Drei Schwertwale schwimmen einem Boot hinterher.
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Nach den Orca-Angriffen in Spanien hat das Verkehrsministerium ein Fahrverbot für kleine Segelboote verhängt.

Attacken von Killerwalen

Spanien: Greifen Orcas Boote aus Rache an? - Schäden beschäftigen Versicherung

  • Judith Finsterbusch
    VonJudith Finsterbusch
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Vor einem Jahr attackierten Orcas Segelboote vor Galicien, seit März häufen sich im Süden von Spanien Vorfälle mit Killerwalen. Ist Rache der Grund für die Angriffe?

Update, 13. Oktober: Angriffe von Orcas auf Segeljachten vor den Küsten Spaniens und Portugals beschäftigen nun auch die Versicherungsbranche. Beim Industrieversicherer AGCS sind bislang knapp zehn von Schwertwalen verursachte Schadenfälle an Booten gemeldet worden, wie das zur Allianz gehörende Unternehmen am Dienstag in Unterföhring mitteilte. Seit dem vergangenen Sommer sind mehrere Dutzend Angriffe von Orcas auf Segelboote bekannt geworden. Die hochintelligenten Tiere rammen die Boote, vielfach wurden auch die Ruder beschädigt oder sogar abgerissen. Direkte Angriffe auf die Segler gab es nicht. (dpa)

Update, 14. September: Nach weiteren Orca-Attacken haben die spanischen Behörden das Fahrverbot für Segelboote in Teilen der Straße von Gibraltar vorerst bis 22. September verlängert. Außerdem gibt es einen neuen Ansatz bei der Suche nach dem Grund für die ungewöhnlichen Wal-Angriffe auf Segelboote in Spanien. Nach einem Bericht der Zeitung „El Mundo“ gibt es Anzeichen dafür, dass die Schwertwale die Boote aus Rache attackieren. So hat Francisco Gil, Direktor des Meeressäuger-Zentrums Cicam in Tarifa sich intensiv mit den Walen beschäftigt und etliche Unter- und Überwasser-Fotos und Videos gesichtet. Dabei hat er an vielen Tieren auffällige Verletzungen festgestellt.

Spanien: Orca-Angriffe auf Segelboote - aus Rache?

Gil, der Wale seit Jahren unter anderem bei etlichen Tauchgängen selbst beobachtet und fotografiert hat, macht Menschen für die beobachteten Verletzungen und Narben bei den Orcas verantwortlich. Bei einigen Tieren sollen sogar noch Reste von Harpunen im Körper gesteckt haben. Grund ist wohl die Thunfischjagd, auf die Menschen und Orcas in der Straße von Gibraltar gehen: So hätten die Schwertwale gelernt, Fischern den gefangenen Thunfisch von der Angelschnur zu entreißen. Einige Sportangler sollen die Schwertwale daraufhin seit dem letzten Sommer mit Lanzen und ähnlichem verletzt haben. Gil spricht nun von einer „Protestaktion“ der Orcas und verweist unter anderem auf ein Video, das im Internet kursiert, und auf dem zu sehen ist, wie Sportfischer Wale in Spanien drangsalieren. Eine ähnliche Theorie, die auf Rache abzielte, war auch letztes Jahr nach den Orca-Angriffen auf Segelboote vor Galicien schon im Spiel gewesen.

Schwertwal (Orca)
GeschwindigkeitBis zu 56 km/h
GattungOrcinus
FamilieDelfine
LebenserwartungWeiblich: 10 – 45 Jahre (In Gefangenschaft), Männlich: 10 – 30 Jahre (In Gefangenschaft)
LängeMännlich: 6 – 8 m, Weiblich: 5 – 7 m
GewichtMännlich: 3.600 – 5.400 kg, Weiblich: 1.400 – 2.700 kg

Um der Ursache für die Orca-Angriffe in Spanien weiter auf den Grund gehen zu können, hat nun auch das spanische Verkehrsministerium um Unterstützung gebeten. Betroffene Segler sollen nicht nur den Motor ausschalten und den Notruf verständigen, sondern auch, sofern gefahrlos möglich, Fotos und Videos von den Schwertwalen machen. Wichtig sind dabei Aufnahmen der Rückenflossen, um die „Killerwale“ identifizieren zu können. Die Behörden in Spanien sprechen mittlerweile von mindestens 69 Orca-Vorfällen in diesem Jahr.

