Das Dreieck der Kälte: Teruel, Molina de Aragón und Calamocha

Das Kältedreieck in Spanien: Minus 25 Grad im Winter und furztrocken im Sommer

  • vonStephan Kippes
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Eine Kältewelle hat Spanien im Griff. Das Epizentrum der Tiefsttemperaturen formt ein Dreieck in der verlassenen Provinz, in der Minus 20 Grad keine Seltenheit sind.

Madrid - Von wegen Sonne und Strand. Mit Filomena zog der Winter in Spanien ein. Nun ist Filomena weg, aber die Kälte hat das Land noch fest im Griff. Voraussichtlich bis Mittwoch können nachts im Inland leicht unter den Gefrierpunkt sinken, tagsüber beschert ein Hochdruckgebiet traumhaft sonnige Tage. Während dieser Kältewelle hat ein Gebiet in Spanien von sich reden gemacht, in dem es manchmal so kalt wird, dass man die Temperatur nicht mehr exakt gemessen werden kann, weil sie unter von Minus 25 Grad sinkt.

Spaniens Polarpol: Minus 20 Grad in dem Dreieck Teruel, Molina de Aragón und Calamocha

Dieses Dreieck der Kälte bilden Teruel, Molina de Aragón und Calamocha. Am 12. Januar sackten drei Punkte unter die 20 Grad Minus ab. Das Kälteloch Bello mit Minus 25,4, liegt in diesem riesigen Gebiet, in dem gerademal 50.000 Menschen wohnen. Diese 2.000 Quadratkilometer erstrecken sich über die Provinzen Teruel in Aragón und Guadalajara in Kastilien - La Mancha. Dort ist es im Winter eiskalt und im Sommer furztrocken. Die Niederschlagsmenge liegt bei durchschnittlich 400 Litern auf den Quadratmeter. Außer Kartoffeln, Rüben und Getreide wächst in der Hochebene von 800 bis 1.000 Metern nicht viel. Dafür ist der Schinken hervorragend. Die Gegend gehört zu dem berühmt-berüchtigten “leeren Spanien”, das unter Landflucht, verlassenen Dörfern und einer überalterten Bevölkerung leidet. Die Dörfer im Valle del Jiloca, die Hochebene von Molina und die Sierra de Abarracín prägen diese ländliche Welt.

Nirgendwo anders werden mit so großer Häufigkeit die Tiefsttemperaturen in Spanien gemessen wie in dem Triangulo de Hielo, der Kälterekord liegt bei 30 Grad unter Null und wurde am 17 Dezember 1963 von der Messstation Calamocha-Fuentes Claras erfasst. An diesem Tag mussten einige Tore mit Schweißgeräten geöffnet werden. Dieser Kälterekord ist natürlich kein absoluter, denn der staatliche Wetterdienst Aemet kann außerhalb bewohnter Regionen wie etwa in den Pyrenäen auf 2.140 Metern noch tiefere Temperaturen vorweisen, etwa die Minus 32 Grad im Jahr 1956. Wenn nicht offizielle Aufzeichnungen zählen würden, dann könnte sogar der Kälterekord in Spanien dieses Jahr gemessen worden sein, und zwar an 7. Januar die Minus 35,6 Grad auf der Wetterstation von Vega de Liordes oben auf dem Macizo Central de Picos de Europa.

Als ob man Kälte sehen könnte: Molina de Aragón zählt zu den kältesten Orten in Spanien.

Es ist gar nicht so selten, dass es in dem Kältedreieck im Winter unter 20 Grad Minus wird, seit Beginn der Aufzeichnungen kam das schon mindestens 100-mal vor. Normal ist, dass es in jeder Dekade ein- oder zweimal so bitterkalt wird. Seit den 1940er und 50er Jahren gehen diese Kälteeinbrüche zurück und von 2010 bis 2020 sackten die Temperaturen nur 2018 in die Nähe der Minus 20 Grad ab, nämlich auf Minus 18.

Spaniens Dreieck der Kälte: Klimaforscher entdeckte das Phänomen und grenzte Gebiet ein

Diese aktuelle Kältewelle gilt zusammen mit der im Jahr 2001 als der strengste Winter in diesem Jahrhundert. Ausgemacht hat dieses Kältedreieck der Klimaforscher Vicente Aupí, der in historischen Aufzeichnungen feststellte, dass Molina de Aragón und Calamoncha Tiefstemperaturen von Minus 28 und Minus 30 registriert hatten, das Phänomen erforschte und das Buch schrieb, das dem Gebiet seinen klimatologischen Namen gab: “El triángulo de hielo. Teruel, Calamocha, Molina de Aragón: Estudio climático del polo del frío español.”

Die Gründen für die eiskalten Temperaturen sieht Vicente Aupí weder in dem Schneesturm noch in der Polarluft, sondern in dem, was auf Filomena folgte: Die wirkliche Kälte kommt mit dem Hochdruckgebiet, mit Windstille, schneebedeckter und gefrorener Erde und sternenklarem Himmel.

Rubriklistenbild: © Óscar Gil, dpa

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