1. Costa Nachrichten
  2. Spanien
  3. Land und Leute

Einbetonierter Fluss an Costa Blanca: Wie gelingt die Rückkehr zur Natur?

Erstellt:

Von: Stefan Wieczorek

Kommentare

Durch eine grüne Landschaft zieht sich ein Flussbett aus Beton.
Fluss Vinalopó am Südrand von Elche: Statt Natur zu trennen, soll er sie wieder verbinden. © Stefan Wieczorek

Ein Umweltprojekt in Madrid dient als Vorbild für die Küste. Der Fluss Manzanares lässt seit 2016 wieder Flora und Fauna gedeihen. Die Landschaft blüht, die Bewohner freut es. In der Stadt Elche radelt man derweil im steinharten Flussbett auf bunten Graffitis.

Elche – Das Merkmal, das vielleicht mehr als jedes andere die Stadt Elche definiert, ist der Fluss Vinalopó. Ohne ihn gäbe es nicht das grüne Weltkulturerbe und nicht die heutige Palmenstadt der Costa Blanca. Das wird jedoch leicht übersehen. Schließlich ist an Spaniens Mittelmeerküste nur ein kleines Bächlein vom Fluss übriggeblieben, in dem einst laut Sage der Vater des großen Hannibal ertrank. Und was vom stolzen Vinalopó übrig ist, gleicht eher einer menschgemachten Rinne als einem natürlichen Wasserstrom. Doch das soll sich ändern. Das Rathaus plant für seinen einbetonierten Fluss eine Rückkehr zur Natur.

ElcheStadt in Spanien
Fläche:326,1 km²
Bevölkerung:230.625 (2018)

Costa Blanca: Einbetonierter Fluss - geplante Rückkehr zur Natur

Ein starres Korsett hat das 20. Jahrhundert dem Vinalopó in Elche übergestülpt. An dieses Flussbett, eine rigide Struktur aus Beton, haben sich Bewohner mittlerweile gewöhnt. Es ist sogar ein Hingucker – mit den farbenfrohen Graffitis – sowie eine beliebte Piste für Jogger und Radler. Umweltfreunden der Costa Blanca ist der einbetonierte Fluss aber zusehends ein Dorn im Auge. Immer lauter wird die Ökologen-Kritik. Und tatsächlich plant Elche, den – damals so fortschrittlichen – Eingriff in die Natur in entscheidenden Teilen rückgängig zu machen. Eine sogenannte Renaturierung des Flusses ist möglich: Das zeigen in Spanien erste Vorbilder.

An einem Flussufer stehen drei Menschen.
Rückkehr zur Natur: Der Fluss Manzanares von Madrid lockt Flora, Fauna und Mensch mit grünen Inselchen. © Rathaus Elche

Ein besonders großes Vorbild besuchte Elches Umwelt-Stadträtin Esther Díez nun in der spanischen Hauptstadt. Am Ufer des Flusses Manzaneres in Madrid stand und staunte die grüne Compromís-Frau mit Javier Sánchez, dem Vizegeneraldirektor für Wasserbewahrung in Spaniens Umweltministerium, sowie Santiago Martín, Projektkoordinator von Ecologistas en Acción. Seit 2016 laufen hier die Arbeiten an der Rückkehr zur Natur. Die Früchte: Ufer voller Sträucher, grüne Inselchen, Vögel, Insekten. „Das Projekt hat zahlreiche heimische Pflanzen und Tiere zurückgebracht“, lobte die Besucherin von der Costa Blanca.

Kontrolle nicht alles: Zerhackte Natur wieder verbinden

„Die Landschaft ist viel schöner geworden, das Wohlbefinden der Bewohner – direkt in Madrids Innenstadt – ist gewachsen.“ Acht Kilometer fließt der Manzanares durch die Metropole. „Unschätzbar“, so Elches Stadträtin, sei der neue Umwelt-Wert des Abschnitts. „Man muss beachten, dass die Renaturierung des Flusses verschiedene Naturgebiete der Gegend miteinander verbunden hat. Dasselbe würden wir auch mit unserer Initiative schaffen.“ Der Vinalopó sei „einer der zentralen grünen Korridore von Elche, da er den Stausee (Pantano) mit dem Naturpark Hondo verbindet“, so die Umwelträtin.

Die Verbindung der zerhackten Areale wäre nicht zuletzt zum Vorteil der Bewohner, die am Fluss wieder auf Leben statt tote Steine träfen. Nun sei es an der staatlichen Stiftung Biodiversidad, die Umsetzbarkeit des Plans zu studieren. Aber wieso hatte man den Vinalopó derart in Beton gezwängt? Der Hauptgrund: Kontrolle. Hochwasser sollten verhindert werden, Abwässer rasch abfließen. Dieser Zweck funktioniert bis heute, siehe Dana-Hochwasser 2019, als Elche verschont blieb. Doch haben die künstlichen Kontrollmechanismen, das wird erst jetzt vielen bewusst, der Natur auch viele ihrer Stärken genommen.

Die Frage lautet nun: Können wir, in der Zeit der massiven Einbetonierung, - auch Chemikalisierung, Digitaliserung - unseres ganzen Lebens von den Flüssen lernen? Eine gute Nachricht senden sie uns zumindest zu: Ein Zurück zur Natur ist möglich.

Auch interessant

Kommentare