Sperrmüll steht in einer dunklen Strasse neben einem Container.
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Kurioser Fund an Costa Blanca: Auf Heilige Könige folgen jedes Jahr Müllhaufen auf Bürgersteigen.

Leben in Spanien

Seltsamer Kasten im Müllhaufen: Fund in der Nacht an der Costa Blanca

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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Ein Objekt aus Stroh, Stoff und Papier war am Wochenende nach den Heiligen Königen an Spaniens Küste entsorgt worden. Den Autor erinnert die nächtliche Entdeckung an das eigene Gemüt nach den Feiertagen zwischen den Jahren 2021 und 2022.

Nach dem rauschenden Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Januar ist es in Spanien jedes Jahr ein zusätzlicher, nicht ganz so glanzvoller Brauch: Man streunt in der Nacht durch die Straßen und versucht, irgendwie noch einen Platz für all seine Mülltüten zu finden. Doch meist sind alle bunten Abfall-Container bereits vollbepackt und die Bürgersteige – verbotenerweise – zugestellt mit lauter Weihnachtsresten, Packungen und Dingen, die am Ende der festlichen Zeit keiner mehr braucht. In einem dieser Müllhaufen machte ich, ein Bewohner der Costa Blanca, am vergangenen Wochenende einen kuriosen Fund.

Auf der nächtlichen Tour durch das Viertel fiel mein müder Blick auf den Müllhaufen auf dem Bürgersteig neben einer Tonne. Ein Objekt erregte mein Interesse: Ein seltsamer Kasten, aus Stroh, Stoff und Papier gebastelt, an eine kleine Bühne erinnernd. Na klar: Es war ein belén! Ein weihnachtliches Krippenmodell, das ein Bewohner entsorgt hatte. Das gibt´s ja nicht oft. In Spanien gelten Weihnachtskrippen als heilig, selbst in kirchenfernen Häusern. In der Regel überdauern sie in einer Familie Generationen. Allenfalls werden sie durch neue Figürchen ergänzt. Was um Himmels Willen war hier in der Nacht passiert?

Costa Blanca: Seltsamer Kasten im Müllhaufen - Keine einfache Wahl

Einmal überlegen: Der Besitzer oder die Besitzerin des eigenartigen Kastens könnte gestorben sein.... oder ist sie oder er spontan ausgezogen? Vielleicht ist besagte Person vom Glauben abgefallen? Oder: Sie wollte das Fest 2021/22 schlichtweg in die Tonne kloppen. Schließlich hat die Weihnachtszeit Spanien - in pandemischer Hinsicht - nicht gerade beglückt. Noch am 1. Advent hatte das Land als Impf-Superstar gegolten. Und nun? Kennt es ganz Europa nur noch als Omikron-Buhmann! Ja, der Frust ist da verständlich. Aber genug, um eine Krippe in den Müllhaufen auf dem Bürgersteig zu befördern?

Apropos: In Siedlungen an der Costa Blanca wie der unsrigen ist das Entsorgen von Abfällen auf dem Bürgersteig verboten. Eigentlich sollte ich da die Ortspolizei rufen. Aber wo ich das alte, entleerte belén so anschaue, entdecke ich noch etwas darin. Irgendwie spiegelt es ... mein eigenes Gemüt wider. Was noch kürzlich (trotz penetrantem Coronavirus-Blues) noch Gefühle und Gedanken voller weihnachtlicher Inbrunst waren, sind jetzt nach den Feiertagen nur noch das ausklingende Echo einer alten Melodie. Ein leer gewordener Kasten, geflochten aus unterschiedlichen seelisch-geistigen Stofffetzen.

Video: Weihnachtsgruß Costa Nachrichten

Ich fasse einen Entschluss: Das Gemüt muss nun aufgeräumt werden. Das Alte, nicht mehr Frische, muss jetzt - wie der ganze Krempel auf dem Bürgersteig - raus. Es muss Platz her für Neues, das besser zum gerade angebrochenen Alltag im Jahr 2022 passt. Nur muss ich noch eines auswählen: Den richtigen Container zum Entsorgen des Alten. Der graue für die Müllkippe? Der grüne zum Recyclen? Der orangene zum Abgeben an Bedürftige? Gar keine einfache Wahl. Vielleicht stelle ich das Alte erstmal ab, an den Straßenrand. Und probiere, wenn es keiner wegnimmt, später eventuell doch noch, es mit neuem Leben zu füllen.

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