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Mispeln: Leckere Frucht aus Spanien hat jetzt Saison – Geschichte, Rezepte und Verarbeitung

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Von: Judith Finsterbusch, Stephan Kippes

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Eine Frau sortiert Mispeln in verschiedene Kisten.
Callosa ist das Mispel-Mekka in Spanien. In der Kooperative werden die Früchte versandfertig verpackt. © David Revenga

In Spanien haben jetzt Mispeln Saison, die vor allem im Hinterland der Costa Blanca angebaut werden. Die Frucht gilt als ebenso empfindlich wie gesund, lässt sich vielfältig verarbeiten und kann bei verschiedensten Rezepten zum Einsatz kommen.

Callosa d‘en Sarrià - „En abril – aguas mil“ (etwa: Im April – tausend Wasser) lautet eine spanische Wetterweisheit und dieses Jahr übertraf schon der März an der Costa Blanca seinen Folgemonat. In Callosa d’en Sarrià und Umgebung zerstörte der Regen einige frühreife Mispeln, den größten Schatz der Dörfer im Hinterland der Marina Baja. Jetzt, Ende April, beginnt die Mispel-Saison in Spanien so richtig, und Callosa ist unangefochtene Hauptstadt dieser besonderen Früchte, die nur wenige Wochen im Jahr geerntet und gegessen werden.

Japanische WollmispelPflanze
Wissenschaftlicher NameEriobotrya japonica
Höhere KlassifizierungWollmispeln
FamilieRosengewächse (Rosaceae)

Mispeln aus Spanien: Saison mit 13.000 Tonnen an der Costa Blanca

„Wenn es regnet und die Früchte schon fast reif sind, werden die empfindlichen Mispeln beschädigt und platzen schnell auf“, erklärt Esteban Soler, Agraringenieur bei der Kooperative Ruchey in Callosa. Außerdem können durchgeweichte Felder nicht betreten werden und die gesunden Früchte aus Spanien werden überreif. Der viele Regen der letzten Tage und Wochen sollte also jetzt, zur Ernte, allmählich stoppen. „Was wir brauchen, um leckere Mispeln essen zu können, ist jetzt Sonne und gutes Wetter mit tagsüber 23 bis 24 Grad und nachts mindestens 14 bis 15 Grad“, so der Mispel-Experte.

Das ideale Wetter für den Reifeprozess der Früchte sieht folgendermaßen aus: Kaum Regen während der Blüte, milde Temperaturen den ganzen Winter über und sanfte Niederschläge während des Reifeprozesses sind die perfekte Mischung für beste Mispel-Qualität. Bis zur Ernte hatte das Wetter auch perfekt mitgespielt: Mit bis zu 13.000 Tonnen Mispeln rechnen die Bauern an der Costa Blanca dieses Jahr.

Etwa 80 Prozent der Ernte sind für den Export bestimmt, Hauptabnehmer ist Italien mit etwa 10.000 Tonnen. Weitere Ladungen der Frucht gehen nach Frankreich, Portugal und Deutschland. „Wir bemühen uns, immer mehr Verträge mit Supermärkten abzuschließen, um die Mispeln in Deutschland bekannter zu machen. Bislang sind es aber vor allem Türken in Berlin, die die Früchte kaufen, weil sie sie aus ihrer Heimat kennen“, erklärt Soler.

Wissenswertes rund um die Mispel

Mispeln stellen in Spanien ein ganzes Dorf auf den Kopf

Während der Mispel-Saison steht das sonst beschauliche Dorf Callosa d’en Sarrià im Hinterland der Costa Blanca Kopf: In dem kleinen Ort dreht sich ab Ende März alles um die Mispel, die mit der geschützten Herkunftsbezeichnung D.O. Nísperos de Callosa d’en Sarrià auf den Markt kommt. Hier und in den umliegenden Dörfern reifen die Hälfte aller Mispeln aus Spanien, auf etwa 1.000 Hektar Anbaufläche wächst Europas erstes nicht importiertes Frühjahrsobst der Saison heran – eine gesunde Frucht, die im Mittelmeerraum bekannt und beliebt ist und auch in Nordeuropa immer mehr Anhänger findet.

Ein Mann mit einem Eimer über dem Arm pflückt Mispeln von einem Baum auf einer Plantage.
In Spanien ist Mispel-Saison. 50 Prozent der gesunden Früchte werden in Callosa und Umgebund geerntet. © Ángel García

Dabei sind Mispeln alles andere als einfach zu handhaben, der Baum an sich ist zwar robust, die Früchte dafür umso empfindlicher: Nísperos mögen es frisch, aber nicht zu kalt – Temperaturen unter dem Gefrierpunkt bekommen ihnen nicht. Bei abrupten Windstößen verfärben sich Mispeln lila, Regen ist für den Reifeprozess unabdingbar – für die Erntezeit dagegen fatal. Und auch während der Mispel-Saison ist bei der Ernte äußerste Vorsicht geboten. Selbst schwacher Druck hinterlässt schwarze Stellen auf der Mispelhaut, die allerdings erst Stunden später sichtbar werden – die Ernte ist deshalb Handarbeit. Dazu kommt, dass nicht alle Früchte am Baum gleichzeitig reif werden, die Feldarbeiter müssen jeden einzelnen Baum sechs, sieben Mal während der Saison abernten.

