Kapseln des Schlafmohns auf einem Feld.
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Opium wird aus den Kapseln des Schlafmohns gewonnen. In Spanien ist der Konsum stark gestiegen.

Im Opium-Rausch

Schmerzmittel in Spanien: Konsum von Opiaten deutlich gestiegen

  • Anne Götzinger
    VonAnne Götzinger
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In Spanien ist der Konsum von Schmerzmitteln stark gestiegen. Das Gesundheitsministerium will jetzt mit einem Plan zur Optimierung der Einnahme von Opiaten gegensteuern.

Madrid – Es ist ein Trend, der nicht erst seit der Coronavirus-Pandemie zu beobachten ist, doch hat die sanitäre Krise das Problem sicherlich verschärft: Nach offiziellen Daten des Gesundheitsministeriums ist der Konsum von Opiaten in Spanien seit 2014 um 54 Prozent gestiegen. Eines der Schmerzmittel, das hierzulande am meisten eingenommen wird, ist Fentanyl. Dessen Wirkung ist 50 Mal stärker als Heroin und 100 Mal stärker als Morphin. Weltweit liegt Spanien auf dem dritten Rang des Fentanyl-Konsums – hinter Deutschland und den USA.

Abgesehen vom Konsum als Droge – oft mit Kokain zu einem tödlichen Cocktail vermischt –, ist auch die Einnahme von Opiaten als Schmerzmittel in Spanien aus den Fugen geraten. „Wahrscheinlich nehmen die Patienten mehr Opiate ein, weil sie nicht über ausreichende Kenntnisse verfügen, und die Ärzte verschreiben sie vielleicht zu häufig, weil sie ihren Patienten helfen und das Problem schnell lösen wollen“, vermutet Dr. Alfonso Vidal, Leiter der Schmerzabteilungen an den Krankenhäusern Hospital Sur, La Luz und Valle del Henares in Madrid in einem Interview mit RTVE.

Schmerzmittel in Spanien: Schnelle Hilfe statt Suche nach Ursache

„Wenn ein Patient über starke Schmerzen klagt, dann lassen sich diese mit einem starken Analgetikum besser behandeln, und oft werden vor der Gabe nicht die Ursachen für den Schmerz abgeklärt oder andere Therapien versucht“, vermutet Vidal. Wie es schon im Spanischen Bürgerkrieg und in der Nachkriegszeit mit Penicillin der Fall war, gebe es außerdem einen blühenden Schwarzmarkt in Spanien, auf dem die Medikamente illegal verkauft werden. Auch Fälschungen von Schmerzmitteln seien dabei nicht ausgeschlossen, so der Facharzt.

„Die Verabreichung von Opiaten mit Präparaten zur schnellen Freisetzung kann zu Problemen führen“, warnt der Schmerzspezialist. „Denn sie zeigen eine so schnelle Reaktion, dass bei Personen, die eine Veranlagung haben, die Notwendigkeit entstehen kann, dieses Gefühl eines ,Kicks’, der angenehme Empfindungen im Gehirn auslöst, zu wiederholen.“ Zumal psychische Probleme im Zuge der Coronavirus-Pandemie in Spanien ebenfalls zugenommen haben.

Spaniens Gesundheitsministerium besorgt über hohen Konsum von Schmerzmitteln

„Wir sind besorgt über die Zunahme, nicht so sehr wie in Kanada oder den USA, aber wir müssen präventiv vorgehen“, sagt auch Spaniens Gesundheitsministerin Carolina Darias. Ihr Ministerium hat bereits einen Plan ausgearbeitet, um die Verwendung von Opiaten im Nationalen Gesundheitssystem zu optimieren. Das Dokument wurde bereits den Gesundheitsministerien in den einzelnen Regionen übermittelt, die die neue Richtlinie jetzt sukzessive umsetzen sollen.

Es dürfe aber nicht vergessen werden, so Alfonso Vidal, dass diese Medikamente „in der richtigen Dosis ein exzellentes Werkzeug sind“. So seien sie im Allgemeinen sehr sicher, was die Folgen für Nieren-, Lungen- und Verdauungstrakt angeht. Und für viele Menschen unverzichtbar, um überhaupt den Alltag meistern zu können. Zumal viele Operationen, die vielleicht Linderung bringen könnten, wegen Corona verschoben werden mussten. Schmerz sei eine sensorische und emotionale Erfahrung. „Schmerz ist subjektiv, der Patient übermittelt dem Arzt seine Eindrücke, und dieser muss dann interpretieren, ob diese Beschwerden diese oder jene Behandlung benötigen“, erklärt Dr. Alfonso Vidal.

„Es gibt Schmerzen, etwa bei einer Nierenkolik, die lassen dich im Kreis springen, und es gibt Schmerzen, zum Beispiel bei einer Bauchspeichelentzündung, die einen innerlich erdrücken und dafür sorgen, dass man sich so wenig wie möglich bewegt. Sie äußern sich also unterschiedlich, je nach Person und je nach Pathologie.“

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