Blick in eine Tropfsteinhöhle.
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An der Costa Blanca können mehrere Höhlen besichtigt werden - ideal für heiße Tage.

Spanien-Urlaub 2021

Bei Hitze einfach unter die Erde: Diese Höhlen an der Costa Blanca bieten Abkühlung

  • Judith Finsterbusch
    VonJudith Finsterbusch
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Die Strände sind abgeklappert, der Pool längst langweilig geworden. Wohin also an heißen Tagen im Urlaub an der Costa Blanca? Ein paar kühle Stunden versprechen vier Höhlen.

Kaum haben die Gewitter und Regenfälle etwas Abkühlung gebracht, bahnt sich schon die nächste Hitzewelle an. Ab Ende der Woche sollen die Temperaturen an der Costa Blanca wieder auf über 30, teils über 35 Grad hochklettern. Wohin also an heißen Tagen im Spanien-Urlaub? Wir empfehlen vier Höhlen an der Costa Blanca, wo die Hitze draußen bleibt und es drinnen Einiges zu sehen gibt.

Denn die Costa Blanca bietet dank ihrer Karstgebirge perfekte Voraussetzungen für die Bildung von Tropfsteinhöhlen. Im Laufe von 150 Millionen Jahren sind hier zahlreiche dieser Höhlen entstanden – viele von ihnen sind noch unbekannt, einige zu gefährlich, um sie zu betreten. Aber es gibt auch Höhlen, die für Touristen zugänglich gemacht wurden und einen Besuch lohnen – vielleicht auch ein Tipp als Alternative zu den Stränden an der Costa Blanca, die spätestens ab August voll werden, wenn die Spanier Urlaub haben.

Höhlen an der Costa Blanca: Cuevas de Canelobre in Busot

Die Cuevas del Canelobre ist die größte und spektakulärste Höhle an der Costa Blanca.

Die Cuevas de Canelobre ist die bekannteste Tropfsteinhöhle an der Costa Blanca. Sie liegt im ansonsten kaum touristischen Busot, etwa 20 Kilometer von Alicante entfernt. Die Höhle ist 70 Meter hoch und bietet wunderschöne Gesteinsformationen. Wer im Urlaub nur Zeit für den Besuch einer Höhle hat, sollte sich die Cuevas de Canelobre anschauen – sie ist quasi eine Zusammenfassung der anderen Höhlen, die an der Costa Blanca besucht werden können.

Die Höhle eignet sich nicht nur, um der Hitze draußen für ein paar Stunden zu entfliehen, sie erzählt auch eine spannende Geschichte. Entdeckt wurde sie im 10. Jahrhundert von den Arabern. Bis ins 20. Jahrhundert war die Cuevas de Canelobre nur über Seile durch einen engen Spalt erreichbar. Das änderte sich erst im Spanischen Bürgerkrieg, als die Republikaner den Eingang aufsprengten und mehrere Plattformen dort hinbauten, um in der Höhle unentdeckt Kampfflugzeuge reparieren zu können. Die Plattformen gibt es bis heute – allerdings als Konzertbühne: Wenn es die Corona-Lage erlaubt, finden in der Höhle in Busot regelmäßig kulturelle Veranstaltungen statt – vor atemberaubender Kulisse und bei einzigartiger Akustik.

Höhle im Berg: Cueva de Canelobre liegt auf 700 Metern Höhe

Touristen gelangen über einen 45 Meter langen Tunnel ins Innere der Tropfsteinhöhle, die sich auf 700 Metern Höhe in den Berg Cabeçó D’Or einfügt. Die Cuevas de Canelobre ist 80.000 Quadratmeter groß, spektakulär ist eine Formation, die die „Sagrada Familia“ formt: Eine über 25 Meter hohe Steinsäule, die mit ein bisschen Fantasie an die berühmte Kathedrale in Barcelona erinnert. Ihren Namen hat die Höhle von dem Stalagmiten „El Canelobre“, der über 100.000 Jahre alt ist.

Geöffnet ist die Höhle im Sommer täglich von 10.30 bis 19.30 Uhr, Erwachsene zahlen 8 Euro Eintritt, Kinder zwischen fünf und 14 Jahren 4 Euro. Eintrittskarten können auch online gekauft werden.

Höhlen an der Costa Blanca: Cueva del Rull in La Vall d‘Ebo

Die Cueva del Rull wurde durch Zufall entdeckt. Heute gibt es Führungen durch die Höhle an der Costa Blanca.

Bunt glänzen die Tropfsteine in den zwei Sälen der Cueva de Rull im Vall d’Ebo im Norden der Costa Blanca. Wie es zu den roten und blauen Verfärbungen der Steine gekommen ist, können Touristen bei einer Führung erfahren. Die Höhle besteht aus einem großen und einem kleinen Saal. Bis zu 25 Meter hoch ist der größere Raum, hier sollten Besucher unbedingt nach oben schauen: In der Höhlendecke befindet sich ein Loch, an dessen Rändern Tropfsteine gewachsen sind. Dadurch sieht das Loch – beziehungsweise die Flora - aus wie eine riesige Blüte.  