Mispeln kommen nicht aus Spanien und auch nicht aus Algerien: Gesunde Früchte aus Asien

Fragt man die Landwirte in Spanien, woher die Mispel kommt, sagen sie, aus Algerien. Sie irren. Der Mispelbaum kommt aus China und Japan, und die hiesige japanische Mispel gelangte wahrscheinlich mit Kapitän Cook in mediterrane Gefilde. Seit dem 19. Jahrhundert erntet man an der Costa Blanca Mispeln, doch bis ins 20. Jahrhundert hinein vorwiegend eine süßere und fruchtigere Art, die Nadal-Mispel.

Weil es aber nach dem Bürgerkrieg in Spanien auch in Callosa d’en Sarrià und Umgebung kriselte, gingen viele nach Algerien und verdienten sich dort als Erntehelfer auf den Plantagen französischer Kolonialherren ihren Lebensunterhalt. Einer von ihnen, er war aus Callosa, entdeckte Mitte der 1960er Jahre in einem Garten einen Mispelbaum, bei dessen Anblick es ihm die Sprache verschlug. Noch nie hatte er so große Mispel-Exemplare gesehen.

Er brachte ein paar Samen mit nach Callosa, und Esteban Soler schwört Stein und Bein, dass jener Mispelbaum heute noch steht. Er löste einen Früchtekrieg zwischen Anhängern der süßen Nadal und der etwas säuerlicheren Art aus Algerien aus. Letztere passt sich viel besser an das Mikroklima im Hinterland der Costa Blanca an, ihr niedriger Zuckergehalt macht sie resistenter gegenüber Transportschäden, und so setzte sie sich in Spanien durch und ist längst ein fester Bestandteil der valencianischen Küche. Sie trägt den Namen Algerie – eine Verbindung aus Algar (so heißt der Fluss, der durch Callosa fließt) und Algerien.

Mispeln gelten als gesund, vitaminreich und kalorienarm

Den Bauern in Spanien zufolge sind Mispeln gut für die Nieren und sie sollen die Potenz fördern. Die gesunde Frucht kommt mit einer geballten Ladung Vitamin A daher, außerdem stecken jede Menge Eisen, Kalzium und Magnesium in ihr. Auch ist das Obst reich an Antioxidantien, Spanier schwören auf die kalorienarmen Mispeln für Diabetiker und zum Senken des Cholesterinspiegels.

Eine weiße Kiste voller orangefarbener Mispeln.
Die orangefarbenen Mispeln sind saftig und gesund. Die Frucht aus Spanien kann vielseitig verarbeitet werden. © Ángel García

Wer Mispeln verarbeitet, sollte dabei eine alte Schürze hervorkramen: Der Saft der gesunden Frucht hinterlässt braune Flecken auf der Kleidung, die äußerst waschmaschinenresistent sind. In Spanien wird die Haut der gesunden Frucht vor dem Essen entfernt. Dazu einfach mit dem Daumennagel in das Loch, das der Stiel oben auf der Frucht hinterlassen hat, hineinritzen und die Haut wie bei einer Banane von oben nach unten abziehen.

Mispeln aus Spanien: Verarbeitung und Rezepte

Für die Verarbeitung von Mispeln bieten sich unzählige Möglichkeiten. Da die Frucht nicht übertrieben süß ist, sondern auch leicht säuerlich daherkommt, lässt sich vom Aperitif bis zur Nachspeise ein komplettes Menü mit dem Obst zaubern – wobei die saftigen Nísperos natürlich auch einfach pur gegessen werden können. Der Regulierungs-Ausschuss für die Herkunftsbezeichnung D.O. Nísperos Callosa d’en Sarrià schlägt auf seiner Internetseite unter anderem ein Rezept für Mispel-Marmelade vor.

Rezepte mit Mispeln

Eine weitere Rezept-Idee sind gefüllte Mispeln. Dafür einfach die Früchte schälen, halbieren und großzügig entkernen. Die Kuhle kann zum Beispiel mit gezuckertem Joghurt, ein paar Waldfrüchten und gehackten Pistazien oder Nüssen gefüllt werden. Mit einer herzhaften Füllung können die Mispeln auch als Tapas gereicht werden: Dazu werden sie mit Frischkäse und gehackten Mandeln gereicht. Wunderbar passen Mispeln auch zu einem Reis-Salat mit schwarzen Oliven und Cashew-Kernen.  

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