Ein Mann im Whirlpool eines Kurbades
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Viele Menschen schwören auf die Heilkraft des Wassers

Erquickendes Lebenselexir

Ins Thermalbad in der Region Valencia: Der Gesundheit und Entspannung wegen

  • Andrea Beckmann
    VonAndrea Beckmann
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Schon die alten Römer nutzten die Heilkraft des Wassers zur Linderung ihrer Zipperlein. Spanische Thermalbäder erfreuen sich großer Beliebtheit. Auch in der Region Valencia laden zahlreiche Balnearios zum Kuren ein.

Mitten in der Landeshauptstadt Valencia sprudelt eine Heilquelle, die es in sich hat. Aus einer Tiefe von 632 Metern wird 43 Grad heißes Heilwasser in das Balneario La Alameda gepumpt. Wegen seinem hohen Anteil an Magnesium, Kupfer und Zink schätzen seine Heilkraft vor allem Personen, die unter Rheuma oder Atemwegserkrankungen leiden. Das Balneario Alameda ist das einzige Heilbad in der Landeshauptstadt. Es bedient sich einer von insgesamt 2.000 Heilquellen, die in Spanien bekannt sind, und von deren therapeutischer Wirkung schon die alten Römer überzeugt waren. Sehr beliebte Heilbäder sind auch etwa das Balneario Hervideros de Cofrentes (Valencia), Balneario de Montanejos (Castellón) sowie die in der Region Murcia gelegenen Kurbäder Balneario de Archena oder Balneario de Fortuna-Leana.

Land ValenciaSpanien
offizielle SprachenSpanisch und Valenciano
EntitätAutonome Region
HauptstadtValencia
Fläche23.255 km2
Einwohnerfünf Millionen (2019)

Zweimal im Jahr nimmt sich María Gómez ihre persönliche Auszeit. Die 53-jährige Bauunternehmerin zieht sich dann in ein Kurbad (Balneario) zurück, wo sie sich vier Tage lang ohne Firma, Ehemann und Stress der völligen Entspannung hingibt. „Für mich sind diese Ausflüge zu mir selbst sehr wichtig“, sagt die Firmenchefin. „Die Anwendungen in den Thermen geben mir Kraft, ich fühle mich danach wie neugeboren.“ Auch für Carlos Sagol ist das Thermalbad eine wichtige Lebens- bzw. Gesundheitsquelle. Der 75-jährige Rentner leidet unter Rheuma und schwört auf die Therapie im Balneario, die „sehr zur Linderung der Schmerzen beiträgt.“

Region Valencia: Die Thermalbäder haben in den vergangenen Jahren einen enormen Benutzer-Anstieg registriert

Zwei Menschen, die aus verschiedenen Gründen die Thermal-Therapie schätzen. Sie gehören zu den Hauptnutzergruppen der Thermalbäder: Menschen mit Stresssymptomen auf der Suche nach Ruhe und Entspannung sowie Patienten, die unter meist chronischen Krankheiten oder Störungen des Bewegungsapparates, der Atemwege, der Haut oder der Verdauungsorgane leiden.

Spanienweit gibt es nach Auskunft des nationalen Verbandes für Thermalbäder knapp 100 Thermalbad-Einrichtungen, die in den vergangenen Jahren einen enormen Benutzer-Anstieg registrierten, der allein durch die Corona-bedingten Einschränkungen kurzzeitig gebremst worden ist. Noch vor der Pandemie nutzten jährlich mehr als 600.000 Personen die verschiedenen Thermalbäder Spaniens. Der Verband führt dies vor allem darauf zurück, „dass sich die Menschen wieder mehr auf die Natur besinnen.“ Natürliche Heilmethoden, die mit der Erfindung des Penicillins mehr und mehr in Vergessenheit gerieten, seien wieder stärker im Trend. Man vertraut zunehmend der Heilkraft des Wassers, das sich als natürliche Quelle zur Erneuerung des Körpers und der Seele erweise.

Spanien: Schon die Keltiberer badeten in den heißen Quellen des Landes

Das wussten auch schon die Griechen und Römer, die das Wasser als Erste in Katalonien zu therapeutischen Zwecken nutzten. Und schon lange bevor die Römer nach Spanien kamen, badeten Keltiberer in den heißen Quellen des Landes. Doch waren es erst die Römer, die die ersten Kuranstalten bauten, und schließlich die Mauren, die sich hier mit ihren eigenen Badekulturen ansiedelten.

