Zwei Models posieren in weißen Kleidern am Meer auf Ibiza.
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Weiße Stoffe prägen den Stil der Ibiza-Mode bis heute, hier Modelle der Adlib-Marke „Vintage Ibiza“.

Modenschau von Adlib

Mit flatternden Stoffen und internationalem Flair: Ibiza-Mode feiert 50. Geburtstag

  • VonClementine Kügler
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Es waren die Jahre der Hippies, als auf Ibiza ein eigener Stil entstand. Entscheidend mitgeprägt haben die Adlib-Mode zwei Deutsche. Jetzt feiert die Ibiza-Mode 50-jähriges Bestehen.

Mit verspielten Klamotten fing eine Handvoll Designer an – inzwischen ist Adlib ein internationaler Markenname für Ibiza-Mode und ein gutes Geschäft. Um Brautmoden erweitert, sind die jährlichen Modeschauen ein Ereignis. In diesem Jahr findet eine einzige Schau in der Altstadt Ibizas statt. Im vergangenen Jahr hatten die Designer wegen der Corona-Krise nur Online-Auftritte. Da ist die jetzige „pasarela adlib“ mit Topmodel Nieves Álvarez beschwingter.

Mode aus Ibiza: Flatternde Stoffe und Hippies aus der ganzen Welt

Das Budget ist allerdings kräftig eingefroren. 300.000 Euro sind im Gegensatz zu über 800.000 im Jahr 2019 wenig, aber da liefen die Models auch vier Tage über den Laufsteg. Gefördert wird das Mode-Event von Ibizas Insel-Regierung, dem Consell. Der hat die 16 Modedesigner und Schöpfer von Accessoires unter seine Fittiche genommen, organisiert Messe-Reisen und Werbung und zum 50. Jubiläum Ausstellungen und Filme. Adlib Ibiza ist für das Image der Balearen-Insel mehr als nur ein Aufmarsch attraktiver Fähnchen.

Die internationale Ausrichtung der Ibiza-Mode war von Anfang an sozusagen mitgegeben. Es waren die Jahre der Hippies, die aus der ganzen Welt auf die kleine Mittelmeer-Insel Ibiza nach Spanien kamen und fernöstliche Einflüsse mitbrachten. Sie verbanden Toleranz und Freiheit mit langen Haaren und flatternden Stoffen, die manchmal mehr zeigten als sie verhüllten.

Mode aus Ibiza von deutschen Auswanderern geprägt

Ganz anders die Trachten der ibizenkischen Frauen. Feste, meist dunkle Stoffe hüllten deren Körper ein, versteckten die Beine unter mehreren übereinander getragenen Unterröcken, schützten den Busen nicht nur durch Blusen, sondern legten auch noch Umschlagtücher drüber. Bemerkenswert war allerdings die Handfertigkeit und sorgfältige Verarbeitung. Gewebte Naturstoffe wie Baumwolle, Wolle, Seide, Hanf und Leinen wurden auf Ibiza mit Bordüren, Spitzen und Stickereien versehen.

Es waren die deutschen Auswanderer Dora Herbst und Armin Heinemann, die um 1970 – sie etwas früher, er etwas später – das kreative Paradies Ibiza entdeckten und zusammen mit Spaniern, Amerikanern und Franzosen die lockere Robe aus leichter Baumwolle kreierten, die Blumenstoffe, transparente Spitzen, Tüll und Leder verwendeten und ihre Phantasie spielen ließen. Der Erfolg war immens. Dora Herbst pendelte von Anfang an ins Ausland, um die Mode bekannt zu machen. Sie ging auf Messen und kleidete Romy Schneider und Brigit Bardot ein. Dafür wurde sie von der spanischen Regierung, die der grauen Franco-Diktatur gerne ein positives Flair für den Tourismus verleihen wollte, geehrt.

Erste Mode-Events auf Ibiza mit Stars und Glamour

Auf Ibiza nahm eine angebliche jugoslawische Prinzessin die selbsternannten Modeschöpfer an die Hand. „Alle reden von der Prinzessin. Niemand weiß genau, wie sie 1967 nach Ibiza kam und ob sie auch wirklich eine Prinzessin ist, aber nach eigener Aussage stammt sie aus Jugoslawien und heißt Smilja Mihailovich. Sie versteht sich ausgezeichnet mit allen einflussreichen Politikern und ist die beste Freundin von Abel Matutes“, erinnert sich Heinemann in Wiltrud Schwetjes Ibiza-Buch „Goodbye Tanit?“. Matutes gilt bis heute als „Pate“ der Insel und war spanischer Außenminister und EU-Kommissar.

