Eine Ärztin hält ein neugeborenes Baby.
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Sehen Babys nicht alle gleich aus? Kurz nach der Geburt sollen die beiden Mädchen in Spanien 2002 vertauscht worden sein.

Drama um Babys

Spanien: Babys vertauscht - Opfer verklagt Krankenhaus auf Millionen

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Vor 19 Jahren wurden zwei Babys in einem Krankenhaus in Spaniens Region La Rioja vertauscht. Eine der jetzt jungen Frauen, jene, die in zerütteten Familienverhältnissen aufwuchs, verklagt das Land nun auf einen Millionenbetrag. Die andere schweigt.

Logroño - Es ist der Stoff, aus dem Märchen und Komödien gemacht sind, die in der Realität aber eine echte Tragödie und natürlich ein gefundenes Fressen für die Medien darstellen. Selbst die BBC nahm das Thema auf, ganz abgesehen von den Boulevardblättern auf der Insel, aber auch in Spanien. Doch selbst bei der Beschränkung auf die nüchternen Fakten, ist die Geschichte schockierend und aberwitzig: Eine 19-jährige Frau aus Logroño, Hauptstadt der Region La Rioja im Norden von Spanien, hat über eine DNA-Probe herausfinden müssen, dass ihre Eltern nicht ihre biologischen Eltern sind. Wie sich herausstellte, war sie bei ihrer Geburt im Jahre 2002 im Krankenhaus San Millán vertauscht worden und so einer anderen Familien als der ihren zugeteilt worden.

Tausch nach Geburt in Spanien: Von einer situierten in eine zerrüttete Familie

Die betroffene Frau, heute knapp 20 Jahre alte, verklagt jetzt das Landesgesundheitsministerium La Rioja auf drei Millionen Euro Schadensersatz. Das Krankenhaus hat den Fehler zugegeben, es habe sich um "menschliches Versagen" bei der Markierung der Babys mit den Identifikations-Bändern gehandelt. Logischerweise gibt es nun ein weiteres vertauschtes Baby, die fünf Stunden jüngere Frau wurde vom Krankenhaus auch über den Vorfall unterrichtet, habe aber bisher nicht reagiert und sich auch nicht mit ihrer "Schicksalsschwester" in Verbindung gesetzt, so das Krankenhaus.

Die beiden Babys wurden damals im Abstand von wenigen Stunden geboren und mussten beide wegen ihres geringen Gewichts zunächst auf die Frühgeborenen-Station zur Beobachtung, wo sich die Verwechslung ereignete. Die Frau, die jetzt geklagt hat, wurde laut Berichten in einer Familie mit "sozialen Komplikationen" groß, während das andere Baby in geordneten Verhältnissen aufgewachsen sei. Erstgenannte wurde von ihrer Großmutter - also von der sie glaubte, sie sei ihre Oma - großgezogen und von den eigentlichen Erziehungsberechtigten vernachlässigt. Als die "Mutter" 2017 vom "Vater" ausstehenden Unterhalt einforderte, fiel ein Vaterschaftstest negativ aus.

Junge Spanierin wurde als Baby im Krankenhaus vertauscht: "Sagen Sie mir bitte, wer ich bin"

Danach stellte sich dann auch heraus, dass die mutmaßliche Mutter nicht mit der jungen Frau verwandt war. Diese wandte sich in ihrer Verzweiflung als 16-jährige an einen Anwalt. „Sagen Sie mir bitte, wer ich eigentlich bin“, forderte sie vom Anwalt José Sáez-Morga, berichtet „El País“. Dieser machte dann Druck auf die Gesundheitsinspektion der Region La Rioja, die wiederum letztlich die DNA-Proben anordnete.

Wem das Glück im Leben winkt, hängt oft genug auch vom Zufall ab. Oder von einem kleinen Namensbändchen im Krankenhaus?

Weitere Proben mussten gemacht werden, um festzustellen, ob die vermuteten Eltern es nun auch tatsächlich waren, was sich letztlich bestätigte. Für den Anwalt ist es, Versehen oder nicht, eine Straftat, die entsprechend zu ahnden und zu entschädigen sei. Er fordert zunächst 215.000 Euro Schmerzensgeld, will aber in einem Zivilprozess noch mehr für seine Mandantin herausholen.

Entschädigung für vertauschtes Baby in Aussicht: Kein Geld kann die Zeit zurückkehren

Die Gesundheitsministerin der Region La Rioja, Sara Alba, kündigte an, die "juristischen Wege zu respektieren", wies aber daraufhin, dass "der Fall zwei Jahrzehnte zurückliegt und es sich um einen menschlichen Fehler handelt, bei dem es nicht mehr möglich ist, den Schuldigen zu ermitteln". Die ausgewachsene Identitätskrise der beiden jungen Frauen bleibt indes eine furchtbare Realität und die möglicherweise verpassten Lebenschancen auch, die durch eine finanzielle Entschädigung möglicherweise abgefedert können. Die Zeit zurückdrehen, das kann aber kein Geld der Welt.

Zum Thema: Baby-Raub in Spanien unter Franco.

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