Deutsche Residenten in einer Bar in Spanien.
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Spanien: Jetzt erst Recht. Viele deutschsprachige Residenten kehren nach Hochsommer und Corona in ihre zweite Heimat zurück.

Zweite Heimat Spanien

Spanien? Zweite Heimat: Residenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz berichten

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  • Stephan Kippes
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Residenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bleiben Spanien treu. Jetzt, da Spanien kein Hochrisikogebiet mehr ist, kommen auch „Überwinterer“ und Langzeit-Touristen zurück. Mehr noch: „In Spanien fühle ich mich freier und sicherer“, sagen nicht wenige Deutsche, Österreicher und Schweizer. Wir haben uns in der deutschsprachigen Community umgehört.

Alicante/Murcia/Málaga – Warten und Hoffen liegen oft eng beisammen. „Die Prognose ist sehr gut“, sagt Josefina Buendía, als sie die Buchungen am Campingplatz Los Madriles in Isla Plana bei Cartagena durchgeht. „Sehr viele unserer Stammkunden haben bereits einen Platz reserviert, und wir haben viele Anfragen von Campern, die noch nie hier waren.“ Der Platz bei Cartagena steht bei deutschen Langzeitcampern an der Costa Cálida hoch im Kurs. Nun sieht die Bundesrepublik in Spanien kein Corona-Hochrisikogebiet mehr und hegt keine Bedenken vor einer Reise. Kommen jetzt die deutschen Urlauber zurück? Buendía hofft darauf, weiß aber, dass sie noch etwas warten muss. „Die deutschen Camper kommen Ende September, Anfang Oktober.“

Zweite Heimat für Deutsche, Österreicher, Schweizer: "Wir sind froh, wieder in Spanien zu sein"

Vielen deutschen Langzeiturlaubern kann es egal sein, ob Spanien Hochrisikogebiet ist oder nicht. Für Geimpfte wirkt sich das nicht aus. Außerdem entwickelt sich die Corona-Lage in Spanien sehr günstig. Es ist eher eine psychologische Hemmschwelle, die wegfällt und für einige den Weg nach Spanien freimacht. „Ich merke das auf alle Fälle. Vor allem ältere Patienten, die während der ganzen Pandemie nicht hier waren, weil sie Angst hatten, sind jetzt bereit, zurückzukommen, da sie merken dass die Zahlen allmählich rückläufig sind“, sagte Elke Menzel, Heilpraktikerin aus Moraira.

Nie wirklich gestellt hat sich für Raimund Witrofsky vom Österreichischen Stammtisch Torrevieja und Orihuela Costa die Frage, ob Spanien weiter seine zweite Heimat bleiben soll. „Im Gegenteil, nach dem, was wir bei Aufenthalten in Österreich erlebt haben, sind wir nur froh, wieder in Spanien zu sein. Man lebt hier doch viel freier.“ Nun geht er davon aus, dass die kommenden Stammtische wieder belebt sein werden und ein „White Dinner“ am 16. September soll ein erstes „Highlight“ der Residenten mit österreichischen Wurzeln im Süden der Costa Blanca werden.

Geimpft zurück nach Spanien: "Man spürt die Euphorie"

Die deutschsprachige Community weiß, was sie an Spanien hat. Tolle Landschaften sind ein Argument von vielen.

„Die Leute freuen sich, dass es ihnen wieder ohne Einschränkungen möglich ist, herzukommen, und sie schätzen, dass die Coronavirus-Regeln in Spanien klarer sind als in Deutschland und dass hier mehr möglich ist, wenn man sich an die Spielregeln hält“, erzählt Pfarrer Klaus Eicher. Die Zahl der Gottesdienstbesucher zieht an, auch der Frühstückstreff des Tourismuspfarramts Dénia finden größeren Anklang. „Vergangene Woche waren wir in Dénia wieder so viele, dass wir zwei Tische belegen mussten.“

Es bewegt sich was. „Komplett geimpft trauen sich jetzt viele Leute, wieder nach Spanien zu reisen“, sagt Aloys Kolbeck. Der Vorsitzende des Euroclub Dénia merkt das an den Anmeldungen zum ersten Sektempfang des Residenten-Clubs nach der Corona-Pause. „Man spürt die Euphorie, dass es wieder los geht.“ Wie der Euroclub packen viele Residentengruppen ihr Vereinsleben wieder an.