Wohltuende Anwendungen gehören zu dem üblichen Angebot in Kurbädern.

Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts sorgten dann die spanische Oberschicht und der europäische Adel dafür, dass die spanischen Kurorte wie San Sebastián, aber auch die Thermalbäder ihre Blütezeit erlebten. Wer etwas auf sich hielt, verbrachte mehrere Wochen im Jahr in einem Thermalbad. Damals aber weniger wegen der therapeutischen Qualitäten der Heilquellen, sondern vielmehr deshalb, weil die Thermen für viele Menschen eine moderne Urlaubsform darstellten und es sich in bestimmten Personenkreisen schickte, sich in einem Balneario zu erholen. Adel verpflichtete. Die Vorliebe für die Balnearios ließ vorübergehend nach, als ab den 1940er Jahren die Strände der Mittelmeerküste mehr und mehr in Mode kamen. Doch schon bald besann man sich wieder auf die Heilkraft des Wassers.

Immer mehr stressgeplagte und von Zivilisationskrankheiten geschwächte Menschen gönnen sich eine erholsame Auszeit. Heil- und Unterwassermassagen, Fangoanwendungen, Schlammbäder, Thermalduschen und noch viele andere Heilmethoden tun dem Körper und der Seele gut. Thermalbadkuren gewinnen mehr und mehr an Popularität. Weit muss man nicht fahren. Auch im Land Valencia gibt es eine Reihe von Thermalbadeinrichtungen, die einen Besuch lohnen (siehe Kasten am Ende dieses Beitrags).

Region Valencia: Die Anwendungsmöglichkeiten reichen von Massagen über Fangopackungen bis hin zu heilsamen Bädern

Als Thermalbäder werden solche sanitären Einrichtungen bezeichnet, die über mineralisch-medizinische Quellen verfügen. Diese müssen zur öffentlichen Nutzung freigegeben sein. Erteilt wird die Erlaubnis vom Gesundheitsministerium. „Bis eine mineralisch-medizinische Quelle offiziell als solche anerkannt wird, gehen sechs bis acht Jahre ins Land“, teilt der Verband mit. Soviel Zeit sei notwendig, weil die entsprechenden Wasseranalysen in regelmäßigen Abständen über Jahre hinweg durchgeführt werden müssen. Nur so kann garantiert werden, dass die Beschaffenheit des Thermalwassers auf Dauer die gleiche ist. Schließlich geht es um die Heilung von Menschen.

Die Angebotspalette der valencianischen Balnearios ist groß und steht in nichts dem Angebot der Thermalbäder anderer spanischer Regionen nach. Die Anwendungsmöglichkeiten reichen von Teil-, Ganzkörper- und Unterwassermassagen (36 bis 39 Grad Celsius) über Fangopackungen (38 bis 41 Grad), feuchte Schwitzbäder (45 Grad), Wasserstrahlduschen, Nasen- und Halsspülungen bis hin zu entspannenden und heilsamen Bädern im Thermalwasser. Welche therapeutischen Möglichkeiten gegeben sind, hängt ganz von der chemischen Zusammensetzung (Schwefel, Chlorid, Natrium, Kalzium usw.) des Wassers ab.

Der Madrider Naturheilkundler Emilio Calatayud erklärt dazu: „Heilwasser muss gelöste Stoffe (Mineralien, Ionen) in einer Konzentration von mindestens einem Gramm pro Kilogramm Wasser enthalten.“ Die Balneo-Therapie sollte laut Calatayud „nie als Ersatz, sondern als beigeordnete Therapie verstanden werden.“ Bei längeren Badekuren sollte man sich vorab einem medizinischen Check unterziehen. „Damit können eventuelle Kontraindikationen erkannt werden.“ Der Mediziner weist zudem darauf hin, dass Badekuren in Thermalbädern „naturheilkundliche Behandlungsmethoden sind, die das Risiko einer Erstverschlimmerung in sich bergen.“ Es sei durchaus möglich, dass zum Beispiel bei Personen mit Rückenproblemen zunächst der Rückenschmerz zunimmt. „In der Regel verschwindet er aber wieder von alleine“, so der Experte. Er rate dazu, sich vor Antritt einer Badekur auf jeden Fall medizinisch beraten zu lassen. „Renommierte Balnearios bieten in der Regel vor Kurbeginn die Beratung durch einen Facharzt an“, so der Mediziner.

Zum Thema: Über die Dörfer - Die schönsten Orte für einen entspannten Urlaub auf dem Land in Spanien.

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