Flamenco-Star Miguel Poveda
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Miguel Poveda ist kein Andalusier. Dennoch singt er den Flamenco wie kein anderer

Experimentierfreudiger Star

Miguel Poveda: Der Katalane lebt Flamenco wie kaum ein anderer

  • Andrea Beckmann
    VonAndrea Beckmann
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Miguel Poveda ist nicht in Andalusien geboren. Er gehört weder der Sinti noch Roma, Spaniens Gitanos, an und dennoch lebt er den Flamenco wie kaum ein anderer.

Miguel Poveda ist in Spanien ein Star unter den Flamenco-Sängern. Der 48-Jährige blickt auf eine steile und außergewöhnliche Karriere zurück. Aus der spanischen Musik-Szene ist er längst nicht mehr wegzudenken.

Von sich reden machte Miguel Ángel Poveda León, nachdem er 1993 beim 33. „Festival Nacional del Cante de las Minas“ in La Unión bei Cartagena (Region Murcia) auf einen Schlag vier der wichtigsten Preise einheimste – darunter die Trophäe „Lámpara Minera“. Dieser mit 15.000 Euro dotierte Preis wird jährlich an herausragende Nachwuchstalente vergeben. Ein fulminanter Sieg, der zuvor keinem anderen Teilnehmer dieses Festivals gelungen war und der Miguel Poveda als Sprungbrett einer kometenhaften Karriere dienen sollte.

LandSpanien
Amtssprache Spanisch
HauptstadtMadrid
StaatsoberhauptKönig Felipe VI.
RegierungschefPedro Sánchez
Fläche505.970 Quadratkilometer

Durch stetiges Experimentieren gelingt es dem Katalanen, den Flamenco-Gesang einem breiten Publikum näherzubringen. Man muss nicht unbedingt Flamenco-Fan sein, um sich Povedas Musik zu öffnen. Der Sänger scheint regelrecht von dem Wunsch getrieben, auch Musikliebhaber auf den Geschmack zu bringen, die mit Flamenco-Größen wie etwa Camarón de la Isla, Enrique Morente oder Diego el Cigala so gar nichts anfangen können. Dies hat ihm sicherlich dazu verholfen, sich als einer der ganz Großen in der Flamenco-Welt zu behaupten. Ganz Andalusien, der Wiege des Flamencos, liegt ihm zu Füßen. Poveda gilt als Botschafter eines eigenwilligen Genre, das bei weitem nicht den Musiknerv eines jeden trifft. Dabei kommt ihm seine immense Lust zu experimentieren und seine ausgeprägte Bereitschaft, Risiken einzugehen, zu Hilfe.

Miguel Poveda sehr begehrt: Gesangsstars reißen sich um Auftritte mit dem katalanischen Flamenco-Sänger

In seiner relativ kurzen Laufbahn hat der Musiker bei den bedeutendsten nationalen und internationalen Musikfestivals mitgewirkt. Er sang bereits auf allen großen Bühnen dieser Welt – angefangen von Paris, Wien über London, Rom bis hin nach Buenos Aires. Gesangsstars reißen sich darum, mit Miguel Poveda Musik zu machen. So trat er mit berühmten Sängern wie Joan Manuel Serrat, Enrique Morente, Pasión Vega, Martirio, Juan Perro, Maria Dolores Pradera, Carmen Linares, dem Flamenco-Gitarristen Tomatito, der Flamenco-Tänzerin Eva Yerbabuena oder dem Bandoneonspieler Rodolfo Mederos auf und wirkte zum Beispiel in Theaterstücken wie „La vida es sueño“ in der Version von Calixto Bieito oder in Kinofilmen wie „Fados“ von Carlos Saura oder „La teta y la luna“ von Bigas Luna mit.

Bei all dem überwältigenden Erfolg gibt sich Miguel Poveda bescheiden. Auf die Frage eines Journalisten, der wissen wollte, was einen Miguel Poveda charakterisiert, wenn dieser vor sein Publikum tritt, sagte er: „Ich weiß es nicht genau. Sicherlich die Hingabe, die Berufung und die Lust, meinen Gesang zu teilen. Aber auch die Liebe, die ich in meinen Gesang stecke, und die Dankbarkeit den Menschen gegenüber, die gekommen sind, um bei mir zu sein und mir zuzuhören.“

Miguel Poveda zieht auch diejenigen in ihren Bann, die dem Flamenco nicht sehr zugetan sind.

Dabei war es nicht abzusehen, dass aus Miguel Ángel Poveda León einmal ein ganz großer Flamenco-Sänger und ein innerhalb der Flamenco-Szene anerkannter Künstler werden würde, der innerhalb weniger Jahre zu Weltruhm gelangte. Weder seine Eltern noch Vorfahren stammen aus der Flamenco-Region Andalusien. Sein Vater kommt aus Murcia und seine Mutter aus Puertollano in Ciudad Real (Castilla-La Mancha). Poveda selbst wurde am 13. Februar 1973 in Barcelona geboren, wuchs aber in dem Vorort Badalona auf. Seine Eltern, die aus einer Arbeiterfamilie stammen und musikalisch in keiner Weise vorbelastet sind, waren auf der Suche nach Arbeit nach Katalonien gekommen

Miguel Poveda: Vom schüchternen Jungen zum gefeierten Flamenco-Star

Miguel Poveda entdeckte bereits als Kind seine Liebe für Flamenco und Coplas, eine volkstümliche spanische Musikart, die in den 1950er und 1960er Jahren des 20. Jahrhunderts in Spanien sehr beliebt war. Der als sehr schüchtern geltende Junge verbrachte seine Freizeit meistens alleine in seinem Zimmer und hörte Flamenco im Radio seiner Mutter. Die Möglichkeit, seine Leidenschaft mit Gleichaltrigen zu teilen, hatte er nicht. Er war weder in Andalusien noch in Sinti- oder Roma-Kreisen zuhause.

