Windkraftanlage auf den Kanarischen Inselns, Fuerteventura.
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Windkraftanlage auf Fuerteventura bei Puerto del Rosario, massiver Eingriff in die typische Landschaft der Kanaren-Insel.

Grüner Tourismus in Spanien

Fuerteventura: Erneuerbare Energien und Ökotourismus bedrohen Paradies der Kanaren

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Fuerteventura, das vulkanische Paradies der Kanarischen Inseln, voller Dünenlandschaften, endloser Sandstrände, skurriler Landschaften und subtropischem Flair, ist bedroht. Einmal mehr durch Bebauung, Tourismus, Großprojekte, aber nun auch durch Technologien, die die Umwelt eigentlich schützen sollen und durch angeblich sanften „Ökotourismus“. Fuerteventura repräsentiert Probleme, die auf ganz Spanien zukommen.

Fuerteventura - In normalen, also Coronavirus-freien Jahren kamen 2.200 Touristen auf 100 Einwohner auf die Kanarische Insel Fuerteventura. Das ist die höchste Rate in ganz Spanien, noch vor Lanzarote oder Ibiza. Und dabei gilt Fuerteventura, wegen seiner vergleichsweise geringeren Bebauung noch fast als Geheimtipp. Ein Geheimtipp, den monatlich 150.000 Urlauber heimsuchten.

Fuerteventura: Permanente Expansion des Tourismus

Der Druck von Hotel- und Bauunternehmen auf die Inselregierung war daher stets hoch und die Versuchung, immer mehr Wohnanlagen mit Ferienwohnungen oder All-Inclusive-Hotels zu errichten lockt auch als Einnahmequelle. 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und 60 Prozent aller Arbeitskräfte hängen am Tourismus, vor allem die Westküste mit den Orten La Oliva, Pájara und Antigua gelten seit den 1990-er Jahren als gesättigt und übersättigt, während der Osten und das Innere der Insel durch den Landschafts- und Naturschutz noch ihr ursprüngliches Antlitz weitgehend erhalten konnten.

Weitgehend heißt aber nicht gänzlich, die Dünen von Corralejo, die Strände von Sotavento, die Umgebung des Hafens von Puerto del Rosario oder Caleta de Fuste wurden, trotz eines Schutzstatus Opfer des Bauwahns und haben ihr Hauptkapital, die Landschaft, umgemünzt. Noch 2017 wurden seitens des damaligen Bauministers der Kanaren, Blas Acosta, PSOE, der Inselnutzungsplan von Fuerteventura PIO zu Gunsten touristischer Projekte abgeändert, mit der anachronistischen Begründung, man könne sonst kein ökonomisches Wachstum generieren.

„Passt in die Landschaft“, meinen die Entwickler des Kino-Themenparks Dreamland, die nach einem Standort auf Fuerteventura suchen.

12 neue touristische Zonen sollten so auf Fuerteventura ausgewiesen werden, zwar fegten Proteste und Opposition den PIO 2020 erstmal vom Tisch, aber mehrere Projekte bedrohen dennoch die letzten Idyllen auf Fuerteventura, zumal die Insellage als relativ sicher gegenüber dem spanischen Festland gehandelt wird, wenn es um die "neue Normalität" nach dem Coronavirus geht.

Albtraum Dreamland auf Fuerteventura: Themenpark will sich am Naturpark einnisten

Als Beispiel für rücksichtslose Investoren gilt das Projekt Dreamland, ein cineastischer Themenpark in riesigen Dimensionen. Dreamland versuchte zunächst auf Gran Canaria und Teneriffa Fuß zu fassen, scheiterte dort aber und wandte sich dann nach Fuerteventura. Nur einen halben Kilometer vom Naturpark der Dünen von Corralejo soll für 77 Millionen Euro ein Erlebnispark rund um die Welt des Films entstehen, mit Produktionsstudios, Spektakel in Themenparks und Riesenkinos, Hotels, Restaurantes, Shopping.

