Peral“. Wenn es doch der Namensgeber Isaac Peral selbst miterleben könnte! Aber nein, verlacht und versenkt starb er in Berlin einen schmerzvollen Tod. Deutschland war aber nicht nur die letzte Station der irdischen Kreuzfahrt des Erfinders aus Spanien, sondern brachte auch den Wendepunkt seines Lebens.

1885 war das Königreich Spanien mit Deutschland im Streit: Es ging um die Souveränität der Karolinen und Palauinseln im Westpazifik. Isaac Peral sah seine Stunde gekommen. Er legte den Befehlshabern Pläne für ein neues Kriegsgefährt vor. Ein neues U-Boot, 21 Meter lang, mit zwei 30-PS-Motoren elektrisch betrieben, mit zehn Marinesoldaten bemannt und mit 85 Tonnen Verdrängung unter Wasser. Es würde funktionieren, hatte Peral genau berechnet. Seine Begeisterung steckte zunächst an.

Und das sogar an höchster Stelle: Maria Christina von Österreich, Spaniens Regentin, war einverstanden. Am 20. April bekam Peral grünes Licht per königlichem Dekret. Für über 300.000 Peseten konnte er das U-Boot bauen – im Arsenal de la Carraca in Cádiz.

U-Boot-Genie Isaac Peral aus Cartagena: Erst Auftauchen, dann Untergang

1888 würde der Prototyp des Bootes fertig sein. Mit 37 Jahren erschien Isaac Perals Durchbruch am Horizont. Ja, beruflich war der Soldat und Erfinder aus Cartagena erfolgreich, und privat mit einer liebenden María del Carmen Cencio gesegnet, die er 1876 geheiratet hatte. Neun Kinder brachte sie zur Welt. Das Paar kannte aber auch das Leid: Vier Kinder starben jung. Finanziell lebte die Familie immer bescheiden. Doch für sein persönliches Glück fehlte Peral noch etwas anderes. Und dieses schien ihm sein neues U-Boot zu schenken. Denn nun wäre er nicht mehr nur der Soldat, der in der Marine eine steile Karriere gemacht hatte.

Wenn das der Erfinder aus Cartagena erleben könnte: Prinzessin Leonor tauft Spaniens neues U-Boot „Isaac Peral“.

Nun durfte auch endlich der Wissenschaftler, Ingenieur und Visionär in Isaac Peral auftauchen, so lange versteckt in seiner Seelentiefe. Schon früher hatten die Amerikaner im Bürgerkrieg mit U-Boot-Technik experimentiert. Aber die Zeit des Unterwasserkampfes sollte erst im Ersten Weltkrieg kommen. War der frühe Zeitpunkt von Perals Vision der Grund, dass sie letztendlich ein jähes Ende nahm? Es sollen politische Machtspiele gewesen sein, oder war es einfach Neid? Jedenfalls formierte sich um Peral ein Haifischbecken aus Gegnern.

Schon beim Bau des Prototyps kam es zu Sabotage-Akten. Doch sie konnten nicht vermeiden, dass das U-Boot am 8. September 1888 ins Meer zur Jungfernfahrt abtauchte. Die Probe gelang. Aber für Tiefschläge sorgten die weiteren Tests. So beim Manöver mit dem Schiff Cristóbal Colón. Eine seltsame Panne ließ das U-Boot nicht schnell genug abtauchen – und wurde entdeckt. Auf einmal geriet die Stabilität und Reichweite des Bootes in die Kritik. Die Chance, die Defekte zu beheben, gab man dem Entwickler nicht. Vielmehr häuften sich Spott und Schadenfreude. Ein regelrechter Shitstorm, würde man heute sagen, entlud sich über Isaac Peral.

Heimat Cartagena erkannte als erste, was Spanien am verkannten Genie hatte

Zum entscheidenden Test durfte Isaac Perals Unterwasserschiff gar nicht mehr antreten: Der Erfinder aus Cartagena wollte die Meerenge von Gibraltar durchfahren – von Algeciras bis Ceuta unter Wasser! Es würde klappen, gelobte Peral mit letzten Funken in den Augen. Aber längst galt er in Spanien als Witzfigur. 1890 wurde das Projekt gänzlich eingestampft, und auch Perals Pläne für ein leistungsstärkeres Modell zerrissen. Sein U-Boot landete in Cádiz auf dem Trockenen, wo es später auseinandergenommen wurde. Mit der Karriere ging auch die Gesundheit des Erfinders zugrunde.

1891 wurde Isaac Peral wegen einer Krebskrankheit operiert und schied, auch wegen der U-Boot-Pleite, aus dem Militär aus. Seinen Ruf zu reparieren, gelang dem Erfinder aus Cartagena zu Lebzeiten nicht mehr. Auch die Familie litt daran, insbesondere finanziell. Doch der Wissenschaftler fand im Bereich Elektrik noch eine berufliche Nische und legte sogar Grundsteine für Spaniens spätere Kraftwerke. Der Krebs meldete sich aber wieder, sodass er für eine Therapie nach Deutschland ging. Dort erkrankte der Spanier jedoch schwerer und starb mit 43 viel zu früh.

