Ein Mann steht auf dem von der Flut zerstören Dorfplatz von Alcanar.
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Die Gota fría hinterlässt in Alcanar ein Bild der Zerstörung

Herbststurm Gota fría

Unwetter in Spanien: Flut, Chaos und Überschwemmungen an Mittelmeerküste

  • Stephan Kippes
    VonStephan Kippes
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In Alcanar fallen 250 Liter Regen in drei Stunden auf den Quadratmeter. Nichts kann die Wassermassen abfangen. Was bleibt, ist ein Bild der Zerstörung.

Die sintflutartigen Regenfälle der Gota fría haben am Mittwoch und Donnerstag für Überschwemmungen und schwere Zerstörungen an der Mittelmeerküste in Spanien gesorgt. Am schlimmsten erwischte es am Mittwoch Alcanar, die südlichste Gemeinde Kataloniens unmittelbar an der Landesgrenze zu Castellón. Dort gingen in nur drei Stunden 250 Liter auf den Quadratmeter runter. Das Wasser drang in Häuser ein, riss Straßen auf und trug die Autos regelrecht ins Meer. Die Küstengemeinde liegt direkt an der Mündung einer Rambla – kaum vorstellbar, was für Wasserwalzen da runterkamen. Ein Campingplatz mit 77 Gästen musste evakuiert werden.

Wetter in Spanien: Überschwemmung hinterlässt Bild der Zerstörung in Alcanar

Am Donnerstag bot sich in der Kleinstadt ein Bild der Zerstörung. Aufeinandergetürmte Autos, umgestürzte Mauern, am Boden liegende Bäume, überall Schlamm, Dreck, kaputte Elektrogeräte, vollgesaugte Matratzen, aufgequollene Möbel. „Das war wie der Weltuntergang“, sagte der Bürgermeister von Alcanar, Joan Roig. „Und heute Morgen, als ich das gesehen habe – man kann gar nicht beschreiben, was man fühlt, wenn man sein Dorf so sieht.“

Die Wassermassen haben Hausrat und Autos fast ins Meer getragen.

Auch der Norden Castellóns gleicht einem Katastrophengebiet. Die Rettungskräfte kamen den ganzen August kaum zur Ruhe, erst der Waldbrand, dann der Gebäudeeinsturz und nun die Überschwemmungen nach der Gota fría, die nicht nur Niederschläge, vor allem zwischen Vinaròs und Ulldecona, sondern auch tausende Blitzeinschläge begleiteten.

Uglücksregion Castellón: Waldbrand, Hauseinsturz und Hochwasser

Bereits am Sonntag mussten Feuerwehr, Zivilschutz und Polizei wegen eines Sturzregens mit 155 Litern auf den Quadratmeter binnen nur zwei Stunden ausrücken. Da trieben in Benicàssim auch die Autos in überfluteten Straßen, drei Personen mussten aus ihren Fahrzeugen befreit werden. Garagen, Keller und Häuser standen auch dort unter Wasser. Nach Angaben des staatlichen Wetterinstituts Aemet fallen in Benicàssim pro Jahr durchschnittlich rund 500 Liter auf den Quadratmeter – der Ort bekam also beinahe ein Drittel seiner jährlichen Niederschlagsmenge auf einen Schlag ab. Was diese Gota fría besonders macht: Sie schlägt nicht in der Fläche zu, sondern entlädt Wassermassen lokal an wenigen Orten.

Das Hochwasser hat Autos bis ins Meer gespült.

Mit weniger, aber immer noch gewaltiger Kraft zog der Herbststurm über die Provinz Valencia. Das bekamen die Fallas ab, die just am Mittwoch aufgestellt wurden. Nicht Fallas alle standen am Donnerstag noch, einige bekamen Schmisse ab. Valencias großer Rathausfigur riss der Sturm ein Loch ins Kinn. Die höchsten Niederschlagsmengen registrierten die Messstationen in Pedralba mit 98,4 Liter auf den Quadratmeter, Llíria mit 94,2 sowie Picassent mit 80,8 und Segorbe mit 80,4.

Unwetter im Süden Spaniens: Herbststurm setzt Águilas in Region Murica unter Wasser

Sintflutartige Regenfälle gingen auch weiter südlich in der Region Murcia nieder. Heftig getroffen hat es Águilas kurz vor der Provinz Almería. Zwischen 9.30 und 10 Uhr gingen am Donnerstag 25,5 Liter und damit so viel Regen nieder, dass sich Ramblas und Straßen in reißende Flüsse verwandelten und Autos mitrissen.

Die Gota fría hat zahlreiche Schäden in den Häusern hinterlassen.

Mehrere Personen mussten aus ihren Fahrzeugen befreit werden. In der Zone Poniente und in Calabardina standen Häuser unter Wasser. Zahlreiche Straßen wurden gesperrt, darunter auch die Schnellstraße RM-11 zwischen Águilas und Lorca auf der Höhe von Molino El Saltaor, was den Verkehr zum Erliegen brachte. Im Industriegebiet kam es zu Überschwemmungen und die Rambla del Cañarete trat über ihre Ufer. Auch in den Nachbargemeinden Lorca und Mazarrón sorgten heftige Regenfälle am Morgen für Überschwemmungen.

Die Gota fría sorgte im Osten und weiten Teilen Zentralspaniens für starke Überschwemmungen – vor allem in Toledo.

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