Vulkanausbruch auf Kanareninsel La Palma, Bananen.
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Ein Bild geht um die Welt: Mit Asche bedeckt, versucht ein Plantagenarbeiter auf La Palma seine Bananen-Ernte zu retten.

Vulkanausbruch La Palma

Bananen unter Vulkanen: Die Plataneros von La Palma in der Krise

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Der Vulkanausbruch auf La Palma zerstörte neben Häusern und Straßen auch viele Bananenplantagen, die Asche verdirbt die Ernte in weiten Teilen der kanarischen Insel, die Bewässerung funktioniert nicht. Wie steht es um die hoch subventionierten Bananen auf La Palma?

Santa Cruz de La Palma - „Gegen den Vulkan können wir nichts machen, doch zum Überleben brauchen wir vor allem faire Preise“. So viele Bananen wie er nur konnte, hat der 50-jährige Alexis aus seiner kleinen Plantage an der Küste von Tazacorte geschleppt, seit der Vulkan auf La Palma am 19. September ausgebrochen ist. Im Moment sind sie in aller Munde, die kanarischen Bananen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Spanier kaufen wie verrückt die Plátanos de Canarias in den Supermärkten, als kleine Solidaritätsgeste für die vom Vulkan heimgesuchten Plataneros, die Bananenbauern auf La Palma. Eine symbolische Geste, denn der ökonomische Effekt verpufft im Dschungel von Aufkäufern, Kalkulationen und Subventionen.

Bananen auf La Palma: "Gegen den Vulkanausbruch können wir nichts machen, aber wir brauchen faire Preise"

Vor zwei Jahren hat Alexis mit seinem Bruder einen Kredit über 150.000 Euro aufgenommen, um die kleine Pflanzung zu übernehmen. Beide arbeiten noch auf anderen Plantagen, bis zu 50 Kilo schwere Stauden schleppen sie von früh bis abends aus dem Dickicht. Zu der schweren Arbeit kam in den letzten Wochen noch das Asche von den Blättern Fegen hinzu.

Auf ihrem Weg zum Meer verglüht die Lava auf La Palma neben Häusern und Straßen auch die Banenpflanzungen, mal in dichter Monokultur, mal in einfachen Gewächshäusern aus Plastikplanen, mal „Bio“ in Form von einem dem Regenwald ähnlichen Wildwuchs. Auch die lebensnotwendigen Bewässerungsleitungen sind zerstört. „Die Versicherung zahlt uns die Ausfälle nicht, wenn unsere Plantage unter die Lava kommt, Asche die Ernte verdirbt oder die Bewässerungsanlagen länger zerstört bleiben.“ Die mächtige Asociación de Organizaciones de Productores de Plátanos de Canarias (Asprocan) stellte schon klar, dass der Vulkan als „höhere Gewalt“ von der Versicherung nicht abgedeckt sei.

Zum Thema: Alles Banane? Wie die Plátano auf die Kanaren kam - Geschichte, Märkte, Rezepte

Dass sich eine Neupflanzung überhaupt lohnt, bezweifelt Alexis, „obwohl wir alle hier auf La Palma eine große Verbundenheit zu den Plátanos haben“, erklärt er einem Reporter von „El Periódico“. Zwar hat die Regierung Soforthilfen von sieben Millionen Euro für die Produzenten auf La Palma bereitgestellt, aber wie bei den Subventionen geht davon das meiste an die „Großen“.

Bananen auf den Kanarischen Inseln: Die Rechnung geht trotz Subventionen nicht auf

Alexis erklärt den Markt und macht eine Rechnung auf, die vorn und hinten für ihn nicht aufgeht: Rund zehn Prozent der Wirtschaftsleistung auf den Kanarischen Inseln kommt von den Plátanos de Canarias, auf La Palma sind es sogar 30 bis 50 Prozent, allerdings mit stark sinkender Tendenz. „Sechs Aufkäufer bestimmen die Preise auf allen Inseln“, erklärt der Platanero. Sie zahlen zwischen 30 und 45 Cent das Kilo. „Meine Kosten liegen irgendwo über 50 Cent pro Kilo, ich verdiene je nach Monat zwischen 800 und 1.300 Euro. Bis jetzt. Denn viele Pflanzen sind schon jetzt in so einem Zustand, dass uns die Früchte keiner mehr abnimmt.“

Kanarische Bananen auf dem Ramschtisch eines spanischen Supermarkts. Solidartität sieht anders aus.

Doch Alexis muss auf eine Mindestproduktionsmenge kommen, um überhaupt Zugang zu den EU-Subventionen zu haben. 141 Millionen Euro schoss die EU allein für die kanarischen Bananenbauern 2020 zu, 45 Millionen davon gingen nach La Palma, im Rahmen des Programmes Posei zur Unterstützung der Diversität in der Landwirtschaft. Sechs Prozent der Produzenten kassieren die Hälfte dieser Summe, der Rest teilt sich auf rund 8.000 Kleinproduzenten auf, die je unter 200.000 Kilo im Jahr verkaufen. „Im Grunde leben wir von den Subventionen“, gestehen einige Produzenten ein und das geht auch nur, weil das spanische Parlament die Plátanos kürzlich erst aus dem Gesetz zur Lebensmittelkette herausnahm, das den Verkauf zu Preisen unter den Produktionskosten untersagt.

Weitere Millionenhilfen für die vom Vulkan zerstörten Bananenplantagen auf La Palma

2020 exportierte La Palma 144.300 Tonnen Bananen für 135 Millionen Euro, rechnet Sergio Cáceres von der Vereinigung Asprocan vor. Das heißt, die Exporteure erlösten rund 1,06 Euro pro Kilo, inklusive Steuern, also mehr als das Doppelte vom Aufkaufpreis. Für um die 2 Euro bis 2,50 das Kilo werden sie dann in den Supermärkten ausgepreist und müssen gegen afrikanische und karibische Konkurrenz antreten, die meist für die Hälfte angeboten wird.

So kommt es, dass in Stoßzeiten mit Überangebot die kanarischen Früchtchen auf dem Festland schon mal für 99 Cent auf dem Ramschtisch landen, um überhaupt Käufer zu finden, während der europäische Steuerzahler den Sektor subventionieren muss. Die Handelsketten und Zwischenhändler lassen lieber die Bananenbauern sterben, als zu riskieren, dass auch nur ein Kunde zur Konkurrenz abwandern könnte, die das gleiche Produkt vielleicht um ein paar Cent billiger anbietet.

„Die Verluste durch den Vulkan rechnen sich bestimmt auf hunderte Millionen Euro, aber noch ist es zu früh, um das zu quantifizieren“, fasst Raquel Díaz von der Wirtschaftsförderung der Inselregierung Cabildo de La Palma die aktuelle Lage zusammen. Denn die Banane ist nur eines ihrer Probleme, auch das zweite ökonomische Standbein der Insel, der Tourismus, ist in einer Schockstarre. Ein Teil des Hilfspaketes der Regierung in Madrid für La Palma über 200 Millionen Euro, das Anfang Oktober 2021 angekündigt wurde, soll auch dem Wiederaufbau der Plantagen und der Bewässerungsleitungen dienen.

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