Eine junge Frau fotografiert mit dem Handy ein von Blumen umgebenes Kreuz am Wegesrand.
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Religions-Tourismus in Teulada-Moraira: Hier das Kreuz am Camí de Sant Miguel.

Heilige in Spanien

Religions-Tourismus in Teulada-Moraira: Auf den Spuren des Heiligen Vicente Ferrer

  • Anne Thesing
    vonAnne Thesing
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Religions-Tourismus statt Fiestas: Zwar kann Teulada-Moraira seinen heiligen Schutzpatron Vicente Ferrer wegen Corona nicht gebührend feiern, trotzdem lohnt sich eine Spurensuche durch sein Leben und den Ort, den er 1410 besuchte.

Teulada-Morairas Fiestas des San Vicente Ferrer, die normalerweise im April gefeiert werden, sind die ersten Patronatsfiestas des Jahres in der Marina Alta. Schon vor Wochen wurden sie coronabedingt abgesagt, was den Teuladinern bleibt, ist eine „virtuelle Variante“, die Erinnerung an bessere Jahre – und der lokale Feiertag am 12. April, dem Tag des San Vicente Ferrer. Und auch wenn der Heilige, wie so viele andere Schutzpatrone in Spanien, wegen der Coronavirus-Pandemie zum zweiten Mal in Folge nicht gebührend gefeiert werden darf, so lohnt sich doch ein Blick auf seine Person, die für Teulada-Moraira so wichtig ist, dass sie 2012 zum Schutzheiligen der Gemeinde ernannt wurde. Und die, so hofft die Costa-Blanca-Gemeinde seit Jahren, auch eine Art Religions-Tourismus anziehen könnte.

Heiliger:Vinzenz Ferrer (Vicente Ferrer)
Geboren:23. Januar 1350, Valencia
Verstorben:5. April 1419, Vannes, Frankreich
Ort der Beerdigung: Kathedrale von Vannes, Vannes, Frankreich
Bücher:A Treatise on the Spiritual Life, Sermons,
Eltern:Constance Miguel, Guillem Ferrer

Religions-Tourismus Teulada-Moraira: Das Leben des Heiligen Vicente Ferrer

Am 23. Januar 1350 wurde Vicente Ferrer als Sohn des Notars Guillermo Ferrer und seiner Frau Constanza Miquel in Valencia geboren. 1368 gab der junge Mann sein Gelübde als Dominikanermönch ab und studierte bis 1388 Philosophie, Bibelwissenschaften und Theologie in Barcelona, Lérida und Toulouse.

Als Missionar predigte er nicht nur in Spanien, sondern auch in Frankreich, Italien und der Schweiz. Sein wichtigstes soziales Werk war 1410 die Gründung einer Bruderschaft, die Waisenkinder in Valencia aufnahm. Am 5. April 1419 starb er in Vannes, am 29. Juni 1455 wurde er von Papst Calixto III. heiliggesprochen - wohl kaum einer hätte damals gedacht, dass er heute als Schutzpatron, auch der Region Valencia, im Mittelpunkt manch einer Fiesta steht und ein möglicher Anziehungsfaktor für einen neuen Religions-Tourismus werden könnte.

Religions-Tourismus Teulada-Moraira: Haus der Schwester wird zu Studienzentrum

Vicente Ferrer kam im Laufe seines Lebens viel rum und einer der Orte, der stolz auf den Aufenthalt des Heiligen sein darf, ist eben Teulada-Moraira. Hier besuchte er im Sommer 1410 seine Schwester Constanza, die mit dem damaligen Gemeindenotar verheiratet war und deren Haus gleich neben dem Justizpalast an der Plaza del Porxe stand. Vom Fenster aus predigte Vicente Ferrer zu den Bürgern, eine seiner Predigten in Teulada ist auf einer Keramiktafel an der Hausfassade dargestellt. Das Gebäude ist allerdings nicht mehr der Ursprungsbau. Im 17. Jahrhundert kam der erste Neubau, der für eine Schule bestimmt war. Diese wurde Mitte des 20. Jahrhunderts abgerissen, der Grundstein für das heutige Haus, in dem zunächst städtische Büros untergebracht waren, 1975 gelegt.

2018 wurde hier ein Studienzentrum zu Vicente Ferrer eröffnet, in dem dank privater Sammlungen so ungefähr alles zu finden ist, was man über den Heiligen finden kann: von Lottoscheinen mit seinem Antlitz, Briefmarken, Straßenschildern, Lesezeichen und Plakaten bis hin zu Fiestabüchern. Vielen Abbildungen und Darstellungen gemein: San Vicente hält den rechten Daumen nach oben und hat eine Bibel in der Hand.

