Ein Esel reibt seinen Kopf an einem Baumstamm.
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Zehn tote Esel im Dienste der Regierung: In Spanien hat ein Brandschutz-Projekt einen Skandal ausgelöst.

Tiere verhungert?

Skandal in Valencia: Esel sollten Brände verhindern - und starben dabei

  • Stephan Kippes
    VonStephan Kippes
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  • Judith Finsterbusch
    Judith Finsterbusch
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In Valencia sollten Esel eingesetzt werden, um Waldbränden in einem Naturpark vorzubeugen. Zwei Monate später endet das Projekt mit einem Skandal: Zehn Esel sind tot.

Cabanes/Valencia – Esel gelten als sehr intelligente und loyale Wesen, Politikern sagt man das nicht unbedingt nach. Das Landwirtschaftsministerium der Region Valencia unter der Leitung von Compromís-Politikerin Mireia Mollà muss sich für den Tod von zehn von insgesamt 50 Eseln verantworten, die in dem Berggebiet Desert de los Palmes ausgesetzt wurden. Mit diesem Projekt zielte die Landesregierung eigentlich darauf ab, den Brandschutz in dem Naturpark in der Provinz Castellón zu stärken und damit schlimmen Waldbränden wie dem bei Málaga im September vorzubeugen. An und für sich eine gute Idee, die allerdings in einem Skandal endete.

Hausesel
Wissenschaftlicher NameEquus asinus
Lebenserwartung25 – 30 Jahre (In der Wildnis)
Gewicht80 – 480 kg (Erwachsener)
Höhe79 – 160 cm (Erwachsener, Widerristhöhe)

Skandal um tote Esel in Valencia: Suche nach Ursachen

Die Esel sollten sich gewissermaßen durch das Unterholz in dem Naturpark im Nordosten von Spanien fressen und die vertrockneten organischen Reste auf natürlichem Weg entsorgen, die bei einem Feuer wie Brandbeschleuniger wirken. Wie die Tiere bei dieser Aufgabe nach nur zwei Monaten vermutlich verhungern konnten, gibt den Behörden derzeit Rätsel auf. Einige Tierärzte wollen nicht ausschließen, dass die Tiere gar nicht verhungerten, sondern an den Folgen von Stress verendeten. Der Skandal kam allerdings erst hoch mit der Veröffentlichung von Fotos, die scheinbar unterernährte Tiere zeigte. Die Aufnahmen hatte eine Anwohnerin gemacht. Als das Landesministerium reagierte, fand man zehn der 50 Tiere tot auf. Auch bei den überlebenden Eseln in dem valencianischen Naturpark stellte man „klare Anzeichen von Unterernährung fest“.

Einige der Tiere wiesen Wunden im Bereich der Hufen auf, die auf Hunde- oder Wildschweinbisse hindeuten könnten. Die meisten der toten Esel wurden auch in einer Schlucht gefunden und Veterinäre wollten nicht ausschließen, dass die Tiere sich durch Hunde oder Menschen bedroht fühlten und die Abhänge hinunterstürzten. Kritische Stimmen führen auch an, dass das abschüssige Gelände eher für Ziegen denn für Esel geeignet sei. Scheinbar gab es auch Beschwerden von Anwohnern über die Esel. Es wurden nun ebenfalls Laborproben in Auftrag gegeben, die klären sollen, ob die Tiere vergiftet wurden. Bislang aber sind das Spekulationen, die Staatsanwaltschaft hat die Todesursache der Tiere noch nicht aufgeklärt.

Skandal um tote Esel in Valencia: Ministerin gibt Versagen zu

Gestürzt ist über den Skandal der toten Esel bislang der Amtsleiter des Ministerialresorts Medio Natural, Benjamín Pérez. Er wurde seines Amtes enthoben. Ferner hat Landwirtschaftsministerin Mireia Mollà eine Untersuchungskommission gegen den Direktor des Naturparks, Toni García, eingeleitet. „Das Landwirtschaftsministerium hat in skandalöser Weise versagt“, gibt sie zu. Ob die 39-jährige Politikerin aus Elche als Verantwortliche damit durchkommt, dürfte nicht zuletzt von der Untersuchung der Staatsanwaltschaft abhängen. Mollà spricht bislang bei noch ausstehenden Untersuchungsergebnissen von „mehreren Ursachen“, die zum Tod der Esel geführt hätten. So seien Zäune zerstört worden, die den Weidebereich der Tiere eingeschränkt hätten. Scharf kritisierte sie aber, dass die Verantwortlichen - also ihr Personal - nicht Meldung erstatteten, als schon klar war, dass Esel gestorben waren.

Dabei mutete die Idee mit den Tieren als Vorbeugung von Waldbränden gar nicht schlecht an. Hirten und ihre Herden übernahmen seit jeher einen Teil der Waldpflege. Feuerwehrleute weisen darauf hin, dass bewirtschafte Waldgebiete seltener und weniger intensiv brennen als solche, die man sich selbst überlässt. Im Fall von Valencia hat man allerdings ganz offenbar Wald und Esel sich selbst überlassen. „Die Tiere waren nicht am adäquaten Ort, nicht im adäquaten Moment und sind auch nicht adäquat betreut worden. Man hätte dafür Veterinäre und Autoritäten einbinden müssen“, räumte Mollà ein: „Es war ein Fehler von uns allen. Es wurde nicht rechtzeitig reagiert und es wurde auch im Vorfeld nicht vernünftig überprüft, ob die Esel sich überhaupt zum Grasen an einem Ort eigneten, an den sie nicht gewöhnt sind.“ Die oppositionelle Volkspartei fordert Mollàs Rücktritt.

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