Erst das US-importierte U-Boot S31 erfüllte den Traum von Erfinder Isaac Peral aus Cartagena. Foto im Museo Naval.

Zunächst in Madrid begraben, fanden Isaac Perals Überreste auf Wunsch der Familie 1911 in Cartagena die ewige Ruhe. Seine Geburtsstadt war auch die erste, die erkannte, was Spanien an dem verkannten Genie gehabt hatte. Die Hafenstadt forderte die Rückgabe der Teile des Peral-U-Boots und kleisterte sie zusammen. So könnten es zumindest Besucher bewundern. Später wurde in Cartagena ein Viertel nach dem U-Boot-Pionier benannt, in Murcia ein Park. 1971, 50 Jahre vor Prinzessin Leonor, nannte Spaniens Marine erstmals ein U-Boot „Isaac Peral“. Es war aber kein Eigenbau, sondern die von der US-Army übernommene S-32.

Keine Meerjungfrauen: Jeder zehnte U-Boot-Soldat in Spanien ist weiblich

Im 20. Jahrhundert sollte Spanien in Sachen U-Boot-Technik weit hinterherhinken und auf Imports angewiesen bleiben. 1942 holte sich Spanien etwa das deutsche Boot U-573, das auch unter neuen Namen wie G-7 oder S-01 nicht verbergen konnte, eine Nazi-Waffe gewesen zu sein. Hätte Spanien einige Jahrzehnte zuvor vielleicht lieber auf sein Genie aus Cartagena gesetzt anstatt es auszulachen? Isaac Perals Traum, die Straße von Gibraltar unter Wasser zu durchqueren, sollte Spanien übrigens gelingen. Erst in den 1960er Jahren vollbrachte es das US-importierte Boot S-31.

Der Veteran aus dem Zweiten Weltkrieg war für Spanien ein enormer Schub – auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Bei der Schifffahrtswoche in Santander 1968 war nämlich an Bord des S-31 zum ersten Mal eine spanische Frau in den Tiefen des Meeres unterwegs: die Journalistin Carmen Olalla. Weitere 32 Jahre sollte es aber dauern, bis 2000 die ersten fünf Frauen in die U-Boot-Schule der Marine eintraten. Spät? International gesehen gehört Spanien damit zu den Pionierländern.

U-Boot-Erfinder Isaac Peral aus Cartagena: Ausstellung von Malern und Malerinnen zum 170. Geburstag.

Von 320 spanischen U-Boot-Marinesoldaten sind heute 10,5 Prozent Frauen. Fortschritt nennt man das in heutigen Zeiten. Auch an Bord der neuen „Isaac Peral“ werden Soldatinnen Tauchmanöver durchführen und Torpedos abfeuern. Zumindest so lange, bis die Welt wirklich keine genial konstruierten Kampfmaschinen mehr braucht. Und stattdessen Malerinnen und Maler sie schmücken können - für heilsame Zwecke, mit fantastischen Unterwasserwelten und Blumenmeeren.

Museen und Touren zum Eintauchen: Tipps für Cartagena

Beim Besuch von Cartagena ist es neben dem fantastischen römischen Erbe ein Erlebnis, die besondere Beziehung des „Hafens der Kulturen“ zum Meer zu erkunden. Im Jubiläumsjahr von Isaac Peral bietet sich natürlich das Schifffahrtsmuseum Museo Naval an, in dem ein gesonderter Bereich Spaniens U-Boot-Geschichte erzählt. Im großen Eingangssaal ist Perals 1888 gebauter Prototyp zu bewundern.

Dahinter beginnt der Gang durch Spaniens 20. Jahrhundert unter dem Meer – bis heute. Auf Englisch übersetzt, bereichern aufregende Fotos und detailreiche Modelle die spannende Route. Einblicke in den spanischen Schiffsbau, die Marine und zahlreiche wirtschaftliche wie technische Bereiche bietet der Hauptteil des Museo Naval, das sich allein wegen seines Standortes lohnt – in einem historischen Militärquartier am Meer.

Auf der anderen Seite des Hafens lockt das Nationale Museum der Unterwasser-Archäologie. Hier taucht der Besucher tiefer in die Geschichte ein und begegnet alten Völkern und Seefahrern wie Römern und Phöniziern. Teils authentische Fundstücke, teils anschauliche Modelle lassen etwa wissen, welch enorme Ladungen die antiken Boote auf dem Mittelmeer fassten. Und wie bestimmte Produkte, Handwerke oder die Schrift über Spanien nach Europa gelangten.

Zuletzt sollte eine Route auf dem Wasser nicht fehlen. Verschiedene Boote stehen dafür im Hafen bereit. Gut hinschauen: Des Öfteren taucht ein U-Boot auf oder ab, auf dieser untrennbaren Route zwischen der Stadt und dem Meer.

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