Sie war keine Prinzessin, sondern eine Hochstaplerin, meinen andere. Was sie allerdings erreichte, war tatsächlich hochkarätig. Sie richtete 1971 die erste Adlib-Modenschau aus, daher das 50. Jubiläum 2021. Adlib leitet sich von ad libitum ab, was „nach Belieben“ bedeutet. Unter dem Motto „Kleide dich, wie du willst, aber geschmackvoll“, katapultierten sie und Dora Herbst, die zwar Nachbarinnen waren, sich aber keinesfalls mochten, Ibizas Mode in die Boutiquen und Kleiderschränke in Berlin, Paris, London und New York. Die erste Schau war gut organisiert. Die internationale Presse sorgte für ein breites Echo. Stars wie Julio Iglesias und Ursula Andress verliehen dem Ereignis Glamour.

Internationale Truppe und heimische Näherinnen für Mode aus Ibiza

Heinemann, der eigentlich Architekt war, eröffnete „Paula’s“ und wurde mit seinem Laden und seinen Schöpfungen zur Legende. Die Boutique war klein und der Andrang groß. Dass der Zugang mit einer Kordel abgesperrt wurde, erhöhte die Attraktivität und verlieh dem Eingelassenen einen Hauch von Exklusivität. Es waren die goldenen Jahre auf Ibiza, die Heinemann beschreibt: „Jeder hat seinen eigenen Stil, seine eigene hier auf der Insel entwickelte Kreativität. Es geht uns nicht um Konkurrenz oder darum, wer der Bessere ist. Wir freuen uns einfach an der schöpferischen Tätigkeit des anderen und an dessen ganz persönlicher Sicht von dem, was er unter Mode versteht. So inspirieren wir uns gegenseitig dazu, unseren eigenen Weg weiterzugehen.“

Die internationale Truppe heuerte die Frauen auf Ibiza an, die webten, nähten, färbten und bügelten, strickten, stickten und klöppelten und zum Staunen der Hausherren der traditionellen ibizenkischen Gesellschaft plötzlich berufstätig wurden. Dass klassische Schneidereien für Hochzeiten und Kommunionen kostbare Gewänder fertigten, floss in den neuen Mode-Stil ein. Das Geschäftsvolumen vervielfältigte sich.

Mode aus Ibiza setzt immer noch auf Handarbeit und Naturstoffe

Das Können und die sorgfältige Handarbeit bleiben wie die Naturstoffe bis heute Grundlage für Adlib. Und natürlich wandelt sich die Mode, wie es der Name ja vorgibt. In den vergangenen Jahren wird die Hochzeitsmode stark gepuscht. Ibiza hat eine ganze Infrastruktur geschaffen, um Traumhochzeiten zu organisieren. Das passende Outfit darf nicht fehlen.

Mode aus Ibiza: Modell der Adlib-Firma „Ibimoda“ von 2020.

Die Modemacher fertigen auf der Insel, haben eigene Werkstätten. Wer außerhalb fertigen lässt, gehört nicht zum Club. Dennoch gebe es viele, die Ibiza-Mode machen, ohne zu Adlib zu gehören, erzählt Alberto Serra, einer der Gründer von „Vintage Ibiza“. Das Label hatte für Aufsehen gesorgt, als Königin Letizia sich für den Ibiza-Besuch im August 2020 ein Kleid der Designer Alberto Serra und José Antonio Marí ausgesucht hatte.

Auch Königin Letizia trägt Mode aus Ibiza

Ein weißes Kleid mit kleiner Lochstickerei, klassisch und nach Aussage von Serra für die Königin ideal. „Vintage Ibiza“ ist eine der 16 Marken. Andere sind „Tony Bonet“, „Ibimoda“, „Monika Maxim Ibiza“, „Ivanna Mestres“, „Virginia Vald“, „Piluca Bayarri“, „Etikology“, „Ibiza Stones“ und die Assecoires von „Elisa Pomar“, „Espardenyes Torres“, „S72Hat“, „Dolors Miró Ibiza“, „K de Kose-Kose Priveé“ und „Estrivancus“, denn Schuhe aus Espartogras und Strohhüte gehören wie leichte Tücher, abgeleitet vom „Mantón de Manila“ genannten Umschlagtuch, zur Ibiza-Mode dazu.

Ursprünglich waren alle wie ein internationaler Verein, erinnert sich Dora Herbst in ihrer Boutique im Yachthafen Ibizas. Jetzt hingegen seien alle Designer Ibizenkos. Man bliebe eher unter sich. Es gibt eine eigene Mode-Akademie, die den Nachwuchs ausbildet und auch von der Insel-Regierung gefördert wird. Die jungen Modemacher nehmen am Wettbewerb „Futur Adlib“ teil. Am 11. Juni wurden die diesjährigen Preisträger ausgelobt.

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