Vulkanausbruch auf Kanareninsel La Palma.
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Gnadenlos wälzt sich die Lava-Wand auf La Palma durch bewohntes Gebiet. 300 Häuser wurden schon vernichtet.

Kanarische Inseln

Vulkanausbruch La Palma aktuell: Hunderte Häuser durch Lava auf Kanaren-Insel zerstört - Updates

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Wegen des Vulkanausbruchs auf der Kanaren-Insel La Palma mussten bereits 6.000 Menschen ihre Häuser verlassen, hunderte Familien haben alles verloren. Während sich die zerstörerische Lava-Wand gen Meer frisst, Inselverwaltung und Regierungschef alle Kräfte mobilisieren, wünscht sich eine Ministerin: „Touristen zum Spektaktel“. Mit Videos.

Update, Dienstag, 28. September: Vulkanausbruch La Palma aktuell.

Update, 25. September: Explosiver, Flüge eingestellt - Aktuelle Entwicklungen zum Vulkanausbruch auf La Palma

Update, 24. September: Am Donnerstag hat Spaniens Königspaar die Insel La Palma besucht, um den von dem Vulkanausbruch betroffenen Menschen Trost zu spenden. Felipe VI. und Letizia hörten sich aus erster Hand die erschütternden Schicksale von einigen Bewohnern an. „Wir sind sprachlos angesichts dessen, was wir gesehen haben, und werden es nicht vergessen“, sagte König Felipe VI. „Aber La Palma wird das überstehen“, versuchte er, den Menschen Mut zu machen. Unterdessen ist einer der Lavaströme zum Stehen gekommen, die beiden anderen haben sich deutlich verlangsamt. Experten gehen davon aus, dass die Lava in den nächsten beiden Tagen nicht bis zum Meer vordringen wird. Nichtsdestotrotz sind seit Donnerstagmorgen wieder deutlich mehr Explosionen aus dem Innern des Vulkans zu hören. Mittlerweile gelten knapp 400 Gebäude als zerstört.

Update, 22. September, 11:00 Uhr: Der Vulkanausbruch auf der Kanaren-Insel La Palma bleibt Thema Nummer 1 in Spaniens Medien und auf den Sozialen Netzwerken. Neben der Faszination am seltenen Naturschauspiel wird viel Solidarität mit den Betroffenen bekundet. Am Mittwochmorgen wurden bereits über 300 Häuser und Höfe auf La Palma als von der Lava zerstört gemeldet, fast alle auf dem Gemeindegebeit von El Paso. Die Lava bedeckt auf der Kanaren-Insel mittlerweile eine Fläche von 160 Hektar, 50 Prozent mehr als vor 24 Stunden, lässt sich aber mit der Annäherung an die Küste noch Zeit, Mittwochmorgen war sie noch 2,5 Kilometer vom Ufer des Atlantiks entfernt. Die Vulkanologen bleiben bei ihrer Prognose, eines „wochen- bis monatelangen Ausbruchs“, fürchten aber keine größeren Explosionen, sondern gehen von einem relativ stetigen Lavafluss aus.

Vulkan auf La Palma: Ausbruch könnte Monate dauern

Die Zahl der Evakuierten auf La Palma erhöhte sich mittlerweile auf rund 6.000. Die spanische Regierung forderte Banken auf, den Betroffenen leerstehende Wohnungen aus ihren Vollstreckungs-Portfolios übergangsweise zur Verfügung zu stellen. Einmalzahlungen sollen die Not jener, die alles verloren haben, lindern, ein Versicherungskonsortium kümmert sich um die mittelfristige Schadensregulierung, die sich aber erfahrungsgemäß lange hinziehen kann. Das gilt vor allem für Schäden an Plantagen und anderen landwirtschaftlichen Nutzflächen, die versicherungstechnisch nicht oder kaum so abgedeckt sind wie Häuser oder Autos. Experten gehen aber davon aus, dass die betroffene Gegend sehr lange nicht bewohnbar sein wird und es ein Umsiedlungskonzept braucht, dass auch kommende Ausbrüche besser berücksichtigt.

