Mehrere Wanderer laufen auf einem steinigen Stufen-Weg durch die Berge hoch.
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Spektakuläre Wander-Route im Hinterland der Costa Blanca: „Catedral del Senderismo“

Wandern in Spaniens Bergen

Wandern im Hinterland der Costa Blanca: Stufen durch die Berge des Vall de Laguar

  • Anne Thesing
    VonAnne Thesing
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Die sogenannte „Catedral del Senderismo“, also Wanderkathedrale, im Vall de Laguar war einst Zeugnis harter Lebensbedingungen. Heute ist die Stufen-Strecke durch die Berge des Hinterlands der Costa Blanca ein Muss für Wanderer.

Vall de Laguar - Ángel Mengual kann die Wanderstrecke rund um die Höllenschlucht im Hinterland der Costa Blanca, den „Barranc de l’Infern“ im Vall de Laguar, nicht nur in seiner Funktion als Tourismus-Stadtrat des Vall de Laguar empfehlen. Auch privat habe er die Wanderung über die 6.873 Stufen durch die Berge schon unternommen. Nein, Muskelkater habe er danach nicht gehabt, sagt er lachend. Aber die Landschaft sei einfach nur „beeindruckend“. Auch deshalb wurde die Route vermutlich vor Jahren von Wanderfreunden, die den Auf- und Abstieg durch die Berge mit seinen tollen Aussichten als fast schon spirituell erlebten, auf den Namen „Catedral del Senderismo“, also Wander-Kathedrale, getauft. Mittlerweile ist diese Tour durch das Hinterland der Costa Blanca eine Attraktion.

La Vall de Laugar
Höhe450 m
Fläche22,96 km²
Bevölkerung820 (2018)
Provinz Provinz Alicante

Wandern im Hinterland der Costa Blanca: Treppe durchs Vall de Laguar hat historischen Ursprung

Dabei war es nicht immer ein Wander-Vergnügen, die Stufen durch die Berge hoch- und runterzusteigen. „Sie wurden seinerzeit von den Morisken per Hand in die Felsen gehauen“, sagt Mengual. Und das aus der Not heraus. Das Vall de Laguar war einer der letzten Zufluchtsorte der von den Christen unerwünschten Mauren, bevor sie im Jahr 1609 definitiv von Felipe III. aus Spanien vertrieben wurden. „Die Morisken mussten das Land bewirtschaften“, sagt Mengual. Doch das heutige Hinterland der Costa Blanca war ein raues, steiniges, schwer zugängliches Land. Um zu den fruchtbaren Stellen zu gelangen, vor allem mit den schwer beladenen Eseln, ließen sich die Mauren, die ohnehin als Meister der Steinarchitektur galten und ihren Nachfolgern unter anderem auch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem hinterließen, die Stufen einfallen. „Die den Weg zudem bei starken Regenfällen schützten“, sagt Mengual.

Auch nach der Vertreibung der Morisken, als das völlig leergefegte Vall de Laguar, wie auch andere Orte der Marina Alta, von Mallorquinern und Katalanen neu bevölkert wurde, erfüllten die Stufen durch die Berge des Hinterlandes noch ihren Zweck. „Über sie gelangten die Landwirte nach wie vor zu ihren abgelegenen Ländereien.“ Die heute um die 70-Jährigen hätten sie noch für diesen Zweck genutzt, sagt der Stadtrat. „Bis mit den Autos und den Traktoren auch die befestigten Straßen kamen.“ Und aus der Nutzstrecke schließlich ein Ort fürs Wandern wurde.

Wandern durchs Vall de Laguar: Strecke im Hinterland der Costa Blanca mit tollen Ausblicken

Vor rund 20 Jahren, sagt Mengual, „mit Beginn des Wanderbooms“, habe man die Stufen wieder instandsetzen lassen. Eine kontinuierliche Arbeit. „Auch nach dem „Gloria“-Unwetter an der Costa Blanca war einiges an der Strecke durch die Berge zu reparieren“, nennt er ein jüngeres Beispiel. Das Ergebnis ist ein einzigartiger Wanderweg, der ohne die Stufen kaum zu bewältigen wäre. Die 14 Kilometer lange und mindestens vier Stunden dauernde mittelschwere Rundwanderung beginnt in dem Dorf Fleix und führt immer wieder, teils im Zickzack, bergauf und bergab - mit sensationellen Ausblicken in Schluchten und auf Felswände.

„Es ist schon paradox. Wir sind nur 25 Kilometer von der Küste entfernt, aber viele kennen diese Landschaft im Hinterland der Costa Blanca, die auch an anderen Orten spektakuläre Landschaften bietet, nicht“, sagt Mengual. Attraktionen wie die „Wanderkathedrale“ würden helfen, das zu ändern. „Sie bringt Leute ins Dorf und in die Restaurants“, sagt er. Einnahmen, die vom Aussterben bedrohte Orte wie das Vall de Laguar dringend brauchen. „Von der Landwirtschaft kann hier kaum noch jemand leben.“

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