Wieder Orca-Angriffe auf Segelboote in Spanien

Erstmeldung, 17. August: Cádiz - Die Ruhe hielt nicht lange an: Letztes Jahr hielten sich wochenlang Orcas in den Schlagzeilen, die vor der Küste von Galicien Segelboote angriffen. Das Schema war stets dasselbe: Eine Gruppe von Killerwalen, wie die Orcas auch genannt werden, rammte die Schiffe scheinbar gezielt am Ruder, sodass mehrere Yachten so stark beschädigt wurden, dass sie von der Küstenwache in den nächsten Hafen geschleppt werden mussten. Jetzt wiederholen sich die Angriffe, dieses Mal allerdings vor der Küste ganz im Süden von Spanien.

Orcas greifen wieder Boote in Spanien an - dieses Mal in der Meerenge von Gibraltar

Seit März kam es in und unweit der Meerenge von Gibraltar zu Dutzenden Vorfällen mit Orcas, einige Medien in Spanien sprechen von bis zu 100 Angriffen auf Boote, das Verkehrsministerium nannte am 5. August die Zahl 56. Mindestens 25 Yachten waren nach dem Besuch der „Killerwale“ so stark beschädigt, dass die Besatzung auf Hilfe der Küstenwache angewiesen war. Das Verkehrsministerium in Spanien hat mittlerweile ein Fahrverbot für Segelboote mit einer Schiffslänge bis 15 Meter im Bereich zwischen Barbate in der Provinz Cádiz (Andalusien) und dem Cabo da Trafalgar verhängt - vorerst bis 20. August. Ähnliche Einschränkungen nach den Orca-Angriffen wurden bereits letztes Jahr vor der Küste von Galicien verhängt.

Unterdessen rätseln Meeresbiologen und andere Forscher weiterhin über den Grund für die Angriffe der Orcas, Schwertwale oder Killerwale. In einem Punkt sind sich die Experten einig: Das aggressive Verhalten der Tiere in Spanien ist ungewöhnlich. Pilar Marcos, Meeresbiologin bei Greenpeace, hat gegenüber „National Geographic“ Stellung genommen. „In der Meeresbiologie sprechen wir nicht von Attacken. Wir arbeiten derzeit mehrere Hypothesen aus, die Mehrheit der Experten ist sich einig, dass das Verhalten mit Spielen, Lernen und Jagen zu tun hat. Deshalb haben sie es auch konkret auf die Ruderblätter abgesehen“, so die Expertin.

Orca-Angriffe in Spanien geben Forschern Rätsel auf

Eine These der Meeresbiologin in Spanien ist, dass junge Orcas von den älteren Walen Jagdtechniken lernen. „Wir teilen uns das Meer mit diesen Tieren, die Interaktionen sind kontinuierlich“, so Marcos. Neben Jungtieren zielen Erklärungsversuche anderer Forscher auf männliche Schwertwale ab, die zur Paarungszeit besonders nervös seien und gegenüber Orcas oder anderen Lebewesen aggressiv werden könnten. So könnte es zu den Angriffen auf Boote kommen.

Gegenüber der Zeitung „El Mundo“ hat ein Betroffener einen Orca-Angriff auf sein Segelboot geschildert. Santiago Villagrán war auf dem Weg zur Insel Tabarca vor Alicante, als seine Yacht in der Meerenge von Gibraltar Besuch von Schwertwalen bekam - zwei Erwachsene und zwei Jungtiere. „Wenn es sich bei diesen Vorfällen um ein Spiel handelt, ist das ein sehr gefährliches Spiel. Wir wissen nicht, wie so ein Zusammentreffen ausgehen könnte, wenn ein Besatzungsmitglied durch das Rammen ins Wasser fallen würde“, meint Villagrán gegenüber der Zeitung. Der Segler glaubt an die These mit den Jagdtechniken: „Es machte den Eindruck, als würden die älteren Tiere den jüngeren etwas beibringen wollen.“

Orca-Angriffe auf Boote in Spanien: Empfehlungen der Küstenwache

Den letzten Orca-Angriff auf ein Segelboot hat die Küstenwache in Spanien am 13. August gemeldet. Der Vorfall ereignete sich auf Höhe von Tarifa an der Meerenge von Gibraltar. Bei Angriffen von Schwertwalen empfiehlt die Küstenwache unter anderem, den Motor abzuschalten, die Segel einzuholen, den Autopilot auszuschalten und zu verhindern, dass sich die Besatzung der Reling nähert. Übrigens: Ihren Beinamen „Killerwal“ oder „Mörderwal“ haben Orcas nicht, weil sie auffällig aggressiv wären. Vielmehr geht er auf die ausgefeilten Jagdtechniken und die großen Mengen zurück, die ein Schwertwal verschlingt. Auf dem Speiseplan der Orcas stehen vor allem Fische, aber auch andere Wale, Robben, Tintenfische oder Vögel. Die Wale gehen oft in Gruppen auf die Jagd und teilen die Beute dann untereinander auf.

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