Demonstration gegen die Gewalt von Männern an Frauen.
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In Spanien fanden am Wochende zahlreiche Demonstrationen gegen die Macho-Gewalt statt. Auslöser ist unter anderem der Fall der Mädchen auf Teneriffa.

Proteste in Spanien

Teneriffa: Mädchen wohl vom Vater ermordet - Sauerstoffflaschen gefunden

  • Stephan Kippes
    VonStephan Kippes
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  • Judith Finsterbusch
    Judith Finsterbusch
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Auf Teneriffa wurden zwei Mädchen offenbar von ihrem eigenen Vater ermordet. Die Leiche einer Tochter wurde gefunden, die Einsatzkräfte suchen im Meer nach dem zweiten Mädchen und dem Vater. Der Fall schockiert die Gesellschaft in Spanien.

Update, 24. Juni: Das Spezialschiff Ángeles Alvariño des Ozeanografischen Instituts in Spanien hat zwei Sauerstoffflaschen auf dem Meeresgrund vor Teneriffa gefunden. Die Taucherflaschen konnten dem Vater der beiden Mädchen Anna und Oliva zugeordnet werden, wie die Guardia Civil spanischen Medien gegenüber bestätigt hat. Damit erhärtet sich der Verdacht, dass Tomás Gimeno zunächst die beiden Mädchen ermordet und dann sich selbst getötet hat. Die Ermittler gehen davon aus, dass Gimeno mit einem Bleigürtel abtauchte und sich dann reinen Sauerstoff bis zum Tod zuführte - auf Spanisch heißt das „muerte dulce“, süßer Tod. Die Flaschen wurden in 1.500 Metern Tiefe fünf Seemeilen vor der Küste von Santa Cruz de Tenerife gefunden.

Erstmeldung, 14. Juni: Madrid - Fassungslos, betroffen, tieftraurig und wütend reagieren viele Spanier auf die Tragödie um die beiden kleinen Mädchen Anna und Olivia, die auf Teneriffa von ihrem eigenen Vater entführt und allen Indizien zufolge umgebracht wurden. Tausende Menschen haben am Wochenende in mehreren Städten in Spanien gegen die Macho-Gewalt demonstriert und ihre Solidarität mit der Mutter Beatriz Zimmermann bekundet. Ihr wollte Tomás Gimeno größtmögliches Leid zufügen - mit dem Mord an der ein- und der sechsjährigen Tochter.  

Leichen der Mädchen im Meer vor Teneriffa versenkt: Vater will sich an Mutter rächen

Vergangenen Donnerstag stieß das Spezialboot „Ángeles Alvariño“ des Ozeanographischen Instituts vor Teneriffa in 1.000 Metern Tiefe und drei Seemeilen vor der Kanaren-Insel auf eine Tasche mit den sterblichen Überresten der sechsjährigen Olivia. Die „Ángeles Alvariño“ verfügt über ein ausgeklügeltes Sonar- und Ortungssystem sowie Roboter, die nicht dem Meer zugehörende Objekte noch in großer Tiefe aufspüren können. Das Schiff kämmte das Gebiet durch, in dem zuletzt das Handy des 37-jährigen Vaters der beiden Mädchen geortet wurde.  Die Sporttasche hing an einem Bootsanker, neben ihr fanden die Ermittler eine weitere, allerdings leere Tasche.

Die beiden Mädchen auf Teneriffa sind nicht die einzigen Opfer, die die Demonstranten an diesem Wochenende in Spanien beklagen. Am Tag, an dem die Tasche mit der Leiche von Olivia aus dem Meer auftauchte, kam der grausame Mord an der 17-jährigen Rocio Caíz ans Tageslicht. Die junge Mutter eines vier Monate alten Kindes aus Estepa bei Sevilla in Andalusien wurde von ihrem Lebenspartner regelrecht zerlegt. Danach soll er angeblich schlafen gegangen sein. Binnen eines Monats fielen elf der 19 in diesem Jahr ermordeten Frauen ihren (Ex-) Partnern zum Opfer. Die Polizei bringt den Anstieg sexueller Gewalt mit dem Ende der Auflagen zur Eindämmung des Coronavirus in Verbindung, die Demonstranten und Feministen mit dem Patriachariat und der Macho-Kultur.  

