Der Rallyefahrer Bernd Hoffmann sitzt in Motorsport-Klamotten und mit Co-Pilot in seinem Buggy.
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Der Deutsche Bernd Hoffmann von der Costa Blanca ist dem Rallye-Sport verfallen.

Sportlicher Unternehmer aus Moraira

Deutscher Rallye-Fahrer von der Costa Blanca: Ultimativer Offroad-Adrenalinkick

  • Anne Thesing
    VonAnne Thesing
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Bernd Hoffmann aus Moraira fährt bei Cross-Country-Rallyes auf Erfolgskurs. Von der Costa Blanca aus zieht es den Deutschen für die extremen Rennen in die ganze Welt.

Teulada-Moraira - Als Bernd Hoffmann sich 2017 mit immerhin 53 Jahren für einen neuen Sport entschied, nahm sein Leben an der Costa Blanca eine rasante Wendung. Im wahrsten Sinne des Wortes. Der in Moraira lebende Deutsche fährt seitdem bei nationalen und internationalen Offroad-Rallyes mit seinem T3-Buggy-Prototyp mit und ist bei spanischen, europäischen und Weltmeisterschaften ganz vorn dabei. Sein bisher größter Erfolg war 2020 Platz vier in der WM-Wertung mit seinem argentinischen Copiloten Carlos Carignani.

Deutscher an der Costa Blanca: Rallye-Enttäuschung in Lorca

Allerdings läuft es nicht immer ganz so rasant, wie der 58-Jährige es gerne hätte. Wir sprechen am Morgen nach einem Rallye-Wochenende in Lorca, an der Costa Cálida, mit ihm, wo am 21. und 22. Mai ein Lauf für die spanische Todo-Terreno-Meisterschaft CERTT ausgetragen wurde – und hoffen natürlich auf einen Erfolgsbericht. „Es war ein frustrierendes Wochenende“, kommt es von Bernd Hoffmann zurück, nachdem ihm am Samstag nach nur 100 von insgesamt 270 Tageskilometern wegen eines „blöden technischen Problems“ ein Rad abgebrochen war. Das Rennen war damit für ihn und den spanischen Copiloten Antonio Moya gelaufen. Statt durchs Gelände zu rasen, „standen wir bei Caravaca ewig auf dem Feld, bis uns endlich jemand rausnehmen durfte“, sagt der Deutsche von der Costa Blanca und fügt versöhnlich hinzu: „Es war eine tolle Landschaft und nach den Regenfällen im Frühjahr sehr grün“.

In der Punktezahl der Spanischen Meisterschaft – vor Lorca stand er auf Platz drei – dürfte ihn das Missgeschick zurückgeworfen haben, zählen doch für den Endtitel alle sieben Läufe. Anders als bei der EM, wo nur drei der insgesamt fünf Rennen in die Endwertung einfließen und der Deutsche beim ersten Lauf am 1. Mai in Badajoz den zweiten Platz errang. Für die EM geht es im Juli weiter in Italien, für die Spanischen Meisterschaften ist es als nächstes die Baja Aragón, die er von der Costa Blanca aus ansteuert.

Nervenkitzel bei Rallyes: Deutscher von der Costa Blanca in Extremsituationen

Bernd Hoffmann ist fit, das muss er sein. Viermal die Woche treibt er an der Costa Blanca Sport – Gewichteheben, Joggen und Mountainbikefahren sind für den Besitzer eines Immobilienunternehmens in Moraira Standard. Neben der körperlichen sei bei den Langstrecken-Rallyes aber vor allem die mentale Ausdauer entscheidend. „Du musst dich auf 130 Kilometern durchs Gelände zwei Stunden lang voll konzentrieren. Wenn du einen Moment nicht aufpasst, hängst du am Baum“, sagt der Deutsche. So sei es auch keine Seltenheit, auf der Strecke „immer wieder zerstörte Autos“ zu sehen.

Auch Hoffmann und seine Copiloten sind schon in manch eine brenzlige Situation gekommen. Zuletzt im vergangenen Jahr bei einem Testlauf in Almería an der Costa del Sol. „Als wir mit 100 km/h auf eine Felswand zurasten, fielen plötzlich die Bremsklötze raus. Meine einzige Chance war es, das Auto umzuwerfen. Wir sind tatsächlich 20 Zentimeter vor der Wand liegengeblieben. Sonst würden wir jetzt nicht miteinander sprechen“, erinnert sich der Deutsche an den Nervenkitzel, der ihn nicht nur in Spanien, sondern auch bei der Rallye Dakar in Peru begleitete. „Wir fuhren eine lange, gerade, einfache Strecke, und plötzlich kam ein Dünen-Abriss. Wir sind mit 130 km/h über die Düne geflogen, haben uns mehrfach überschlagen, ich habe mir die Hand gebrochen.“

Bei den Rallyes geht es für den Deutschen querfeldein, wie hier in Lorca.

Reaktionsfähigkeit bei Rallyes gefragt: Offenes Gelände birgt Überraschungen

Passieren können solche „Überraschungen im Gelände“, weil die konkrete Strecke für die Fahrer bis kurz vor Rennbeginn ein Geheimnis bleibt. Es gebe zwar ein Roadbook, das der Copilot beim Fahren vorlese, aber auf das könne man sich nicht hundertprozentig verlassen. „Man muss in der Lage sein, schnell auf Sicht reagieren zu können“, sagt Hoffmann – eine Herausforderung, die für ihn den Reiz dieses Sports ausmacht. „Wir fahren durch offenes Gelände, querfeldein und durch Flüsse. Die Strecken sind unberechenbar und man braucht gute Reflexe“, sagt der Deutsche, betont aber auch, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit gerade wegen dieser Tücken „nur“ bei 60 bis 100 km/h liege und die maximalen 135 km/h nur sehr selten ausgereizt werden könnten.

Und im „normalen“ Verkehr, für den in Spanien die Regeln kürzlich noch verschärft wurden, wie verhält sich der passionierte Rallye-Fahrer, wenn er auf den Straßen der Costa Blanca unterwegs ist? „Da fahre ich ganz zivilisiert“, beteuert Hoffmann. Doch Vorsicht: Wenn er Nicht-Rennfahrer in einem Buggy auf eine Ausfahrt mitnehme, „wird ihnen meistens schlecht“.