Die Lava des Vulkans auf La Palma „verschluckt“ die Häuser regelrecht.

Update, 21. September, 10:30 Uhr: Am Dienstagmorgen werden auf La Palma wegen des Vulkanausbruchs 166 Häuser als zerstört gemeldet. Etwas 900 Meter von der Hauptaustrittsstelle der Lava hat sich ein weiterer Riss gebildet, aus dem Lava strömt, hunderte weitere Menschen müssen daher in Sicherheit gebracht werden, knapp 6.000 bisher insgesamt. Die Vulkanologen fürchten zudem, dass eine Menge toxischer Gase explosionsartig freigesetzt werden, wenn die Lava im Laufe des Dienstags ins Meer gelangt. Nach ihren Schätzungen wird der Ausbruch zwischen einem und drei Monaten dauern, rund 1.000 Gebäude sind bedroht. Durch toxischen Ascheregen könnten, je nach Wind, auch entferntere Orte der Insel zeitweise unbewohnbar werden.

Video vom Vulkanausbruch in La Palma und den Lava-Massen, die etliche Häuser zerstören:

Erstmeldung, 20. September: La Palma/Kanarische Inseln - Der am Sonntag, 19. September, begonnene Vulkanausbruch auf der Kanaren-Insel La Palma geht ununterbrochen weiter, die Cumbre Vieja setzt pausenlos Magma frei, das sich als Lava seinen Weg zum Meer bahnt, in der Nacht zum Dienstag sollen die glühenden Massen das kalte Nass erreichen, was ein weiteres schaurig-schönes Naturschauspiel verspricht. Für die Betroffenen sind es indes furchtbare Zeiten: Mit 300 Metern pro Stunden wälzt sich die sechs bis sieben Meter hohe Lava-Wand in mehreren Strömen von der Cumbre Vieja ins Tal, über einhundert Häuser wurden bereits zerstört.

Vulkanausbruch auf La Palma: "Die Lava verschluckt die Häuser einfach"

Bis 1.075 Grad Celsius: Ein Geologe von Involcán misst die Temperaturen an der Cumbre Veja auf der Kanaren-Insel La Palma.

"Die Lava verschluckt die Häuser einfach, aber auch Straßen, Plantagen, Autos, Strommasten, hunderte Familien haben alles verloren", erklärt Mariano Hernández Zapata, Leiter des Cabildo de La Palma, der Inselverwaltung der Kanaren-Insel. Alles auf dem Weg der Lava geht in Rauch auf und wird unter den flüssigen, bis zu 1.075 Grad heißen Gesteinsmassen begraben. Am meisten betroffen sind derzeit Viertel des Ortes El Paso wie Tacande und El Paraíso. Das Paradies wird wortwörtlich zur Flammenhölle. Auf Videos ist zu sehen, dass sich manche Einwohner nur um Haaresbreite vor der Lava retten konnten und die Polizei mitunter eindringlich auf das Verlassen der Grundstücke beharren musste. Auch ein deutsches Paar aus Hamm bangt nach dem Vulkanausbruch um sein Haus auf La Palma und schildert gegenüber wa.de*, wie die Evakuierung ablief.

Durch tausende Erdbeben vorgewarnt, wurde bereits am Sonntagvormittag mit Evakuierungen aus La Palma begonnen, bevor der Vulkan ausbrach. Dadurch wurde Personenschaden bisher vermieden, was als Erfolg zu gelten hat. Bisher haben 5.500 der insgesamt 85.000 Inselbewohner ihre Häuser verlassen müssen, sind in Sportanlagen, Hotels, in einer Kaserne auf der anderen Inselseite oder bei Freunden untergekommen. Eine 2-Kilometer-Sperrzone wurde rings um das aktive Gebiet, das aus acht Schloten und zwei Erdrissen besteht, errichtet. 4.000 weitere Menschen sitzen auf gepackten Taschen, sollten sich die Eruptionen verstärken oder die Lava die Richtung ändern.

