Ein mit Neonjacke bekleideter Hirte und sein Hirtenhund stehen auf einem Weinfeld und bewachen ihre Schafe und Ziegen.
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Iván García lässt seine Schafe und Ziegen auf Weinfeldern der Costa Blanca grasen.

Traditionelle Landwirtschaft

Wein an der Costa Blanca: Dünger und Pflege durch Schafe und Ziegen

  • Anne Thesing
    VonAnne Thesing
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Dünger versus Futter: Wie Iván Garcías Schafe und Ziegen und Cristina Rodriguez‘ Wein sich auf einer Finca an der Costa Blanca geben und nehmen.

Teulada-Moraira - Cristina Rodríguez von der Finca La Alberca in Teulada will nur das Beste für ihre Weinreben, aus denen sie den Moscatel-Eiswein M de Alejandría produziert. Iván García will nur das Beste für seine Schafe und Ziegen. Und so haben seine Tiere und ihre Weinreben vor fünf Jahren an der Costa Blanca zueinander gefunden. „Iváns Herde weidet einmal im Jahr für zwei Wochen auf meinen Feldern“, sagt Rodríguez, die diese Tage ganz besonders genießt. „Wenn es geht, versuche ich in dieser Zeit zuhause zu arbeiten. Es ist so friedlich, die Tiere weiden zu sehen und ihre Glocken zu hören.“

„Nur die Rebellen unter den Schafen und Ziegen tragen Glocken“, betont Iván García. „Wenn sie vom Weg abkommen, höre ich das sofort.“ Es ist zehn Uhr morgens. Von Teulada aus, wo seine Tiere jeweils die Nacht verbringen, hat sich der mit 35 Jahren jüngste und vielleicht auch einzige Hirte des Ortes an der Costa Blanca mit seinen Schafen und Ziegen über Landwege Richtung Finca La Alberca begeben. „Unterwegs freuen sich viele Menschen, uns zu sehen“, sagt er. Auf der Finca sind die Glocken der Rebellen schon von Weitem zu hören, es gibt eine kurze, stürmische Begrüßung durch Cristina Rodriguez‘ Hunde, die Schafe und Ziegen dagegen machen sich zielstrebig an die Arbeit – ans Fressen also. Und tun so ihren Teil für einen der qualitativ hochwertigen Weine, die Spanien zu bieten hat.

Schafe und Ziegen zwischen Wein: Teamarbeit an der Costa Blanca

„Schauen Sie sich den Unterschied an“, sagt Rodríguez. Die einen Felder sind schon sauber abgegrast, auf den anderen, die noch nicht von Garcías Herde bearbeitet wurden, ragt das Unkraut noch in die Höhe. Und das Beste für den Wein der Costa Blanca: die abgegrasten Flächen liegen voller Kötel. „Natürlicher statt chemischer Dünger“, freut sich Rodríguez über die Hinterlassenschaften der Schafe und Ziegen. „So wurde es früher auch gemacht und ich möchte diese Traditionen aufrechterhalten. Außerdem sollten wir uns in der Landwirtschaft gegenseitig unterstützen.“ So wie, in diesem Fall, Viehzüchter und Weinanbauerin.

Es ist nicht das einzige Feld an der Costa Blanca, das Iván Garcías Tiere – insgesamt hat er 140 Schafe und zehn Ziegen – auf Anfrage abgrast. „Auch andere Landwirte fragen mich, außerdem darf ich sie überall im Gemeindegebiet weiden lassen, wo es mir das Rathaus erlaubt“, sagt der Hirte und Viehzüchter, der seine Arbeit sichtlich liebt. „Die Ruhe“, antwortet er spontan auf die Frage, was ihm an diesem Beruf gefällt, der ihn schon als Kind, bei seinem Großvater, faszinierte.

Grasen an der Costa Blanca: Die Rebellen unter den Schafen und Ziegen tragen Glocken.

Kulinarischer Genuss für Schafe und Ziegen: Weinfelder an der Costa Blanca

„Ich erkenne die Tiere an ihrem Blöken, und an ihrem Blick sehe ich, ob ihnen etwas fehlt“, erzählt Iván García weiter und ruft ein Schaf, das es zu eilig hat, zurück. Auch das Grasen hat schließlich seine Ordnung, immer schön ein Feld nach dem anderen. Insgesamt stehen den Schafen und Ziegen auf der Finca La Alberca in Teulada 1,5 Hektar kulinarischer Genuss zur Verfügung. „Zu lange wollen sie nicht auf einem Acker weiden, dann fängt es an, nach Urin zu stinken“, sagt García. Wenn es den Tieren zu dreckig wird, geht es zum nächsten, wenn der Geruch verflogen ist, wird das vorherige beendet. Aber ist nicht die Versuchung groß, auch mal an den Reben zu knabbern? „Die Tiere kommen zu einer Zeit, wo der Wein Winterschlaf hält. Und die trockenen Zweige schmecken ihnen nicht, sie können also nichts kaputtmachen“, sagt Rodríguez, die ihre Anbaumethoden und Felder im vergangenen Jahr erstmals auch bei Führungen präsentierte.

Klingt alles sehr idyllisch, wäre da nicht das leidige Thema Geld. Auch an der Costa Blanca sei es schwierig, von der Viehzucht zu leben, sagt García. Die Produktionskosten überträfen fast den Preis, den er für ein Lamm bekommt. Umso wichtiger, dass er so wenig Futter wie möglich zukaufen muss – und seine Schafe und Ziegen sich ihre Nahrung aus der Natur holen. Zum Beispiel auf den Weinfeldern der Finca La Alberca in Teulada.

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