Stein liegt neben digitalem Foto von Skulptur auf Bildschirm.
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Costa Blanca: Die phönizische Skulptur, die im Acker vergraben lag, bildet einen iberischen Krieger ab.

Spaniens Wunder

Skulptur im Acker gefunden - Iberischer Krieger verblüfft Forscher an der Costa Blanca

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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Ein Landwirt aus Spanien fand 2018 bei der Arbeit einen merkwürdigen Stein. Länger hörte er nichts mehr von dem Fund. Nun melden Forscher: Es handelt sich um den Teil eines einzigartigen Kunstwerks aus ibero-phönizischen Zeiten.

Elche – „Rums!“ machte es, als Manuel Ibáñez in Elche mit dem Traktor seinen Acker pflügte. Auf einen dicken Brocken war der Landwirt von der Costa Blanca da aufgefahren. Er buddelte den Stein aus dem Boden und kam auf eine Idee: Der praktisch geformte Stein eignete sich wunderbar als Zusatzgewicht auf dem Pflug. Gesagt, getan. Doch nach der Arbeit fiel dem Landwirt aus Spanien noch etwas auf: Klare, ästhetische Formen auf der Oberfläche des Brockens. War er vielleicht Teil einer Skulptur?

Costa BlancaKüstenabschnitt in Spanien
ProvinzAlicante
RegionValencia

Costa Blanca: Iberische Skulptur im Acker gefunden - Forscher verblüfft

Bereits 2018 hatte der Bauer diesen Fund gemacht, ihn jedoch bei der Polizei abgegeben und lange nichts gehört. Doch dann 2021 der Anruf. Verblüffte Forscher des valencianischen Instituts für Konservierung, Restaurierung und Forschung meldeten sich bei dem Landwirt von der Costa Blanca. Der Stein, den er im Acker gefunden hatte - das erklärten die Experten ihm - sei Teil einer iberischen Skulptur. Vor 2.500 Jahren hatte ein Künstler einen Krieger abgebildet. Ganz klar seien runde Elemente der Rüstung, Gurte und Teile der Tunika zu erkennen.

Ein solches ibero-phönizisches Bildnis sei bisher weltweit einzigartig, meldet Miguel Pérez, Direktor der Museen der Stadt Elche. Untersucht wird der 45 mal 31 Zentimeter große Stein nun mittels moderner, nichtinvasiver Techniken im Archäologiemuseum Mahe.

Info: Empfehlenswerte Museen zum Kennenlernen der ibero-phönizischen Begegnung

  • Archäologisches Museum der Provinz Alicante, MARQ.
  • Archäologisches Museum der Stadt Elche, MAHE.
  • Archäologiepark La Alcudia, Fundort der Dama de Elche.
  • Nationales Museum der Unterwasser-Archäologie in Cartagena (Murcia).

Als waschechter Mann vom Elcher Land hatten für Manuel Ibáñez die Alarmglocken geläutet, als er 2018 die kunstvollen Formen auf dem Stein erkannte: Jedes Kind in Elche kennt die Geschichte von Manuel Campello, genannt „Manolico“, dem Bauernjungen, der 1897 im Acker die Dama de Elche fand. Ein regelrechter Kult entwickelte sich um die ibero-phönizische Jahrtausendfigur. Auf ihre Rückkehr aus Madrid wartet Elche sehnsüchtig bis heute. Zwar nicht in einem Stück erhalten wie die Dame ist der nun gefundene Krieger. Jedoch sei die künstlerische Qualität der Skulptur ähnlich hoch, sagen die verblüfften Forscher.

Möglich, dass die Forscher demnächst den Rest der iberischen Skulptur im Acker finden, wo Landwirt Manuel Ibáñez den Stein entdeckte. Es handelt sich um den Vorort Derramador, nahe des Naturparks El Hondo, 15 Autominuten vom Fundort der Dama de Elche entfernt. Immerhin übergab Manuel Ibáñez, anders als „Manolico“ 1897, das Fundstück, wie vom Gesetz vorgesehen, der zuständigen Einheit Seprona der Guardia Civil. Und der Krieger wurde nicht, wie die Dama de Elche, zu einem Spottpreis ins Ausland verkauft.

Costa Blanca: Iberische Skulptur im Acker - Inputs aus dem Orient

Eines schließen die Forscher im Falle des vom Landwirt Manuel Ibáñez gefundenen Stücks bereits aus: Dass es sich um eine Fälschung handle. Dieser Vorwurf umgab lange die Dama de Elche, die offenbar aus derselben Epoche stammt wie der nun gefundene Krieger. Allerdings war die in phönizischem Stile abgebildete iberische Dame 1897 an der Costa Blanca in einem Stück gefunden worden, was bis heute als ein Wunder der Archäologie gilt.

Costa Blanca: Landwirt Manuel Ibáñez lässt sich von Forscherin phönizische Skulptur erklären.

Nun tragen sie beide - der Krieger und die Dame - eine 2.500 Jahre alte Botschaft ins heutige Spanien: Dank des phönizischen Kunsthandwerks machten die einstigen Bewohner der iberischen Halbinsel einen unglaublichen kulturellen Fortschritt. Sie lernten, ihre eigenen Vorstellungswelten auf völlig neue Weise abzubilden. Dank Inputs, die auf Schiffen aus dem Orient kamen, lernten die Europäer gewissermaßen sich selbst neu kennen. Tatsächlich bestätigt sich der Mythos von der entführten Königstochter Europa immer wieder: Die kulturelle Wiege des alten Kontinents befindet sich in Asien.

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