La Palma: Spaniens Regierungschef auf Kanarischer Insel vor Ort

Lava-Massen strömen aus dem Vulkan auf La Palma.

Die Regionalregierung der Kanarischen Inseln hat die Koordination des Noteinsatzes übernommen, Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez und sein Innenminister Fernando Grande-Marlaska sind seit Sonntag persönlich vor Ort und blieben auch am Montag. "Alle Mittel des spanischen Staates stehen Ihnen zur Verfügung", erkärte Sánchez, sowohl für die Eindämmung der Katastrophe, als auch für "den Wiederaufbau und den Ersatz der verlorenen Güter", versprach der Regierungschef Spaniens. Mehrere hundert Soldaten der UME, der Katastrophenschutzeinheit des Militärs, wurden in Marsch gesetzt, um die Inselkräfte zu verstärken. "Ganz Spanien ist mit La Palma", erklärte Sánchez beim Besuch von Evakuierten. "Ánimo!" - "Nur Mut!" twittert König Felipe VI. aus Madrid.

Vulkan auf La Palma: "Material reicht für Wochen" - Lava gelangt bald ins Meer

Eines der ersten Bilder vom beeindruckenden Vulkanausbruch auf La Palma, am Sonntag, 19. September.

20.000 Tonnen Schwefeldioxid hat der Vulkan bisher ausgestoßen sowie weitere giftige Gase. Die Inselverwaltung warnt daher Schaulustige dem Spektakel zu nahe zu kommen. Die Gase, die Hitze, sporadische Waldbrände seien eine Lebensgefahr, zudem würden die Straßen für Rettungskräfte und für die Evakuierung gebraucht. Wanderer und "Voyeure" würden zurückgeschickt.

Für einen Aufschrei in den Medien und in Sozialen Foren hat daher auch die Äußerung von Spaniens Tourismusministerin Reyes Maroto gesorgt, dass dieses "wunderbare Naturschauspiel als Lockmittel für Touristen" genutzt werden könnte. "Über unsere Tourismusbüros werden wie alle Informationen weitergeben, damit La Palma besucht werden kann, von Touristen, die mit Vorsicht dieses Schauspiel genießen wollen", erklärte sie in Canal Sur Radio.

Nach Vulkanausbruch: Flughäfen auf Kanarischen Inseln bleiben geöffnet - Touristen auf La Palma jetzt nicht willkommen

Das sei unverantwortlich, hielten ihr nicht nur Politiker der Opposition entgegen. Zwar ist der Flugverkehr auf die Kanaren durch den Vulkanausbruch auf La Palma nicht beeinträchtigt, von Reisen nach La Palma mit der Fähre wird aber abgeraten, allein schon wegen der praktisch nicht vorhandenden Hotelkapazitäten, die für Evakuierte und Hilfskräfte reserviert seien.

Die Geologen und Vulkanologen sind Tag und Nacht im Einsatz, um die Ausmaße und die mögliche Dauer des Vulkanausbruchs auf La Palma zu vermessen und abzuschätzen. Nach ihrer Ansicht handelt es sich um eine relativ gleichmäßige Freisetzung von Magma, größere "Explosionen" erwarten sie nicht, allerdings hätte die Magma-Kammer "Material für mehrere Wochen" auf Lager, zwischen 11 und 14 Millionen Kubikmeter haben sich unter der Cumbre Vieja im Südosten der nordwestlichsten und geologisch zweitjüngsten Kanaren-Insel angesammelt. Vor genau 50 Jahren, im Oktober 1971 brach auf La Palma, der "Isla Bonita", zuletzt ein Vulkan aus, der Teneguía, zehn Tage lang dauerte der Ausbruch damals. *costanachrichten.com und wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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