Schwangerer Transgender-Mann vor Geburt von Kind in Spanien.
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In Madrid hat ein Transgender-Mann ein Kind zur Welt gebracht. Das Foto zeigt Rubén Castro vor der Geburt von Luar.

Geburt in Spanien

Madrid: Transgender-Mann bringt Kind zur Welt - Geschlecht? „Hije“

  • Stefan Wieczorek
    vonStefan Wieczorek
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Am 1. Mai wurde in Spanien das Kind Luar geboren. Aus dem Bauch eines Mannes aus Madrid. Die Transgender-Geburt ist für die LGBT-Gemeinschaft ein Meilenstein.

Madrid - Am Muttertag in Spanien, 2. Mai, vermeldete es Rubén Castro auf den sozialen Netzwerken: „Luar ist da.“ Damit begrüßte der Spanier aus Madrid sein erstes Kind, das tags zuvor geboren wurde. Im ganzen Land hatte vor allem die LGBT-Community auf die Nachricht gewartet. Das Besondere am Kind: Ein Transgender-Mann brachte es zur Welt. Denn Rubén Castro hatte es neun Monate lang im Mutter- beziehungsweise Vaterleib getragen. Es war die erste medienträchtige Schwangerschaft eines transsexuellen Mannes in Spanien.

MadridHauptstadt von Spanien
Höhe667 m
Bevölkerung3,223 Millionen (2018)

Madrid: Transgender-Mann bringt Kind zur Welt - Schwangerschaft als Doku

Seitdem er das Kind empfangen hatte, brachte der 27-jährige Transgender-Mann aus Madrid seine Schwangerschaft an die Öffentlichkeit. Rubén Castro teilte etwa Bilder von seinem immer runder werdenden Bauch auf sozialen Netzwerken oder ließ sich für eine kommende LGBT-Doku filmen. Als er Luar am 1. Mai zur Welt gebracht hatte, entschuldigte er sich bei seinen Followern „für das Schweigen, die Abwesenheit und dafür, dass ich eure Nachrichten nicht beantwortete“. Er habe sein Kind, „eine Kostbarkeit“, begrüßen wollen.

Doch der Transgender-Mann aus Madrid äußerte sich auch zur Erfahrung, das Kind zur Welt zu bringen: „Es war das Schwierigste und Ersehnteste, das ich bisher erlebt habe. Das Abenteuer hat aber erst begonnen.“ Luar lautet der Name des Kindes. Das bedeutet „der Glanz des Mondes“ in der galicischen Sprache. Luars Geschlecht? „Hije“, schrieb Rubén Castro auf Instagram. Das ist die geschlechtsneutrale Form von „hija“ und „hijo“, Tochter/Sohn. Die Endung „e“ ist sozusagen der inoffizielle Genderstern der spanischen Sprache Castellano.

Madrid: Transgender-Mann bringt Kind zur Welt - Streit um Trans-Gesetz

Damit signalisiert der Transgender-Mann aus Madrid: Er will dem Kind, das zur Welt gebracht hat, kein Geschlecht vorsetzen. Diese Philosophie verfolgt die LGTBI-Gemeinschaft in Spanien und will so das Leiden von transsexuellen Menschen an einem auferlegten Geschlecht vermeiden. Das spanische Gleichstellungsministerium hat, um der Trans-Community entgegenzukommen, Anfang 2021 ein „Trans-Gesetz“ vorgestellt. Damit sollen Menschen ihr Geschlecht ohne Hormontherapie und Operation wählen können.

Doch um das Transgender-Gesetz entbrannte in Spanien nicht nur eine heftige Debatte, sondern auch ein großer Streit in der Regierungskoalition. Die linksalternative Podemos treibt das „Ley Trans“ voran, der sozialistische PSOE schießt dagegen, vor allem aus feministischen Bedenken: Männer könnten durch die stark liberalisierten Trans-Rechte mit Leichtigkeit in geschützte Sphären von Frauen vorstoßen. Momentan wird eine Art Kompromiss zwischen Trans- und LGBT-Recht diskutiert. Die Trans-Gemeinschaft will aber ein eigenes Recht.

In Madrid hat ein Transgender-Mann ein Kind zur Welt gebracht - den kleinen Luar.

Madrid: Transgender-Mann bringt Kind zur Welt - „Super-befreiendes“ Gefühl

Wie die Geburt des Kindes Luar vonstatten ging, blieb zunächst unklar. Kurz zuvor hatte der Transgender-Mann aus Madrid sich eine „möglichst idyllische“ Weise gewünscht - im Wasser und ohne PDA-Schmerzlinderung. Eine Schwangerschaft hatte er sich schon immer gewünscht, erklärte Rubén Castro. Dafür hätte er sogar seine körperliche Anpassung an das gefühlte männliche Geschlecht in Grenzen gehalten. Er ließ sich etwa nicht die Brüste wegoperieren, mit denen er Luar nun stillen kann. Auch ließ sich Castro die Eizellen einfrieren.

„Ich wünschte, dass meine Erfahrung in den Bereichen Erziehung, Arbeit oder Gesundheit dienen kann“, erklärte der Trans-Mann aus Spanien, der ein Kind zur Welt brachte. Die Welt der Transgender-Menschen sei eine „sehr unbekannte Realität“. Rubén Castro selbst habe immer wieder gegen Widrigkeiten und Feindseligkeiten ankämpfen müssen. Doch die Entdeckung, dass man als Mann schwanger werden könne, sei für den gelernten Erzieher „super-befreiend“ gewesen. Als stünde der „Himmel offen“, so der transsexuelle Spanier.

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