Dorf Saleres bei Granada.
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Saleres ist eines der idyllischen Dörfer im Hinterland von Granada, im Valle de Lercín.

Auswandern nach Spanien

Deutsche Auswanderer in Andalusien: Home Office Granada

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Sonne, Tapas und 5G - und die Holländer als Pioniere. Immer mehr Deutsche entdecken in Spanien nicht mehr nur die Küsten, sondern wandern in das Hinterland, das „leere Spanien“ aus. Andalusien ist ein Favorit.

Granada - "Die Deutschen und die Holländer erobern Granadas Inland", "Jetzt kommen sie nicht mehr nur, um ruhig ihre Rente zu genießen". Zwischen Skepsis und Begeisterung lesen sich Berichte über die aktuellen Einwanderungswellen der Nord- und Mitteleuropäer, die vermehrt das "leere Spanien" für sich entdecken, zum Teil weit ab von den sonst von den "guiris" gepachteten Stränden. Besonders fallen die blonden Neulinge im Valle de Lecrín auf, eine halbe Stunde mit dem Auto von Granada und seinen Schönheiten und fast eineinhalb Stunden vom Flughafen Málaga entfernt. In 17 Dörfer mit acht Rathäusern, umstellt von Oliven- und Orangenhainen, teilt sich das Tal zwischen Alpujarra-Kreis und Vega de Granada auf, ein Ausläufer der Sierra Nevada.

Spaniens größte Tageszeitung, "El País" war vor Ort, auch das regionale TV war hier und sprach mit Immobilienmaklern, die hier gerade Kasse machen. Doch gibt es keine sterilen Urbanisationen, gar Hochhäuser, kein Strand und kein "Irish Pub" oder "Deutschen Fleischer". Nur Spanien, Andalusien, in diesem Frühling besonders grün.

Umland von Granada hat alles, was die neuen deuschen Auswanderer brauchen: Spanien und 5G

"In den 90ern entdeckten einige britische Hippies mit Kindern und auch Rentner das Valle de Lecrín für sich", erzählt Antonio Manuel Ríos von Fides Homes. Doch "30 Jahre später hat sich das Kundenprofil komplett geändert", die "Holländer haben die Zone entdeckt, von ihnen kommen die meisten Anfragen, auch von Belgiern und Franzosen, Skandinaviern - und zu unserer Überraschung - jetzt auch die Deutschen."

Diese „Überraschung“ rührt daher, dass „die Deutschen“ bis dato meist erst in ein Gebiet einrückten, wenn es als „sicher“ galt, also weitgehend enthispanisiert wurde, der Rasen auf Gardemaß geschnitten und ein Aldi sowie ein deutschsprachiger Arzt in erreichbarer Nähe sind. „Der Deutsche“ bringt sein Geld und seine Klischees nicht einfach so ins wilde Hinterland von Spanien, er schickt die Holländer wie Pfadfinder vor und beklagt sich anschließend über die gestiegenen Immobilienpreise. „Die Deutschen kennen wir im spanischen Hinterland generell kaum, die gingen immer an die Küste, an der Levante genauso wie in Málaga“, erklärt der Makler etwas pauschalierend. Denn natürlich gibt es Deutsche im Inland, doch die machten, schon aus Prinzip, lieber einen Bogen um Immobilienmakler.

"Wenn die Deutschen kommen": Spanischer Immobilienmarkt im Hinterland wird aktiv

Arbeiten und Wandern. Deutsche zieht es ins Hinterland von Granada, hier ins Valle de Lecrín.

Es ist sozusagen die abschließende Corona-Welle, die jetzt über Spaniens Hinterland rollt, aber diesmal eine, die Gewinn bringt, neues Leben. Postcoronale Kolonisation: "Die Neuen kommen zum arbeiten her", sie "suchen die Ruhe des ländlichen Lebens, Sonne, ein bisschen authentisches Spanien und eine 5G-Verbindung", glaubt Diego Quero, der für die örtliche Zeitung "El Comarcal" arbeitet. Wer seit Corona auf teletrabajo, Home Office, umstellen durfte oder musste, der kam bald auf den Trichter, das auch in idyllischer Umgebung, in milderem Klima machen zu können. Die Bürgermeister des Valle hätten viel für die digitale Erneuerung getan, ergänzt er. Als Teil der Maßnahmen gegen die Landflucht in Spanien.

Dass "die Deutschen kommen", ist für den Immo-Makler Ríos ein Zeichen "für mehr", denn es gibt viele Deutsche und die suchen meist Objekte "für immer", kaufen vor mieten, ganze Häuser statt kleine Wohnungen. "Es sind Paare ab 35 Jahren, oft mit Kindern, leben vom Home Office oder haben eigene Firmen, die laufen, die sich von hier steuern lassen", schätzt der Makler ein. Die Kinder kommen hier in die Schulen, die spanischen, nicht internationale. Die Deutschen sind gekommen, um zu bleiben.

Gekommen um zu bleiben: Deutsche Auswanderer bleiben Spanien treu - Hoffnung auf Ende der Landflucht

Jeder zweite Immobilienverkauf gehe mittlerweile an Ausländer, so eine Quote gab es hier noch nie. Dass es für die Einheimischen bald teurer wird in den beschaulichen Dörfern, befürchtet kaum jemand. Es gebe gar nicht so viel Objekte oder Platz zum Bauen, als dass es eine Art "Überbevölkerung" mit Bauboom geben könnte. Im Gegenteil, eher schon erhoffen sich die Alteingesessenen einen Aufschwung für die lokale Wirtschaft, sei es für die Gastro, die Landwirtschaft, die Autowerkstatt "de toda la vida", weniger Leerstand. Und vielleicht bleiben so auch wieder einige Kinder der "Ureinwohner" vor Ort, anstatt in die Großstädte wegen oft prekärer Jobs zu ziehen und sich zu verlieren. Die Post und die Bank überlegen sich vielleicht auch nochmal die Schließung ihrer Filialen und eine Arztpraxis könnte sich auch installieren.

Home-Office. Viele Deutsche zieht es dafür nach Spanien.

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Und sollten doch noch viel mehr Ausländer kommen, zerstören sie in Kooperation mit gierigen Baufirmen und skrupellosen spanischen Funktionären nach den Küsten seit den 1960er Jahren nun auch das Inland? Zuzutrauen ist es diesem Konglomerat bestimmt, aber das muss diesmal nicht so kommen. Es gibt schließlich noch viel "leeres" Spanien, uralte Dörfer mit gewachsenen, aber verlassenen Strukturen, aber auch ein neues Bewußtsein für deren Charme, in Andalusien, in der Mancha, der Extremadura, Dörfer mit viel Spanien und wenig Meer (aber in Reichweite), aber manchmal schon 5G. Man muss nur den Holländern folgen.

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