Erdbeeren aus Huelva.
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Erdbeeren aus Huelva stammen oft aus illegalem Anbau unter Planen im Naturpark Doñana.

Naturpark Doñana

Erdbeeren aus Huelva: Andalusien plant Amnestie für Agro-Piraten im Naturpark Doñana

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Illegale Landwirtschaft, vor allem der Anbau von Erdbeeren, war und ist die größte Bedrohung für den Nationalpark Doñana in Andalusien. Die Landesregierung plant eine umfassende Amnestie für den Raubbau an der Natur. Umweltschützer sind entsetzt.

Huelva - Seit Jahrzehnten zerstören vor allem illegale Erdbeerplantagen und andere Anpflanzungen unter Plastikplanen und in Gewächshäusern im spanischen Naturpark Doñana den Wasserkreislauf, legen tausende Hektar trocken, kontaminieren die Erde, verändern die Morphologie des sensiblen Lagunensystems an der Mündung des Guadalquivir. Die Flora wird verändert, Tierarten verschreckt oder ihrer Nahrungsgrundlage beraubt. Und außerdem gebe es keinerlei Kontrolle über die Arbeitsbedingungen für das oft aus Einwanderern bestehende Personal.

Der WWF prangert jetzt an, dass die in Andalusien regierende Volkspartei per Gesetz einem Großteil der illegalen Landwirte eine umfassende Amnestie mit Freifahrtsschein für die Zukunft gewähren will. Dabei geht es um ein Fläche von knapp 1.600 Hektar, viele davon unter Plastikplanen, rund 85 Prozent jener Fläche, die gegen die Vorschriften für Landwirtschaft verwendet werde. Ein "ökologisches Attentat" sei dies und ein völlig falsches Signal ohnehin.

Erdbeerplan gescheitert: 1.600 Hektar illegale Landwirtschaft im Naturpark Doñana sollen legalisiert werden

Dabei wollen die Umweltschützer die Agararaktivitäten gar nicht gänzlich verbieten, aber auf ein für das Ökosystem aushaltbares Maß einschränken und vor allem kontrollierbaren Normen unterwerfen. 2014 hatte man die Regierenden fast schon so weit, mit dem "Erdbeerplan" sollten die Fincas, die vor 2004 in Betrieb waren und bis dato keine Wildflächen ohne Genehmigung in bewässerte Agrarflächen umwandelten, erfasst und reguliert werden. Auf der anderen Seite sollten alle danach und illegal beackerten Ländereien renaturiert werden.

1.600 Hektar im Naturpark Doñana sind von „Agro-Piraten“ belegt. Die Landesregierung will sie freisprechen.

Die andalusische Landesregierung, damals noch unter PSOE-Hoheit, hatte dem Plan zwar zugestimmt, ihn aber nie umgesetzt, "bis heute ist nicht ein Hektar illegal mit Planen versehenen Landes zurückgebaut worden", klagt der WWF. Die seit 2019 PP-geführte Regierung geht noch radikaler vor, sie will die Legalisierungsrenze generell um zehn Jahre, auf 2014, verschieben und außerdem auf Überprüfungen verzichten, ob diese Fincas überhaupt legal errichtet wurden.

Etwa 1.000 illegale Brunnen gibt es zurzeit im Nationalpark Coto de Doñana in Andalusien.

Unter dem für den WWF "betrügerischen" Namen "Verbesserung der Bewässerungsregeln in Huelva" würden vor allem auf den Gebieten der Kommunen Almonte, Bonares, Lucena del Puerto, Moguer und Rociana del Condado "neue Tatsachen geschaffen und die Regeln geänder", so der WWFund zwar im voraus bis 2027 im Rahmen des turnusmäßigen Bewässerungsplanes. Schon jetzt würden die Fresas de Huelva, die nach halb Europa exportiert werden, längst nicht mehr danach kontrolliert, ob sie aus legalem Anbau stammen, solange das Unternehmen regulär Steuern zahle.

Welkturerbe Naturpark Doñana in Gefahr: Wer sich an die Gesetze hält, wird bestraft

Der jetzige Vorstoß der Politik würde allen Bemühungen zuwiderlaufen, das UNESCO-Welkulturerbe, auf dessen Roter Liste Doñana steht, zu bewahren und außerdem gegen ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2021 agieren, das dezidiert die "illegale Wasserentnahme" durch Veränderung der Bewässerungssysteme und Brunnenbau im Naturpark verurteilte. Zudem würden die Regierenden durch ihre Amnestie am Raubbau, der ganz offensichtlich walhtaktisch begründet ist, die legal tätigen Landwirte benachteiligen, die bei den Kosten mit den Raubbauern nicht mithalten könnten. Auch sei es für den Konsumenten nicht erkennbar, ob sie legale Erdbeeren oder im Raubbau angebaute erwerben.

Illegale Landwirtschaft gräbt dem Naturpark Doñana das Wasser ab.

Für Juan Carlos del Olmo, Generalsetkretär vom WWF Spanien, ist der Gesetzesentwurf des andalusischen Landwirtschaftsministers Manuel Moreno Bonilla daher nicht hinnehmbar, er "pulverisiert alle Vereinbarungen" und "belohnt die Agro-Piraten, die Doñana trockenlegen". Die Landesregierng müsse "zum Recht zurückkehren", internationale Organisationen, globale Handelsketten, aber auch die Zentralregierung in Madrid notfalls einschreiten. Das Problem: der Nationalpark, das Kerngebiet von Doñana, beträgt nur 50.000 Hektar, die sogenannte Pufferzone drumherum von nochmals 54.000 Hektar ist jedoch "nur" als Naturpark eingestuft und somit in der Zuständigkeit der andalusichen Landesregierung. Doch genau hier breiteten sich die Agro-Piraten aus.

Zum Thema: Bedrohtes Naturparadies: Der Nationalpark Doñana in Andalusien

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