Eine Frau passiert eine Mauer mit Schimpfwörtern in Alicante.
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Spaniens Schimpfwörter: In dem Fall richteten sich die Kraftausdrücke gegen Fußballer Royston Drenthe zu seiner Zeit beim Alicantiner Verein Hércules.

Von Scheißkerl bis Vollidiot

Spaniens schönste Schimpfwörter: Ranking der beliebtesten Kraftausdrücke

  • Anne Götzinger
    vonAnne Götzinger
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In Spanien kommt kaum ein Satz ohne Kraftausdrücke aus. Die Universität Alicante hat ein Ranking über die beliebtesten Schimpfwörter in der Region Valencia und im ganzen Land erstellt.

Alicante – Ein Satz ohne Kraftausdruck ist für viele Spanier wie ein Satz ohne Subjekt oder Prädikat. Sie verleihen jeder Aussage erst den richtigen Schliff. Die drei beliebtesten valencianischen Schimpfwörter sind „fill de puta“, „borinot“ und „moniato“, sozusagen Kraftausdrücke mit Herkunftsbezeichnung. In einer ungewöhnlichen Studie hat die Universität Alicante kürzlich den Gebrauch von Schimpfwörtern in der Region Valencia und in ganz Spanien untersucht. Während „fill de puta“ (Hurensohn) ziemlich derb daherkommt, wirken „borinot“ (frei übersetzt: Brummer) und „moniato“ (von boniato – Süßkartoffel, frei übersetzt: Ignorant) schon fast liebevoll. 470 Bewohner des Landes Valencia haben die Forscher für die Untersuchung befragt.

Das Projekt in Spanien ist Teil einer internationalen Forschung über den Gebrauch emotionaler Wörter. „Diese Art von Wörtern beinhalten eine emotionale Ladung – egal ob negativ oder positiv, und sie rufen bei uns Gefühle hervor“, erklärt die Leiterin der Studie und Linguistikdozentin, Carmen Méndez Santos. Im Fall der Kraftausdrücke sei diese emotionale Ladung negativ, wobei die Schimpfwörter in bestimmten Fällen sowohl als Beleidigung als auch als Anerkennung benutzt werden können, „das hängt vom Kontext ab“.

Spaniens beliebteste Schimpfwörter: Unterschiede zwischen Generationen und Geschlechtern

Die Studie beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Regionalsprache Valenciano. Bei den Kraftausdrücken, mit denen in ganz Spanien der Unmut gegen eine andere Person ausgedrückt wird, liegen „gilipollas“ (Vollidiot), „imbécil“ (Dummkopf) und „cabrón/a“ (Scheißkerl/Arschloch) ganz vorne. Dies geht aus rund 3.000 Fragebögen hervor, die an Personen im ganzen Land verschickt wurden. Die Studie hat auch Unterschiede in den verschiedenen Altersgruppen und zwischen den Geschlechtern aufgedeckt. Während Männer in einem bestimmten Kontext eher „payaso/a“ (Clown) sagen würden, benutzen Frauen mehr „estúpido/a“ (Idiot). Bei den Generationen nutzen die Jüngeren verstärkt das Schimpfwort „gilipollas“, während die Älteren eher auf „cabrón/a“ zurückgreifen. Damit ist also auch dieser Aspekt der spanischen Sprache erforscht.

Außerdem seien weitere interessante Aspekte zutage getreten, wie etwa die Erschaffung neuer Wörter, Beleidigungen, die den sozialen Wandel in Spanien widerspiegeln würden, so Méndez. Ein solcher Ausdruck sei zum Beispiel „señoro“, ein Adjektiv, das „abwertend für ältere Herren benutzt werde, die glauben, sie wüssten alles und hätten immer recht“. Ob Sie, werte Leser, Ihren spanischen Wortschatz um die genannten Kraftausdrücke erweitern möchten, bleibt Ihnen überlassen. Aber seien Sie gewiss: Der gemeine Spanier wird sich Ihnen gleich verbundener fühlen.

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