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Olympische Spiele 1992 in Barcelona: Spaniens Sommermärchen

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Von: Stefan Wieczorek

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Viele viele Menschen tragen nachts eine weisse Flagge mit bunten Kreisen darauf.
Sommerspiele 1992 in Barcelona: Als Cobi einlud, kam die ganze Sportwelt nach Spanien. © Comité Olímpico Español

Vor 30 Jahren veränderte Olympia 1992 Spanien als Sportnation und als Land. Aus Barcelona machten die Sommerspiele die heutige Trend-Stadt.

Barcelona – Ein gewagter Bogenschuss änderte im Sommer vor 30 Jahren alles – für Barcelona und für Spanien. Als am 25. Juli 1992 der paralympische Athlet Antonio Rebollo mit seinem entzündeten Pfeil einen Volltreffer landete und vor dem Weltpublikum spektakulär die olympische Flamme entzündete, war es der Auftakt für bis heute unvergessliche und auch weiterhin wirkungsvolle Sommerspiele. „An die Stadt... Barcelona!“, hatte 1986 der spanische IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch in Lausanne die Vergabe der Olympischen Spiele an seine Heimatstadt verkündet. Die Olympia-Reise ging los.

Olympische Sommerspiele 1992: Barcelonas und Spaniens Sommer-Märchen

Sechs Jahre später erlebte die Sportwelt eine höchstwürdige 25. Jubiläumsausgabe von Olympia, die Spanien – als Sportnation, aber auch als attraktives Ziel – ordentlich pushen sollte. Und auch für Kataloniens Hauptstadt war es der Startschuss als absolute Trendstadt für Szene, Reise und Tourismus. Eine Goldmedaille verliehen internationale Experten dem vom Norden her immer etwas schief angesehenen Land in Europas Süden für die grandiose Organisation und auch Inszenierung der Sommerspiele 1992 in Barcelona.

Fortschrittlich und dynamisch, zugleich hochprofessionell gab sich Spanien, das Land mit der umstrittenen rot-gold-roten Flagge. Zwar wurden die „Cobi-Spiele“ von 1992 – wer erinnert sich nicht an das freche Maskottchen, Cobi? – im Nachgang immer wieder verklärt, mit einer Genialität versehen, die sie nicht immer boten. Aber dennoch, hier ist Spanien sich einig, ist die spätere Welle der Erfolge, im Sport wie außerhalb, eine Frucht von Barcelona ’92.

Große Momente der olympischen Sommerspiele 1992 in Barcelona brannten sich ins kollektive spanische Gedächtnis ein. Neben Rebollos feurigem Bogenschuss etwa die Tränen von Infantin Elena beim Einmarsch ihres Bruders, des damaligen Prinzen und heutigen Königs Felipe. Ikonisch waren die Medaillenjubel von Langstreckenläufer Fermín Cacho oder Fußballer Kiko. Judoka Miriam Blasco schrieb Geschichte, indem sie als erste Spanierin überhaupt eine Medaille gewann, und dann gleich eine aus Gold. Zum Thema: Geschichte von Spaniens olympischen Gold-Medaillen.

Olympische Sommerspiele 1992: Erben des Montjuïc-Olymps

Miriam Blascos persönliches Olympia-Märchen sorgte noch Jahre später für Aufsehen. Im Finale von Barcelona hatte sie sich in ihre Gegnerin Nicola Fairbrother verliebt, die sie 2015 ehelichte. „Für Spanien, nicht nur für den Sport, waren jene Spiele wichtig, weil wir der Welt ein junges, anderes, siegreiches, organisiertes und mit Bravour-Gen versehenes Image zeigen wollten“, erinnerte Alejandro Blanco, Vorsitzender von Spaniens Olympiakomitee (COE) zum Jubiläum. Trotz aller Hürden – wie der Kampf gegen den ETA-Terror – legte das Land eine Glanzleistung hin und stellte wertvolle Weichen. Lesen Sie auch ein Märchen für Olympia.

Geschaffen wurden für die Olympischen Sommerspiele 1992 professionelle Leistungssport-Zentren, Spaniens nationale Sportler wurden durch das Programm Ado gefördert, aber vor allem das Selbstvertrauen stieg dank Cobis Spielen in die Höhe. Zwar bleibt das Resultat von Barcelona mit 22 spanischen Medaillen bisher unerreicht. Jedoch sind heutige Erfolgsgaranten – von Mireia Belmonte bis Saúl Craviotto – die Erben der Spiele, bei denen der Montjuïc zum Olymp des Sports wurde. Bis Seoul ’88 hatte Spanien nur 27 olympische Medaillen geholt, seit Barcelona ’92 bisher 123.

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