Mit diesem Hinweis im Hinterkopf kann man sich in Teulada-Moraira auf seine Suche begeben und wird an manch einem Ort fündig – eine Suche, über die die Gemeinde sich freuen würde, peilt sie doch spätestens seit dem Jubiläumsjahr 2019, in dem sich Ferrers Tod zum 600. Mal jährte, an, den Sol-y-Playa-Tourismus mit einer Art „Religionstourismus“ zu ergänzen.

Tourismusziel in der Altstadt von Teulada: das Haus der Schwester von Vicente Ferrer.

Religions-Tourismus Teulada-Moraira: Von der Kirche zur Ermita San Vicente Ferrer

Als Ziel könnte dieser Tourismus in Teulada-Moraira, neben der „Casa Constanza Ferrer“, zum Beispiel die Kirche Santa Catalina haben, in deren Innern eine Reliquie des Heiligen aufbewahrt ist. Gebaut wurde sie als Wehrkirche gegen die an der Küste verbreiteten Piratenangriffe. Seit dem 18. Jahrhundert erfuhr sie verschiedene Erweiterungen, 1979 wurde sie restauriert. 

Weiterer Baustein der Tourismus-Route: die im 18. Jahrhundert eigens für den Schutzpatron errichtete Ermita de San Vicente Ferrer. Die im neoklassischen Stil gebaute Kapelle ist sie nur an den Fiestas geöffnet, bei denen die Figur des Vicente in einer Prozession von der Kirche Santa Catalina zur Ermita gebracht wird. „Processó del pessic“ (Kneif-Prozession) wurde diese übrigens früher genannt, da die Menschen bei diesem Marsch ihre Mitläufer mit einer Nadel pieksten, damit diese schneller liefen. Unter Franco war dieser Brauch jedoch nicht mehr gern gesehen und ging langsam verloren – die Prozessionen wurden wieder gemächlicher.

Im Innern beherbergt die Kapelle, die sich an dem Ort befindet, an dem Vicente Ferrer sich von Teulada verabschiedete, ein auf Holz gemaltes Bild des Heiligen. Sein Abschied wiederum ist auf einem Mosaikbild in einem kleinen Häuschen nebenan dargestellt. Wie damals steht auch heute ein Olivenbaum in dem kleinen Park, der hier angelegt wurde und in dem man sich eine Pause vom Religions-Tourismus gönnen und kurz auf einer Bank ausruhen kann.

Religionstourismus Teulada-Moraira: Hier predigte Vicente Ferrer vor den Gläubigen.

Religions-Tourismus Teulada-Moraira: Heiliger schützt vor Pest

Weiter gibt es am Camí de Sant Miquel ein Kreuz, das an der Stelle aufgestellt wurde, an der Vicente Ferrer Teulada segnete und, so die Legende, es auf diese Weise von der Pest verschonte, die in weiten Teilen Spaniens tobte. Und tatsächlich: Im 16. Jahrhundert starben im benachbarten Benissa viele Menschen und Tiere an der Krankheit. Nach Teulada kam sie dagegen nicht. Dem Heiligen sei dank?

Das Highlight der religiösen Tourismus-Tour durch Teulada-Moraira dürfte aber die Ermita de la Font Santa sein, also die Kapelle der Heiligen Quelle. Als Vicente Ferrer hier mit Constanza spazierenging, bekam seine Schwester Durst und der Heilige, so erzählt es die Legende, berührte mit seinem Stock einen Stein, aus dem seitdem beständig Wasser tropft. Auch heute noch. Der Stein befindet sich, umgeben von Kerzen und frischen Blumen, in einem Anbau der im 19. Jahrhundert errichteten Kapelle und ist beliebtes Pilger-Tourismusziel. Dem aus dem Stein tropfenden Wasser wird nicht nur Heilwirkung bei Hautkrankheiten zugesagt. Sogar neue Autos werden an diesen Ort gebracht, um sie mit dem Wasser zu segnen und so vor Unfällen zu schützen. 

Religionstourismus Teulada-Moraira: Neben der Ermita de la Font Santa sprudelt noch heute Wasser aus dem Stein.

Es lohnt sich also, in Teulada-Moraira nach dem Heiligen mit dem erhobenen Daumen Ausschau zu halten und so eine neue Form des Tourismus auszuprobieren. Kleiner Wermutstropfen: Kapellen und Kirche sind nur selten geöffnet. Den sprudelnden Stein kann man dagegen immer besuchen – und sich mit ein bisschen heilendem Wasser beträufeln.

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