Dass diese Höhle heute überhaupt bekannt ist, ist dem Zufall zu verdanken. 1919 entdeckte José Vicente Mengual, in der Gegend bekannt als Tío Rull, die Höhle an der nördlichen Costa Blanca. Mengual war auf der Jagd und verfolgte mit seinem Hund ein Kaninchen, das schließlich in ein Loch flüchtete. Mengual schickte ein Frettchen hinterher, das das Kaninchen wieder herausjagen sollte – doch Kaninchen und Frettchen blieben verschwunden. Am nächsten Tag kehrte Tío Rull zu dem Loch zurück, schaffte einige Steine beiseite – und entdeckte die Höhle, die seitdem seinen Namen trägt.  

Als ab den 60er Jahren die ersten Touristen die Costa Blanca für sich entdecken, beschloss Mengual, „seine“ Höhle Besuchern zu zeigen. Auf eigene Faust richtete er ein paar Gänge her und öffnete die Höhle. Heute gehört die Cueva del Rull dem Rathaus, hergerichtet und offiziell für Besucher geöffnet ist sie seit 1995. Die Besichtigung erfolgt in Gruppen, geöffnet ist die Höhle von 10.30 bis 20.30 Uhr. Der Eintritt kostet 4 Euro.

Höhlen an der Costa Blanca: Cueva de las Calaveras in Benidoleig

Na, wer traut sich? Um die Totenkopf-Höhle Cueva de las Calaveras ranken sich Legenden.

Wer sich schnell gruselt, für den ist die Cueva de las Calaveras im Norden der Costa Blanca nichts: Ihr Name, Höhle der Totenköpfe, geht zurück auf einen angeblichen Massen-Suizid. Der Legende nach flüchtete der maurische König Ahli Moho mit seinem 150 Frauen umfassenden Harem während der Reconquista vor den christlichen Truppen in die Höhle. Als die Situation ausweglos wurde, setzten sich der König und seine Frauen in einen Kreis und bereiteten dem Elend mit Rauschgift ein Ende. Im 17. Jahrhundert sollen dann die Dorfbewohner aus Benidoleig menschliche Knochen in der Höhle gefunden haben - glaubt man dem Mythos, waren die Totenschädel noch im Kreis angeordnet. Um die Geschichte ranken sich heute umso mehr Legenden, die nicht zuletzt touristisch ausgeschlachtet werden.

Die 900 Meter lange Höhle teilt sich in einen 500 Meter überschwemmten und einen 400 Meter trockenen Teil, der für Besucher zugänglich ist. Ursprünglich diente die Cueva de las Calaveras unseren Vorfahren aus der Steinzeit als Unterschlupf. Fundstücke sind heute in der Höhle leider nicht ausgestellt, Besucher können allenfalls kleine Fossilien an den Wänden entdecken. Im Sommer öffnet die Höhle von 9 bis 20 Uhr, der Eintritt kostet knapp 4 Euro.  

Höhlen an der Costa Blanca: Cova Tallada in Jávea

Bis vor einigen Jahren war die Wasserhöhle Cova Tallada in Jávea noch ein Geheimtipp an der Costa Blanca.

Weder Reste aus der Steinzeit noch Stalaktiten oder Stalagmiten sind in der Cova Tallada in Jávea zu bewundern – vielmehr lassen sich hier Seeigel und Fische bestaunen. Die Höhle im Norden der Costa Blanca befindet sich unterhalb des Kap San Antonio direkt am und teilweise im Meer. Besucher gelangen nach einer kurzen – Achtung, im Hochsommer wegen der Hitze trotzdem anstrengenden! – Wanderung zum Eingang der Höhle auf Landseite. Dort geht es ins Wasser und raus aufs Meer.

Besucher sollten unbedingt einen Schnorchel mitbringen, die Felsen bieten vielen Fischen und anderen Tieren Unterschlupf. Die Höhle selbst ist eher unspektakulär: 75 Meter breit, maximal 40 Meter hoch besteht sie aus trockenen und aus vom Meer überfluteten Teilen. Einst diente die Cova Tallada als Steinbruch – wahrscheinlich ab dem 16. Jahrhundert. Unter anderem wurde hier der Tuffstein entnommen, aus dem Jáveas Wehrkirche in der Altstadt gebaut wurde. Fundstücke aus dem 11. Jahrhundert belegen aber, dass die Höhle schon vorher zumindest Besucher gehabt haben muss.

Cova Tallada nur noch mit Anmeldung

Erreichbar ist die Cova Tallada über ausgeschilderte Wanderwege sowohl von Jávea als auch von Dénia aus – letzterer ist wesentlich kürzer. Noch vor 15 Jahren galt die Cova Tallada als Geheimtipp an der Costa Blanca, das hat sich in den letzten Jahren aber geändert. Um dem Touristenansturm gerecht zu werden und die Tuffsteinhöhle zu schützen, ist der Zutritt mittlerweile vom 15. Juni bis 15. September nur noch mit vorheriger Online-Reservierung möglich. Übrigens, wer in Jávea Urlaub macht und noch Tipps für schattige Plätzchen sucht, dem seien zwei Parks empfohlen. Hier kann man nicht nur der Hitze entfliehen, sondern gleichzeitig auch noch Kunst bewundern.

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