Eine Sängerin in einem hautengen lilafarbenen Overall singt in ein Mikrophon.
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Zu anzüglich für die Kirche: Sängerin Nathy Peluso und Rapper C. Tangana haben mit einem heißen Video in Spanien für einen Skandal gesorgt.

Skandal in Spanien

Zu heiß für die Kathedrale: Musikvideo bringt Kirche in Verlegenheit

  • Judith Finsterbusch
    VonJudith Finsterbusch
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Ausgerechnet in einer Kathedrale haben zwei Sänger ein Video gedreht, in dem sie zu heißen Rhythmen tanzen. In Spanien sorgt der Musikclip für einen Skandal und einen Rücktritt in der katholischen Kirche.

Toledo – „Ich war Atheist, aber jetzt bin ich gläubig. Denn so ein Wunder wie du muss vom Himmel gekommen sein“ – so heißt es im Liedtext zu „Ateo“, Atheist. Der spanische Rapper C. Tangana hat sich für den Song die argentinische Sängerin Nathy Peluso dazugeholt, und das Lied wäre in Spanien wohl einfach nur als ein weiterer gewöhnlicher Latino-Ohrwurm in der Musikgeschichte verpufft, wäre da nicht das Video zum Lied. Den Clip haben Tangana und Peluso in der Kathedrale von Toledo gedreht – und mit den heißen Rhythmen für einen Skandal innerhalb der katholischen Kirche in Spanien gesorgt.

Heißes Video aus Kathedrale sorgt in Spanien für „Krieg in der katholischen Kirche“

In dem Video tanzen die beiden Musiker zum heißen Bachata-Rhythmus Hüfte an Hüfte durch die Kathedrale, in einer Szene zieht der Rapper den Kopf der Sängerin an den Haaren nach hinten. Kurz nach der Veröffentlichung des Videos auf Youtube schrieb die konservative Zeitung „El Mundo“ einen „Krieg innerhalb der katholischen Kirche“ in Spanien herbei und die ebenso konservativen Leser der Zeitung nannten das „Skandal-Video“ in den Kommentaren eine „Schande“, eine „Provokation“ und eine „Beleidigung“. Auf Youtube selbst wurde das Video schon sieben Millionen Mal angeklickt, hier sind die Kommentare aber fast durchweg positiv. Von einem Kunstwerk ist die Rede, ein User schreibt von einem „spektakulären Video in der schönsten Kathedrale der Welt“.

Die Kirche in Spanien sah das etwas anders und fand schnell einen Schuldigen in eigenen Reihen: Juan Miguel Ferrer, Dekan der Kathedrale von Toledo. Er hatte den Dreh, der im September stattfand, seinerzeit genehmigt und wies am Freitag die Kritik an dem „Skandal-Video“ in einer Stellungnahme zurück. Das Lied handle schließlich von Bekehrung. Ferrer räumte zwar eine „provokative visuelle Darstellung“ ein, rechtfertigte diese jedoch als Teil der heutigen Jugendkultur. Mit der Genehmigung für den Dreh habe er „den Dialog mit der zeitgenössischen Kultur verstärken“ wollen. Dass die Bekehrung des Protagonisten wohl eher der fleischlichen Liebe gilt als der zu Gott, ließ Ferrer unerwähnt.

Rücktritt nach Skandal-Video in Spanien: Dekan geht vorzeitig

Der Erzbischof von Toledo, Francisco Cerro Chaves, konnte die Argumente seines Dekans denn auch nicht ganz nachvollziehen und gab nur wenige Stunden nach dem Dekan ebenfalls eine Pressemitteilung heraus. Er sieht die religiösen Gefühle von Gläubigen durch das heiße Musikvideo verletzt, bat um Verzeihung und sprach von einer „missbräuchlichen Nutzung eines heiligen Ortes“. Am Dienstag gab Chaves dann bekannt, Ferrer habe seinen Rücktritt eingereicht – nach einem Treffen zwischen dem Dekan und dem Erzbischof, das „sehr herzlich“ abgelaufen sei.

Der Dekan selbst meinte schließlich nach dem Skandal um das heiße Video, der Fehler habe darin gelegen, während der Dreharbeiten nicht vor Ort gewesen zu sein. Anfang November wäre seine Amtszeit in der Kathedrale übrigens sowieso abgelaufen, der Rücktritt wird nun zum 16. Oktober wirksam. Für die katholische Kirche in Spanien ist es schon der zweite Skandal binnen kurzer Zeit, nachdem vor wenigen Wochen ein Bischof mit einer Erotik-Autorin durchgebrannt war. Die Kathedrale von Toledo, mit vollem Namen Catedral de Santa María de la Asunción de Toledo, über die dank des heißen Videos ganz Spanien spricht, wurde ab dem 13. Jahrhundert gebaut. Sie gilt als Hauptwerk der spanischen Gotik.

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