Die Dreamlander hätten das Projekt ebenso gut in einem Industriegebiet auf der Insel ansiedeln können, doch sie meinten, neben den Dünen sei der beste Standort dafür. Der eigentliche Grund, der dortige "suelo rústico", ländlicher Mischgrund, ist um ein Vielfaches billiger als erschlossene Baugrundstücke, die sonst zu haben sind. Proteste von Umweltgruppen und sogar der Koalitionspartner der PSOE-Inselregierung stoppten des Projekt zunächst. Doch schon rief der Bürgermeister von Puerto del Rosario, Juan Jimenez, PSOE, "wir brauchen solche Projekte" und lädt das Dreamland in seine Kommune. Es ist also längst nicht sicher, dass der Trauminsel das Albtraumprojekt Dreamland erspart bleiben wird.

Zu viel Ökostrom auf Fuerteventura: Umweltgefahr Windparks und Fotovoltaik-Anlagen

Doch neben solchen Mega-Projekten und der latenten Bedrohung durch Siedlungen von Ferienwohnungen und neue Hotels, werden ausgerechnet die Erneuerbaren Energien zu einer weiteren Bedrohung für die paradiesische Insel. 22 Windparks und 51 Fotovoltaik-Anlagen sind auf Fuerteventura zur Zeit in Planung und teils schon Realität, die zusammen 6,6 Millionen Quadratmeter Fläche einnehmen. Die Dimensionen sind für die Insel vollkommen überproportioniert: Die Solarparks würden bei vollem Betrieb 217 MW, die Windparks 227 MW Leistung erbringen, während die ganze Insel im Vollbetriebe - also mit Tourismus - gerade 76 MW braucht. Und dabei sind zahlreiche Off-Shore-Windparks noch gar nicht mitgerechnet.

Der Boom der Erneuerbaren Energien, zum Beispiel durch Solarenergie-Anlagen in der Landwirtschaft in Spanien birgt überall Spannungen.

Windkraftanlage auf Fuerteventura bei Puerto del Rosario, massiver Eingriff in die typische Landschaft der Kanaren-Insel.

Der Umweltingenieur Roque Calero sieht im Radio Sintonía eine regelrechte "Jagd auf Inselboden", um sich Subventionen zu sichern, aber auch um gegenüber der Konkurrenz im Wortsinne "Boden zu gewinnen und an Wert zu wachsen". Calero verlangt, dass die Einzelregierungen der Inseln ein Gesamtkonzept erarbeiten, dass die Projekte verteilt und eindämmt, damit sie sowohl ökonomisch sinnvoll als auch ökologisch vertretbar umgesetzt werden. Denn so, wie die Anträge auf dem Tisch liegen, wäre das "das Ende der Insellandschaft wie wir sie kennen". Ökologen weisen, neben der landschaftlichen Verschandelung, auch auf die schweren Probleme hin, die Windkraftwerke in der Vogelwelt anrichten.

Ökotourimus auf Fuerteventura: Gut gemeint, aber trotzdem eine Gefahr für die Umwelt

Doch auch kleinere, sich als ökologisch postulierende Projekte lassen die Alarmglocken der Umweltschützer schrillen. So klingen Campingplätze für ornithologischen Tourismus oder Sport-Campingplätze erst einmal harmlos, doch Ecologistas en Acción, die aktivste Umweltgruppe, verweist auf die Sensibilität der Vogelschutzzone, Zona de Especial Protección de Aves (ZEPA), die Teil des EU-Netzwerkes Red Natura 2000 ist.

Denn auch wenn sich die Projekte, wie jenes am Strand der fast noch unberührten Piedra Playa ökologisch gibt, hat dieses "Ökocamping" doch Auswirkungen: fünf fest gebaute Baracken, eine Abwasseranlage, Stellplätze und Platz für je 200 Urlauber, bleiben ein Eingriff in die Natur. Die Angst der Umweltschützer: Die Welle eines "grünen Tourismus" könnte einen Boom auslösen, der durch die schiere Masse am Ende ebenso negativ die Insel verändert, wie der ordinäre Massentourismus.

Zum Thema: Streit um Windpark an der Cost Blanca.

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