Vor einer Palmen-Kulisse schneidet ein Mann mit Hut eine Sitzbank mit Motorsäge.
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Gärtner Vicente Campos aus Elche ist Meister in der Verarbeitung der Palmen in Schmuckelemente und Gebrauchsgegenstände.

Neues Jahr an Spaniens Küste

Palmen auf 365 Weisen verarbeiten - Oasen-Kunst der Costa Blanca

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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Bis an Spanien Küste verbreitete sich die Idee, dass man die Palme auf so viele Weisen nutzen könne, wie das Jahr Tage hat. Der Palmeral von Orihuela lässt das Körnchen Wahrheit im orientalischen Mythos erahnen.

Orihuela – Der Palme wird ja seit ältesten Zeiten nachgesagt, dem Menschen auf seinem Weg durch das Leben beizustehen. Verbreitet ist dieser Glaube in Wüstengebieten Afrikas und Asiens, aber auch an Spaniens Küste der Palmen, der Costa Blanca. Hierhin importierten Seevölker nicht nur clevere Techniken zum Errichten grüner Oasen, sondern auch die Idee, dass man die Palme auf so viele Weisen nutzen könne, wie das Jahr Tage hat. Im Palmeral von Orihuela lässt sich das Körnchen Wahrheit im orientalischen Mythos erahnen. Gärtner verarbeiteten hier Palmen in allerlei Elemente: Sitzbänke, und einiges mehr.

PalmenFamilie der Ordnung der Palmenartigen innerhalb der Monokotyledonen
Familie: Palmengewächse
Ordnung: Palmenartige (Arecales)

Costa Blanca: Gärtner verarbeiten Palmen - Nicht nur Sonne und Strand

Eigentlich gilt an der Costa Blanca vor allem Elche als Palmenstadt, in der Besucher das grüne Weltkulturerbe an Spaniens Küste bewundern können. Hier bietet etwa das Museo del Palmeral einen Garten im Stile einer fruchtbaren Oase. Auch erzählt das Museum den Mythos von der Palme, die sich an jedem Tag des Jahres auf eine andere Art nützlich machen könne. Aber kann die heutige Zeit mit dieser Idee noch etwas anfangen? Längst ist die Palme zum reinen Symbol für Sonne- und Strand-Urlaub an exotischen Orten reduziert worden. Auch die Costa Blanca vergaß zusehends ihre vielen fruchtbaren Facetten.

Doch geschulte Gärtner der Palmenhaine wissen nicht nur, wie man billige Import-Palmen in einer Urbanisation pflegt. Sondern auch, wie man heimische Palmen zu nützlichen Objekten - Sitzbänke, Gefäße, Besen etwa - verarbeitet. Auch kennen sie ihre landwirtschaftliche Seite. Datteln sind eine vergessene Delikatesse an Spaniens Küste. Und Palmen waren schon unter den Mauren entscheidend für die Schaffung grüner Oasen. Sei es, als Schattenspenderinnen, zur Bildung eines besonderen Mikroklimas. Oder auch als natürliche, standhafte Abgrenzung zwischen den Parzellen.

Palmenwelt Costa Blanca: Besucherzentrum mit Amphitheater

Die Vielseitigkeit der Palmen lässt neuerdings auch der Palmeral von Orihuela aufblitzen. Der von maurischen Gärtnern vor 1.000 Jahren an den vulkanischen Bergen angelegte Park stand lange Zeit im Schatten der prächtigen Weltkulturerbe-Palmen von Elche. Zuletzt hat sich das Antlitz des Parks aber stark verbessert. 2020 richtete die Stadt ein sehenswertes Besucherzentrum mit vielen Infos zur Palmenwelt ein und stattete es mit allerlei palmen-gemachten Gegenständen aus. Ein kleines Amphitheater, Sitzbänke, sogar Abfalleimer sind aus der Phoenix dactylifera, der hiesigen Dattelpalme, verarbeitet.

Die Machart dieser aus Palmen verarbeiteten Elemente verblüfft, aber auch allein die raffinierten Ideen dahinter. Ganz klar: Am Werk waren hier im Süden der Costa Blanca Menschen, die mit Palmen aufgewachsen sind. Menschen wie Vicente Campos, Vorsitzender der Palmengärtner in Elche, engagierter Verteidiger des Palmen-Weltkulturerbes sowie ein Meister der Palmenverarbeitung. Ihn und sein Team vom Gärtner-Betrieb TodoPalmera heuerte die südliche Nachbarstadt Orihuela für die Neugestaltung des lange recht maroden Palmerals an.

Costa Blanca: Im Palmeral von Orihuela sind allerlei Gegenstände palmen-gemacht.

Sitzbänke aus Palmen: Wie gemacht für 365 orientalische Träume

Auf den ersten Blick macht dieser füllige Mann nicht den Eindruck eines mit sanfter Präzision arbeitenden Künstlers. Schon gar nicht, als er die Motorsäge zieht und sie im Palmeral von Orihuela stehend anschmeißt. Droht da ein Palmen-Desaster, wie es neulich in Elche ortsfremde Gärtner veranstalteten? Aber keine Angst. Als wäre es das Feuerwschwert eines mythischen Kriegers, führt Vicente Campos die Motorsäge und säbelt den vor ihm liegenden Stamm in Stücke. Das größte davon legt der Palmengärtner dann auf eine Art Schiene, schneidet es nochmals zurecht und legt es auf zwei kürzere Teile: Die Sitzbank ist fertig.

Fast kein vorbeigehender Besucher des Palmerals in Orihuela kann es lassen, ein Video von dieser nicht alltäglichen Montage, umringt von der wunderbaren Palmen- und Bergkulisse des Parks, zu drehen. Nun stehen sie bereit, die nachhaltigen Sitzgelegenheiten, geschaffen aus einem besonderen Geflecht, das kein Holz ist. Ein Rohstoff, der laut Sage jeden Tag des Jahres anders nutzbar ist. Wie gemacht sind diese Sitzbänke dafür, um in der Oase im Süden der Costa Blanca zur Ruhe zu kommen und das Alte Revue passieren zu lassen. Sowie, um die kommenden 365 Tage mit orientalischen Träumen zu füllen.

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