Auf einer Brücke blickt eine Person mit blauem Regenschirm in einen Fluss voller Gräser.
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Verstopfter Fluss an Costa Blanca: Vor lauter Bewuchs sieht man an der Mündung in Guardamar fast das Wasser nicht.

Umwelt in Spanien

Verstopfter Fluss an Costa Blanca: Neues Hochwasser droht - Forscher verteidigt Gräser

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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Wenn im September Regen fällt, wachsen an der Costa Blanca die Hochwasser-Sorgen. Die Kanäle sind voller Gräser, in denen sich Abfälle verfangen. Doch nicht der Bewuchs, sondern die Bebauung mit Beton sei als Gefahr zu sehen, meint ein Bodenkunde-Forscher aus Elche, und nennt ein positives Beispiel aus der Schweiz.

Update, 15. September: Zwei Jahre nach dem Hochwasser im September 2020 hat Landeschef Ximo Puig (PSOE) in Almoradí bei einem Gedenkakt, wo damals die Ufermauer des verstopften Flusses Segura brach, versprochen, bei der Europäischen Union 700 Millionen Euro für sechs neue Aufbauprojekte zu beschaffen. Seit der Katastrophe habe Valencia 86,2 Millionen Euro in den Süden der Costa Blanca investiert, erklärte Landesvertreterin Antonia Moreno. Laut Orihuelas Bürgermeister Emilio Bascuñana (PP) lebe der Kreis jedoch mit „denselben Ängsten wie damals“, es fehlten Infrastrukturen und Finanzhilfen – vom Staat und vom Land. In den letzten Monaten war aber immer wieder von fließenden Geldern aus Valencia zu lesen, und von stockender Hilfe aus Madrid.

Costa BlancaKüstenabschnitt in Spanien
ProvinzAlicante
Autonome RegionComunidad Valenciana

Verstopfter Fluss an Costa Blanca: Neues Hochwasser droht - Forscher verteidigt Gräser

Guardamar - Am heutigen 13. September ist das große Hochwasser im Süden der Costa Blanca und Murcia zwei Jahre her. Wie steht es um die Vermeidung neuer Überschwemmungen? Na ja. Gegründet wurde der Präventions-plan „Vega RenHace“, und auf dem Nationalen Wasserkongress ab dem 30. September in Orihuela beleuchten Forscher die Folgen des Klimawandels für Küsten-Zonen wie die Costa Blanca in Spanien. Aber ruhig schlafen lässt das unsere Küste nicht. Warnungen vor neuen Hochwasser-Katastrophen werden wieder laut. Ein Grund: Der wieder an mehreren Stellen mit Gräsern verstopfte Fluss Segura.

Blickt man in der südlichen Costa Blanca nicht nur in den Fluss, sondern auch in die Seitenkanäle, mit denen die Vega Baja durchzogen ist, scheint die Sorge vor einem erneuten Hochwasser berechtigt. Quer durch den Kreis wuchern entlang des Segura die Gräser, es verfangen sich Abfälle und bilden gefährliche Dämme. An der Mündung in Guardamar ist im alten Flussbett das Wasser teils kaum zu sehen. Der Agrarverein Asaja schlägt Alarm. Das Wasserwirtschaftsamt CHS habe es wie 2019 versäumt, den verstopften „Notausgang“ ins Meer zu reinigen. Ein neues „Desaster“, menschlich wie materiell, drohe.

Orihuela an der Costa Blanca stand im September 2019 unter Wasser.

Sechs Menschen starben bei der Dana 2019, drei an der Costa Blanca, drei weitere in Murcia und Andalusien. Milliardenschäden entstanden in den Hochwasser-Gebieten an der Küste. Die Gefahr scheint nun wieder zu drohen. Das CHS jedoch entgegnet: Allein im Sommer 2021 habe es sieben verstopfte Kanäle am Fluss Segura aufgeräumt. Elfmal holte das Amt seit Januar tonnenweise Abfälle aus der Mündung bei Guardamar. 540.000 Euro habe das CHS seit 2019 in die Verbesserung des alten Flussbetts investiert. Besagte Gräser könne es aber nicht abrasieren. Denn es handle sich bei Guardamar um ein geschütztes Feuchtgebiet.

Beton ist keine Lösung: Hochwasser wegen fehlender Pflanzen

Nicht nur an der Mündung, auch im Hinterland ist der Fluss an vielen Stellen mit Gräsern gefüllt. Doch muss der natürliche Bewuchs im und am Fluss grundsätzlich als Gefahr gesehen werden? Keineswegs, sagt José Navarro, ein Bodenkunde-Forscher der Uni Elche, in der Zeitung „Información“ von der Costa Blanca. Navarro nahm am 20. europäischen Bodenwissenschaften Kongress in Genf teil. Lange habe eine unkritische Sicht auf die Küsten-Bebauung geherrscht, meint der Forscher. Damit dominierte das Paradigma, Flüsse in Beton-Strukturen einzubetten und so Hochwasser-Gefahren durch verstopfte Flussbetten zu minimieren.

Wie in Elche. Mit dem in Beton kanalisiereten Fluss Vinalopó wirkt hier auf den ersten Blick die Gefahr einer Verstopfung gebannt. Aber auf lange Sicht führe diese Art der Gestaltung von Flussumgebungen zur Zerstörung der Natur. Denn 25 Prozent der Ökosysteme würden schließlich durch Feuchtgebiete am Leben gehalten. Durch Siedlungen aus Asphalt und Beton, wie sie an der Costa Blanca vorherrschen, jedoch kein einziges. Letztendlich entstünden auch Katastrophen wie das Hochwasser 2019, weil Flutwasser nicht durch von Bäumen oder Gräsern bewachsene Böden aufgesogen werde.

Guardamar an der Costa Blanca: CHS-Arbeiter finden immer wieder tonnenweise Müll an der Mündung.

Kontrolliertes Hochwasser für neue Lebensräume: Beispiel Thur

Erst eine Rückführung der Strukturen rund um den Fluss in den Naturzustand, da ist sich Forscher José Navarro sicher, würde die Gefahr von unkontrollierten Überschwemmungen an der Costa Blanca nachhaltig verringern. Ein positives Beispiel nennt der Bodenwissenschaftler: Den Fluss Thur in der Schweiz. Vor der Mündung in den Rhein erhielt die Thur ihr natürliches Flussbett zurück. Die Folge: Sie bahnte sich eigene Wege und überflutete zwar die umliegende Auenlandschaft bei Hochwasser, jedoch auf kontrollierte Weise, sodass neue Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen entstanden.

Auch den Flüssen und Kanälen der Costa Blanca täte eine Rückkehr zu den natürlichen Prozessen gut. Aber damit sie nicht mit schwimmendem Müll verstopft werden, der sich in den Gräsern verfängt, dazu reicht kein noch so nachhaltiger Umbau aus. Man muss kein Forscher oder Experte sein, um zu wissen: Auch der Verbraucher ist gefragt, daran mitzuarbeiten, dass kein einziges Abfallstück mehr dort landet, wo es natürliche Lebensräume belastet und die Hochwasser-Gefahr verstärkt. Sonst wird die Küste von Spanien wegen ihren Flussbetten noch manche schlaflose Nacht verbringen.

Zum Thema: Spanien und der Klimawandel.

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