Touristen sitzen auf einer Terrasse eines Restaurants mit Blick auf einen Jachthafen.
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Spanien - bei Touristen beliebt, von Spaniern kritisiert. Woher rührt die unterschiedliche Sichtweise?

Barometer-Studie über Spanienbild

Spaniens Image - im Ausland beliebt, von Spaniern als korrupt und arm beschimpft

  • Stephan Kippes
    vonStephan Kippes
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Spanier lassen oft kein gutes Haar an ihrem Land. Nun hat eine Studie ergeben, dass Spanien im Ausland einen guten Ruf genießt - auch in Deutschland. 

Madrid - So schlimm wie sie sich selbst oft sehen, sind Spanier gar nicht. Land und Leute werden im Ausland viel positiver beurteilt als die Spanier sich selbst einschätzen, das geht aus der Erhebung über das Spanienbild des renommierten Real Instituto Elcano hervor. Die Studie basiert auf 4.400 Befragungen von Ende Januar in elf verschiedenen Ländern, sieben aus der EU sowie die USA, China, Indien und Südkorea.

Ausländer denken bei Spanien an ein tolerantes Land, Spanier an ein korruptes

Der Patriotismus scheint in Spanien nicht stark ausgeprägt zu sein. 64 Prozent der Spanier halten ihr Land für korrupt, 62 Prozent für arm, 52 Prozent für schwach, 41 Prozent für untätig und 31 Prozent für nicht vertrauenserweckend. Im Ausland genießt Spanien einen viel besseren Ruf. Spanien gilt nach Deutschland als das Land, das in Europa das höchste Ansehen genießt, mehr als Italien, Frankreich und Großbritannien, das mit dem Brexit viele Sympathien verspielt und sein Image befleckt hat. Die befragten Europäer schätzen Spanien als ein tolerantes (84 Prozent), solidarisches (79%) und demokratisches (79%) Land, das Vertrauen (83 %) erweckt. Das Spanienbild im Ausland prägt noch der Katholizismus, 77 Prozent stufen es als ein religiöses und 66 Prozent als ein traditionelles, weniger als ein ländliches (43%) Land ein.

Wie kommt diese unterschiedliche Sichtweise auf Land und Leute zustande? Ein Passant aus Madrid meinte trocken gegenüber den Reportern der Nachrichtensendungen, Ausländer kämen als Touristen und würden Menschenschlangen nicht zu Gesicht bekommen, die sich täglich vor den Essensausgabestellen der Hilfsorganisationen bilden. Eine andere sprach von einem gewissen Minderwertigkeitskomplex, die aus der Franco-Zeit herrühre und das Spanienbild beeinflusse. Außenministerin Arancha González Laya sagte dazu nur, die Touristen seien die besten Botschafter Spaniens.

Dennoch musste auch Spanien trotz der passablen Note von 6,3 auf einer Skala von zehn einen leichten Rückschlag von 0,8 Punkten im Vergleich zum Vorjahr hinnehmen. Die Coronavirus-Krise schwächt das Ansehen eines Landes und auch das Spanienbild – aber auch andere Staaten mussten Erfahrung mit diesem Image-Verlust machen. Was das Krisenmanagement zu Zeiten der Pandemie betrifft, so schneidet Deutschland mit 6,5 am besten und die USA mit 4,2 Punkten sehr bescheiden ab. Spanien hat auch diesbezüglich bei Ausländern eine ordentliche Note von 5,9 bekommen. Die Spanier selbst lassen ihre Regierung allerdings nicht so gut davonkommen. Da gibt es nur eine 4,8.

Spanier und ihre Sorgen: Klimawandel, Entwicklungshilfe und Migration

Die wichtigsten außenpolitischen Ziele für die Spanier sind demnach der Kampf gegen den Klimawandel (36 Prozent), die Entwicklungshilfe (34%) und die Verhinderung der irregulären Migration (28%). Was die Partnersuche auf dem internationalen Parkett anbelangt, schenken die Spanier Abkommen mit Deutschland das meiste Vertrauen. Spanien selbst steht bei den Portugiesen hoch im Kurs und spielt bei Franzosen und Italienern noch die Rolle des zweitwichtigsten Partners. Für die Deutschen stehen Frankreich und Österreich noch vor Spanien. Von der EU wünschen sich die Spanier mehr Unabhängigkeit von den großen digitalen Konzernen, Spanier sehen lieber Investitionen der EU in ihrem Land als etwa die aus China, das die Mehrheit der Spanier als Weltmacht vor den USA einstuft. China selbst ist das Land, das bei Spaniern das geringste Ansehen genießt und eine Bewertung von 3,9 auf einer Skala von zehn erhält.

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