Teneriffa: Suche nach dem zweiten Mädchen und dem Vater läuft weiter

Die Suche nach der vermissten Anna und ihrem Vater läuft derweil weiter. Am Tag der Entführung, dem 27. April, erfassten Sicherheitskameras Tomás Gimeno mit sechs Taschen, die er von seinem Audi A3 in sein Boot lud. Der Rekonstruktion des Tathergangs zufolge hatte Gimeno die beiden Mädchen zuvor betäubt, erwürgt und ihre Körper in Handtücher und Müllsäcke gewickelt, die er dann in Sporttaschen packte. Damit fuhr er schließlich in den Sporthafen Marina Tenerife und brach gegen 22 Uhr dort mit dem Boot auf.  Als Taucher wusste Tomás Gimeno genau, wo der Atlantik vor Teneriffa tief war und die Leichen wohl niemals gefunden werden würden. Sein Kalkül ging nur nicht auf, weil die Ermittler auf die „Ángeles Alvariño“ und ihr Ortungssystem zurückgreifen konnten.

Tomás Gimeno kehrte noch einmal in den Hafen auf Teneriffa zurück, um sich ein Ladegerät für sein Handy zu kaufen. Dabei wurde er sogar von der Polizei wegen der Verletzung der Corona-Sperrstunde verwarnt - zu dem Zeitpunkt waren die Mädchen aber wohl schon tot. Nach Mitternacht fuhr er dann erneut mit dem Boot aufs Meer hinaus, telefonierte mit Freunden, Familie und seiner Partnerin. Dann verliert sich seine Spur. Sein Boot fand man bereits am Tag darauf leer und ohne Anker vor Puertito de Güimar im Osten der Insel. Kurz darauf tauchte der Kindersitz von Anna auf, dann eine Sauerstoffflasche und eine Decke.

Die Suche auf Teneriffa nach den Überresten von Anna und dem Vater der beiden Mädchen geht weiter.

In den Telefonaten mit Beatriz Zimmermann erweckte Tomás Gimeno den Eindruck, als wolle er mit den Mädchen fliehen und womöglich in Afrika ein neues Leben beginnen. Auch deswegen nahm die Öffentlichkeit so großen Anteil am Schicksal von Olivia und Anna. Bis zuletzt gab es einen Funken Hoffnung. Die Polizei aber sucht seit Wochen fast nur noch auf hoher See vor Teneriffa nach den vermissten Kindern. Die Ermittler wussten wohl recht bald, wie sie das Täterprofil und Motiv einzuschätzen hatten.

Rache als Motiv für Mord an den beiden Mädchen auf Teneriffa

Tomás Gimeno wollte sich offenbar an seiner Ex-Frau Beatriz Zimmermann rächen, indem er sie ihr Leben lang in der Ungewissheit ließ, ob ihre Töchter im Meer ertranken oder anderswo weit weg von ihr weiterleben. In Spanien nennt man diese perverse Form von Gewalt in der Partnerschaft violencia vicaria, im Deutschen spricht man bisweilen vom Medea-Syndrom. Der Vater will eigentlich nicht seinen eigenen Kindern Leid zufügen, sondern er benutzt sie, damit er ihre Mutter mit dem größtmöglichen Leid strafen kann und ihre Kinder und dann sich selbst tötet. Tomás Gimeno kam wohl nicht darüber hinweg, dass Beatriz Zimmermann vor einem Jahr die Beziehung beendete und mit einem deutlich älteren Mann ein neues Leben begann.  Medienberichten zufolge hatte er eine Privatdetektivin auf seine ehemalige Partnerin angesetzt. Auch soll er den neuen Lebensgefährten von Beatriz Zimmermann verprügelt haben.

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