Weltkulturerbe in Spanien

Palmen der Costa Blanca: Beschädigte Gärten - Der Tourismus ist nicht genung

  • Stefan Wieczorek
    vonStefan Wieczorek
    schließen

Die traumhafte Oase der Palmen an der Costa Blanca ist durch das reine Tourismus-Modell in Gefahr, klagen Biologen und fordern mehr Landwirtschaft in den Hainen. Helfen soll das neue Palmengesetz aus Valencia - und Gelder der EU.

Alicante - Die Palmen von Elche: Eine traumhafte Oase mit paradiesischen Palmengärten zum Erholen an der Costa Blanca. Diese Auffassung setzte sich im 20. Jahrhundert durch, an dessen Ende der Palmeral zum Weltkulturerbe der Menschheit wurde. Doch ursprünglich hatte die Palmenoase der Provinz Alicante einen anderen Zweck: Als Hort der Landwirtschaft, wo die Palmen ein wesentliches Element des Anbaus von Obst und Gemüse waren. Zurück zu diesen Wurzeln wollen die Verteidiger des Palmerals. Denn das rein touristische Modell schütze das beschädigte Weltkulturerbe nicht ausreichend davor, zu sterben.

Palmen Pflanze
Wissenschaftlicher Name: Arecaceae
Höhere Klassifizierung: Palmenartige

Costa Blanca: Beschädigte Palmengärten - Zurück zu den Wurzeln?

Passenderweise rund um den Palmsonntag, an dem sich die Palmenstadt in ein Kleid aus weißen Wedeln hüllt, ergab sich 2021 im Land Valencia eine Debatte zu den Palmen der Costa Blanca: Das valencianische Parlament stritt um das neue Gesetz zum Schutz des Palmenerbes von Elche. Gesucht wird eine neue Norm, um die alte aus den 1980ern zu ersetzen, die mittlerweile eher als Last denn als Stütze für das grüne Erbe gesehen wird. Aus der Debatte wurde bereits in der ersten Sitzung eine Grundsatzdiskussion. Mehrere Experten und Vereine prangerten die Ausbeutung der Palmengärten an - und fordern die Rückkehr zu ihren Wurzeln.

Der Schaden für die Palmen der Costa Blanca, die ursprünglich unter den Mauren der Landwirtschaft dienten, sei in den vergangenen Jahrzehnten auch mit vermeintlich guten Absichten geschehen, etwa im Namen des Tourismus. Doch der Bau von Hotels inmitten der Jahrhunderte alten Haine habe diese schwer beschädigt. In dasselbe Horn blies in Valencia Biologe Vicent Sansano. „Der Palmeral von Elche ist ein landwirtschaftliches System und kein Garten“, polterte er und sorgte für eine Schlagzeile. Kein Garten? Gerade auf ihre paradiesischen Oasen wie den Huerto del Cura oder den Parque Municipal ist Elche überaus stolz.

Palmen der Costa Blanca: Beschädigte Gärten - Therapeutische Landwirtschaft?

Aber nachhaltig, das prangern Kenner der Palmen der Costa Blanca seit langem an, sei das rein touristische Modell nicht. Weder für die Palmengärten, noch für die Stadt Elche. „Der Garten tötet den Palmeral Schritt für Schritt“, legte Sansano nach. Der rein ästhetisch-touristische Nutzen führe dazu, dass die Palmenstadt „ein Fossil der Vergangenheit“ bewahre. Das neue Gesetz wolle aber „ein lebendiges Erbe schützen“, zurück zu den Wurzeln gehen. Tatsächlich wirkt die Stadt bei reduzierten Finanzmitteln und einer sinkenden Zahl an Fachkräften immer überforderter mit der Bewahrung der Haine.

Daher verstehe Sansano nicht, dass die Palmenstadt der Costa Blanca auch im Rahmen des neuen Gesetzes neue Freizeitzonen in den Hainen forderte. Eine ähnliche Kritik hatten vergangene Woche schon ein Palmeral- und ein Architektenverein geäußert. Stattdessen schlug der Biologe die Schaffung therapeutischer Kleingärten unter Palmen vor. Mit solchen mache die Stadt ja schon gute Erfahrungen, etwa im Viertel Altabix. Auch Zonen zur Förderung der Bio-Vielfalt, Insekten etwa, böten sich unter den Palmen an. Für einen Ausgleich von Freizeit und Landwirtschaft im Palmeral machte sich dagegen Anwalt Eduardo Medina stark.

Palmen der Costa Blanca: Statt beschädigte Gärten Landwirtschaft, wie hier im Viertel Altabix.

Palmen der Costa Blanca: Beschädigte Gärten - EU-Geld muss her

„Dem Palmeral seine bisherigen Nutzen zu nehmen, wird Entschädigungen notwendig machen. Und wir können keine Normen erstellen, die Bürgern ihre Rechte nehmen“, sagte der Jurist und forderte eine klare Katalogisierung der Palmen sowie eine gerechte Verteilung von öffentlichem und privatem Interesse. Letzteres sei etwa bei Enteignungen zum Schutz des grünen Erbes bedeutend. Zwar habe es seit den 1980ern Privateigentümer gegeben, die Palmen abholzten, aber auch durchaus andere, die im Sinne des Weltkulturerbes viele neue Palmen anpflanzten. Medina schlug vor, Letzteres auch in neuen Vierteln zu tun.

Landwirtschaft und Freizeit als Zwecke des Palmerals schlössen sich nicht aus. Die Kritik an der touristischen Nutzung der alten Haine sei „Katastrophismus“. Nötig sei aber unbedingt die Klärung der Finanzierung der Jahrtausendhaine. „Ohne Geldmittel sind wir tot, und das Gesetz wird in der Praxis nichts bringen“, mahnte der Jurist. So müssten nun auch EU-Gelder fließen und die Palmenstadt mit ihrer Pracht, die entweder zum Ackern oder Erholen – oder zu beidem? – einlädt, nicht alleingelassen werden.

Neugierig geworden auf die Palmenstadt von Spanien? Dann folgen Sie uns auf der Route durch die Palmenoase der Costa Blanca und bewundern in Elche sowohl Traumgärten als auch Ackerböden unter Palmen. Auch zu einer kulturellen Reise durch die Welt der Palmen an der spanischen Mittelmeerküste laden wir ein, genauso wie zu leckeren Datteln der Costa Blanca, einer vergessenen Delikatesse oder zur „Palma blanca“, einer einmaligen Tradition zum Palmsonntag.

Rubriklistenbild: © Stefan Wieczorek

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare