In Sporthalle knien und stehen Gymnastinnen und Gymnast vor Pokalen.
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Gymnastinnen und Gymnast mit Behinderungen von der Costa Blanca: Preisverleihung bei Meisterschaft 2021.

Sport in Spanien

Gymnastinnen mit Behinderung von der Costa Blanca: Kämpfen ums Dabeisein

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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Top-Leistungen bieten Spaniens Sportlerinnen und Sportler mit Down-Syndrom, bei den Paralympics schauen sie aber nur zu. Wie man Ängste vor der Behinderung überwindet, erklärt Trainerin Titi Alberola aus Elche.

Elche – Knapp zwei Wochen lang stehen in Spanien und auf der Welt Sportlerinnen und Sportler mit Behinderungen im Rampenlicht: Bei den Paralympischen Spielen in Tokio. Ansonsten kämpft das Kollektiv behinderter Menschen jedoch weiter um Anerkennung. Das weiß Titi Alberola, Trainerin für Rhythmische Sportgymnastik im Club Deportivo Algar an der Costa Blanca. Ihre Sportart für Menschen mit Down-Syndrom räumt internationale Preise ab, ist aber auch 2021 bei den Paralympics nicht dabei. Warum, und welche Bedeutung die Sommerspiele für ihre jungen Gymnastinnen haben, erklärt sie uns im Interview.

Costa BlancaKüstenabschnitt in Spanien
ProvinzAlicante
Autonome RegionComunidad Valenciana

Gymnastinnen mit Behinderung von der Costa Blanca: Interview mit Trainerin

costanachrichten.com: Schauen Sie sich die Paralympischen Spiele, als Trainerin von Menschen mit Behinderungen an der Costa Blanca, mit besonderem Interesse an?

Titi Alberola: Ich sehe bei den Paralympischen Spielen in Tokio jede Sportart gern an, weil ich von jeder etwas abschauen kann, das ich in meiner Arbeit mit den Gymnastinnen anwenden kann. Ich glaube, die Paralympics haben noch nicht dieselbe Anerkennung in den Medien wie Olympia. Es geht zwar nach und nach voran, aber es gibt noch viel Nachholbedarf.

Sind für Ihre jungen Gymnastinnen von der Costa Blanca die Paralympics in Tokio eine Motivation?

Total. Die Paralympischen Sommerspiele sind eine gutes Sprungbrett, damit Menschen mit Behinderung sehen, wie weit man kommen, was man schaffen kann, mit viel Opferbereitschaft natürlich.

Warum ist die Rhythmische Sportgymnastik für Menschen mit Down-Syndrom bei den Paralympics nicht dabei?

Nicht nur das Down-Syndrom, sondern auch andere Behinderungen könnte unsere Sportart abdecken. Bisher haben wir es nicht geschafft, sie bei den Paralympischen Spielen einzugliedern Aber wir kämpfen darum. Der erste Schritt wäre, in den internationalen Verband von Sportlern mit geistiger Behinderung (Inas) integriert zu werden. Das sind wir nämlich nicht. Es wurden mehrere Vorschläge geschickt, wie wir dabei sein könnten. Aber es muss sich eine Gruppe von Ländern bilden, die es wollen. Spanien allein kann wenig tun.

Ich glaube, bevor man redet, muss man etwas kennenlernen. Weil wir nie wissen können, was jemand fühlen kann.

Titi Alberola, Trainerin von Gymnastinnen mit Down-Syndrom

Wie haben Ihre Sportlerinnen und Sportler die Corona-Krise überstanden? Im Lockdown kritisierten Sie die Begrenzung Ihres Sports durch die Verwaltungen scharf.

Es war sehr schwierig zu arbeiten, weil es sich bei unseren Sportlern um Risikopersonen handelt. Aber mit einem guten Plan konnten wir die Saison an der Costa Blanca beenden. Wir spürten aber, dass in den Wettkämpfen die Zahl der Teilnehmer stark gesunken ist, wegen der schweren Umstände bei Reisen und dergleichen.

Spanien: Schulter an Schulter mit Sportlern, die Behinderungen haben

Bei den Paralympischen Spielen stellt Spanien viele Medaillen-Favoriten. Hat sich im Land auch die Anerkennung von Menschen mit Behinderungen in letzter Zeit gesteigert?

Wir können nur dafür danken, dass sie Jahr für Jahr steigt. Einerseits bringen sich immer mehr Familien ein und melden ihre Kinder mit verschiedenen Behinderungen zum Sport an. Aber auch Rathäuser und öffentliche wie private Einrichtungen helfen immer mehr dabei, uns zu fördern und wertzuschätzen.

Costa Blanca: Junge Gymnastin mit Behinderung schätzt ihre Trainerin.

Sie sind mit Ihrer Truppe viel gereist. Wie sehen Sie Spanien in Sachen Sport für Menschen mit Behinderungen im internationalen Vergleich?

Im paralympischen Sport ist Spanien eine echte Referenz, und dazu zählt die Rhythmischer Sportgymnastik. Bei den Paralympischen Spielen sind wir gerade in der Leichtathletik oder Schwimmen sind wir vorne mit dabei. Ich glaube, wir in Spanien sind in allen Lebenslagen besonders sensibilisiert dafür zu teilen, ob Arbeit, Sport, Schule – Schulter an Schulter mit Menschen, die Behinderungen haben.

Trotz aller Fortschritte gibt es immer noch eine Phobie gegen Menschen mit Behinderungen. Werdende Eltern etwa fürchten sehr, dass ihr Kind behindert zur Welt kommt. Können Sie das verstehen?

Ich glaube, das ist ein sehr persönliches Thema. Mir fällt es schwer, eine Meinung dazu zu bilden. Ich verbringe mit den Gymnasten nur einige Stunden am Tag und habe damit keine Probleme. Aber die Frage müssen die beantworten, die 24 Stunden am Tag mit ihnen leben, und all ihre Probleme kennen. Wenn jemand mit Phobie über Menschen mit Behinderungen spricht, dann glaube ich, geschieht es aus Unwissen. Doch wenn du einmal ihre Welt kennenlernst, ändert sich die Sicht. Ich glaube, bevor man redet, muss man etwas kennenlernen, weil wir nie wissen können, was jemand fühlen kann.

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