Tapetenwechsel: Spaniens Tourismus hofft auf Urlauber außerhalb der Hochsaison

Vorneweg der Creativ Club Calpe, der wieder an die Tradition des Oktoberfests anknüpft – vom 30. September bis 12. Oktober nicht in Calp, sondern in La Nucía. Der Sommer hätte an der Mittelmeerküste aus touristischer Sicht gewaltig in die Hose gehen können. Mit Reservierungen sah es mau aus, mit ausländischen Besuchern wegen Corona auch. Wider Erwarten kamen viele spanische Urlauber und füllten Lokale, Hotels und Ferienapartments – just als vielen Kleinunternehmern aus dem Dienstleistungssektor das Wasser bis zum Hals stand. Die Madrilenen brauchten wohl den Tapetenwechsel, wollten sich den Urlaub nicht von Corona verderben lassen, suchten ihr Glück aber im eigenen Land.

Mit Blick auf Herbst hofft die Küste Spaniens auf ausländische Langzeiturlauber und das gilt vor allem für diejenigen, die von ihnen leben. Der Hotelverband Hosbec prognostiziert nach der Hochsaison eine „sanfte Landung“ in den Herbst dank des internationalen Tourismus. Die Auslastung der Hotels und Ferienwohnungen an der Costa Blanca lag in der ersten Septemberwoche bei beachtlichen 74,5 Prozent. Kaum jemand hat damit gerechnet. In Spanien gehen die Inzidenzwerte der Neuinfektionen seit Wochen nach unten und die Aussicht auf einen sonnigen Altweibersommer hier statt eines verregneten Herbstes in Deutschland mit möglicherweise neuen Einschränkungen weckt auch in Mitteleuropa Lust auf einen Tapetenwechsel.

Noch hat die deutsche Hochburg Calp nicht viel von einer Rückkehr deutscher Residenten bemerkt. „Im Juli und August waren weniger Deutsche in Calp und in diesem Restaurant. Jetzt ab September steigt die Zahl etwas, aber es sind insgesamt merklich weniger deutsche Besucher als in den letzten Jahren,“ sagt Oleksandra Hornoflyut vom Restaurant Yodel Chef im Einkaufszentrum.

Chiara Kürbisch bietet im Café Viena österreichische Frühstücksspezialitäten an und leckt immer noch die Wunden, die die Corona-Zeit in ihren Betrieb in Calp geschlagen hat. „Ich hatte eine schlimme Zeit. Im Sommer kommen aber viele Touristen in mein Café, aktuell und besonders in diesem Jahr auch mehr Deutsche. Aber den Winter zu überstehen wird schwierig.“

Die Coronavirus-Pandemie hat den Supermarkt Costa Blanca in L’Alfàs del Pi auf eine harte Probe gestellt. Das Sortiment setzt sich aus einer breiten Palette internationaler Produkte zusammen, die Spezialitäten kommen vor allem aus Deutschland, Schweden, Norwegen und den Niederlanden – allesamt typische Residenten-Nationen. „Die Deutschen kommen nur sehr langsam wieder zurück, die Reisebestimmungen sind ja gerade erst gelockert worden. Wir hoffen, dass wir bald mehr deutsche Kunden haben, vielleicht, wenn das Wetter dort schlechter wird“, sagt Geschäftsführerin Gloria Gómez.

Alle Hände voll zu tun: Deutschsprachige Residenten schaffen Jobs und Umsatz

Derzeit hat Gärtner Miguel Molines aus Gata de Gorgos alle Hände voll zu tun, denn seine Kunden wohnen in erster Linie in der Urbanisation Gata Residencial, einer Ferienhaussiedlung auf einem Hügel etwas abseits vom Dorf. „Ich stelle fest, dass nicht nur wieder viele Hausbesitzer zurückgekehrt sind, die zu Beginn der Coronavirus-Pandemie in ihr Heimatland abgereist waren, sondern dass jetzt auch viel mehr Urlauber kommen. Viele Touristen fühlen sich in einem Ferienhaus scheinbar sicherer als in einem Apartment an der Küste.“ Nun hat er viele zusätzliche Aufträge, zeitweise mehr als er stemmen kann, und muss Hilfskräfte einstellen. „In dem Moment, wenn es keine Quarantäne mehr gibt, kommen die Leute angereist und oft sehr kurzfristig. Bisher war das bei Belgiern und Niederländern so“, sagt Molines.

Wandern und Ausflüge - eine der Lieblingaktivitäten ausländischer Residenten in Spanien. Hier durch das Jalón-Tal

Das können Karin und Volker Radomsky bestätigen. Sie halten die Urbanisation Mar in Vera Playa in Schuss und kennen viele deutschsprachige Residenten an der Küste von Almería. „Alle Deutschen, Österreicher und Schweizer, die hier in der Urbanisation leben und die wir kennen, kommen wieder zurück“, meint Volker Radomsky.

„Im Moment kaufen hauptsächlich noch deutsche Urlauber ein“, sagt Ulrike Schneider, die im Deutschen Supermarkt in Torrox Costa arbeitet. „Ich nehme aber an, dass in diesem Herbst mehr deutsche Residenten zurückkehren als im vergangenen Jahr.“ Ähnlich schätzt Kai Kettering von der deutschen Metzgerei Marktplatz die Entwicklung an der Costa del Sol ein. „Ich schätze, dass in etwa die Hälfte der Deutschen nach Torrox zurückgekehrt sind“, sagt er.