Rückblickend sagt der Gesangsstar, er habe schon als Kind davon geträumt, als Flamenco-Sänger auf der Bühne zu stehen. Seine außerordentliche Willenskraft und seine grenzenlose Liebe für den Flamenco ebneten ihm den Weg dafür, dass er erstmals mit 15 Jahren bei der Flamenco-Vereinigung Nuestra Señora de la Esperanza in Badalona die Chance bekam, zu zeigen, was in ihm steckte. Von da an gab es kein Halten mehr für den Katalanen. Spätestens da habe er gewusst, dass die Musik zu seinem Lebensinhalt werden würde. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich damals noch mit verschiedenen Jobs, ohne aber den Flamenco zu vernachlässigen. An den Wochenenden sang er in den Tablaos, den Flamenco-Lokalen und nahm, wann immer sich ihm die Möglichkeit bot, an Gesangwettbewerben teil. Zum Unverständnis seiner gleichaltrigen Freunde, für die Flamenco nichts anderes als Klagegesang der Gitanos waren.

Miguel Poveda: Ein Gesangswettbewerb in La Unión stellte die Weichen für eine außergewöhnliche Karriere

Mit eisernem Willen boxte sich Miguel Poveda durch. Nach Beendigung seines Militärdienstes heuerte er im Tablao El Cordobés de las Ramblas in Barcelona an – ein Lokal, das bei Touristen sehr beliebt war. Für Poveda, der dort die Flamenco-Tänzerinnen gesanglich begleitete, das erste feste Engagement als Sänger. Für ihn sei die Zeit in dem Tablao die beste Schule gewesen, die er hätte durchlaufen können, sagt der Flamenco-Star. Weil er sich gesanglich nicht auf Katalonien beschränken wollte, bewarb sich der Sänger 1993 für den Gesangswettbewerb in La Unión, nicht wissend, dass er damit die Weichen für einen ungebremsten Erfolg gestellt hatte.

Aktuelle Konzerttermine Miguel Poveda

Miguel Poveda hat unzählige Preise abgeräumt. Dazu zählen neben verschiedenen Platin- und Goldenen Schallplatten zum Beispiel der Nationale Musikpreis 2007, der Nationale Gesangspreis „Cátedra de Flamencología de Jerez de la Frontera“ 2008, der Nationale Musikpreis Katalonien 2011 und mehrere Grammy-Preise im Genre Latino. Seine Beliebtheit schlägt sich auch in den Ehrenbürgerschaften und regionalen Auszeichnungen nieder. So ist er etwa hijo predilecto, Ehrenbürger, von Badalona, Catril (Granada), La Unión und der Provinz Sevilla.

Miguel Poveda: Aus seiner Homosexualität machte der Flamenco-Star, der dank einer Leihmutter einen Sohn hat, nie ein Geheimnis

2015 gab Poveda, der seine Homosexualität seit seiner Jugend offen lebt, bekannt, er werde Vater. Im Mai 2015 wurde sein Sohn Ángel dank einer Leihmutterschaft in Kalifornien geboren. Bei seinem Auftritt beim ersten Flamenco-Festival für Schwule und Lesben in Madrid Anfang Juli dieses Jahres brach der Sänger eine Lanze für Geburten durch Leihmütter. „Mein Sohn ist keine Ware, so wie es häufig bei Geburten durch Leihmütter kritisiert wird“, sagte er. „Ich liebe meinen Sohn so, wie jedes Kind von seinen Eltern geliebt werden sollte.“

Er halte diese Entscheidung in seiner Lebenssituation für die beste, da eine Adoption sehr zeitaufwendig und er nicht sicher gewesen sei, ob man ihm als alleinerziehenden Vater überhaupt eine Adoption bewilligt hätte, erklärte Poveda in einem Interview.

Als Leihmütter hätten sich mehrere Frauen beworben, die er alle getroffen habe. Mit der Entscheidung habe er sich schwer getan, da für ihn zwei Frauen in die engere Wahl gekommen seien. Poveda entschied sich für eine dreifache Mutter einer afroamerikanischen Familie. Diese sei finanziell gut situiert. Dies habe bei ihm nicht den Eindruck erweckt, dass sich die Frau aus rein wirtschaftlichem Interesse als Leihmutter zur Verfügung gestellt habe. Die Spenderin der Eizellen hingegen habe er nicht persönlich kennengelernt.

Seinen inzwischen sechsjährigen Sohn hält Miguel Poveda weitgehend vor der Öffentlichkeit fern, ohne ihn jedoch zu verstecken. Über die Beziehung seines langjährigen Partners ist wenig bekannt. 15 Jahre jünger sei dieser und arbeite in Córdoba, erzählte Poveda in einem Interview. Man führe eine Wochenendbeziehung, sei ansonsten aber eine ganz normale Familie.

Zum Thema: Die unartige Schwester: Über die Gitarre im Flamenco.

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