Nicht wenige behaupten, dass eine große Gruppe Deutscher längst hier beziehungsweise nie gegangen ist. Nur sind sie mit der Pandemie etwas von der Bildfläche verschwunden, das Vereinsleben schlief ein, die Barbesuche fielen flach und Maskenpflicht und Ansteckungsgefahr trieben viele etwas abseits der touristischen Pfade. „Ehrlich gesagt sind in unserem Gebiet das ganze Jahr über Deutsche gekommen, es war ein starker Sommer, zwar mit mehr nationalen Touristen als sonst, aber wir hatten die ganze Zeit über viele deutsche Kunden“, sagt Bäcker Vicente Server vom Strudel Cafe am deutschen Eck in Els Poblets.

"Der Laden läuft": Weniger Briten aber mehr Deutsche in den Urbanisationen

Auch in der Urbanisation La Marina sind viele Menschen geblieben und gar nicht in ihre Heimatländer zurückgeflogen. José Navarrete vom deutschen Supermarkt D.O macht das auch an der starken Nachfrage nach Fertiggerichten fest. „Das lag daran, dass die Gastronomie lange schließen musste. Für uns war das wiederum ein Vorteil“, meint er. Nun zu Septemberbeginn kam ein Schwung neuer Kundschaft. Mittlerweile läuft der Laden wie im September 2019. „Ich habe den Eindruck, hier hat keiner mehr Lust auf Pandemie.“

Die Privatklinik Imed in Teulada konnte keinen Einbruch der deutschen Touristen feststellen. „Das ganze Jahr über sind sehr viel mehr Deutsche gekommen als im vergangenen Jahr, als sie entweder aus Vorsicht im Heimatland geblieben sind oder weil es nicht anders möglich war. Spanien ist ein sicheres Land. Obwohl es nicht mehr Pflicht ist, tragen trotzdem die meisten draußen eine Maske. Und die Leute, die hier Häuser haben, kennen die Gegend, das Land und die Leute. Sobald sie wieder durften, sind sie gekommen“, sagt Daniel Klinzmann von der Rezeption.

Die Deutschsprachigen waren die ganze Zeit in La Marina, diesen Eindruck bestätigt auch Ilaria Cocumelli von der Tourismusinfo. „Wir sind zu einer allgemeinen Infostelle geworden.“ Weniger über das touristische Angebot als vielmehr über die Covid-Lage und die Restriktionen informierte sie ausländische Besucher. Erst seit kurzem fragen ihre Gäste wieder vermehrt nach Konzerten, Ausflügen und Touren. „Einen Einbruch habe ich nur bei den Briten bemerkt, die sind seit dem Brexit weg.“

Auch Tierärztin Inka Labsch aus Mojácar hat den Brexit stärker bemerkt als Corona. „Die deutschen Residenten, die mit ihren Tieren in meine Praxis kommen, sind während der Corona-Krise hiergeblieben und nicht nach Deutschland gegangen. Ganz im Gegenteil zu den Briten, die Spanien verlassen haben und von denen ein Großteil wohl nicht mehr zurückkehren wird.“

Bei den Schweizern setzte auch keine Massenrückwanderung wegen der Pandemie ein – ganz im Gegenteil. Beim Club Suizo in Rojales gehen trotz Corona Neuanmeldungen ein. „Am Nationalfeiertag am 1. August waren wir ausgebucht“, freut sich Gabriela Marti vom Club Suizo de Rojales. Groß sei das Bedürfnis, wieder an Veranstaltungen teilnehmen zu können. Der Malkreis hat losgelegt, die Jassrunde kommt zusammen, der Sonntagsapéro erfreut sich großer Beliebtheit und die Bowlingrunde legt im September wieder los.

„Die Leute kommen wieder wie vor der Pandemie“, ist sich Peter Liedtke, Wanderführer der Flotten Geher aus La Mata in Torrevieja sicher. Mitte September bis Anfang Oktober rechnet er mit der Rückkehr der meisten Residenten. Physiotherapeut Thorsten Esch aus Calabardina in Águilas klingt etwas skeptischer: „Die Deutschen kommen nach und nach wieder, im September noch nicht so viele, aber dann im Oktober. Viele sind zwar zu Anfang der Corona-Krise in Panik nach Deutschland gefahren, und manche haben immer noch Bedenken, obwohl sie zwei Mal geimpft sind, aber der Großteil kommt wieder“, meint er.

Unsere Leser: Ihre Kunden. Anzeigen in den Costa Nachrichten (print/online)

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