Ein Polizist auf La Palma sichert einen Weg zum Vulkan.
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Über Wiederaufbau auf La Palma nachzudenken, ist aufgrund des anhaltenden Vulkanausbruchs noch verfrüht.

Vulkan auf La Palma

Vulkanausbruch La Palma: Über 1.000 Häuser in zwei Wochen zerstört, Hilfen in Millionenhöhe

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Seit zwei Wochen tobt der Vulkan auf La Palma und hat bereits über 1.000 Gebäude und die Existenz vieler Menschen zerstört. Die spanische Regierung beschließt Millionenhilfen, eine Welle der Solidarität geht durch Spanien.

Update, Sonntag, 3. Oktober, 17:50 Uhr: 957 Wohnhäuser und insgesamt 1.074 Gebäude hat die Lava des Vulkanausbruchs auf La Palma bis Sonntagmittag zerstört, (der Vulkanausbruch auf La Palma begann vor zwei Wochen) daneben Plantagen, Straßen, Stromleitungen, weitere über 1.000 Bauwerke sind in Gefahr. Das sich erhärtende Magma bedeckt mittlerweile eine Fläche von über 400 Hektar, ein weiterer Lava-Strom aus einer neuen Felsspalte lässt neues Material ausfließen, fast stündlich begleitet von Erdbeben bis zur Stärke 3,5 auf der Richterskala. Gleichzeitig hat die ins Meer fließende Lava bereits neues Land von über 28 Hektar geschaffen. Dabei stellen die Geologen fest, dass das ins Meer strömende Magma Glas bildet.

Die spanische Regierung hat nach einer Soforthilfe von 10,5 Millionen Euro, die vor allem für die Unterbringung und erste Hilfsgüter für jene gedacht sind, die alles verloren haben, ein zweites Hilfspaket im Wert von 206 Millionen Euro angekündigt. Damit sollen Wohnungsbau, Straßenbau, Wiederaufbau der Landwirtschaft und von Infrastruktur wie Wasser- und Stromversorgung sowie Telekommunikation finanziert werden, kündigte Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez an, der sich erneut nach La Palma begeben hat. Zu diesen Hilfen kommen 40 Millionen von der Regionalregierung der Kanaren, die Zahlungen der Versicherungen sowie zahlreiche Spenden (direkte Spendenkanäle, siehe unsere Liste weiter unten).

Der Vulkan auf La Palma hat bereits neues Land von rund 18 Hektar geschaffen.

Update, 30. September, 9:20 Uhr: Der Vulkan auf La Palma sorgt dafür, dass Spanien größer wird. Die Lava von der Cumbre Vieja, die seit zwei Tagen ins Meer strömt, hat bereits eine Landzunge von der Größe von 20 Fußballfeldern, rund 19 Hektar, geschaffen. Derweil gehören über 40 Fischer und ihre Familien zu den nächsten Opfern des Vulkanausbruchs. Wegen der Sperrzone zum Schutz vor giftigen Gasen, die beim Kontakt der Lava mit dem Wasser des Atlantiks freigesetzt werden, können ihre Boote nicht auslaufen.

Derweil speit der Vulkan so viel Magma aus wie noch nie seit Beginn des Ausbruchs, die Lava-Ströme gabeln sich „und gefährden so noch mehr Häuser als zunächst gedacht“, meldet Involcán. 1.500 bis 2.000 liegen im potentiellen Einzugsgebiet der Lava. Das spanische Verkehrsministerium teilt zudem mit, dass „alle Flughäfen der Kanarischen Inseln, außer dem auf La Palma, normal arbeiten.“ Und es bisher keine Anzeichen gebe, die eine Beeinträchtigung der Funktion der großen Airports Las Palmas und auf Teneriffa befürchten ließen.

Ein Bild geht um die Welt: Mit Asche bedeckt, versucht ein Plantagenarbeiter auf La Palma seine Bananen-Ernte zu retten.

Update, 29. September, 11:30 Uhr: Uns erreichen Nachfragen, wie man den vom Vulkanausbruch auf La Palma Betroffenen am besten und direktesten durch Spenden helfen könne. Die Inselregierung, Cabildo de La Palma, hat dafür eine Reihe direkter Spendenmöglichkeiten eingerichtet. Die Gelder kommen in einen Fonds und werden nach Bedürftigkeit zugewiesen, Priorität hat derzeit die Unterbringung von jenen Familien, die ihre Häuser verloren haben. Durch die öffentliche Verwaltung der Spenden wird garantiert, dass alle Gelder ausschließlich für Hilszwecke eingesetzt werden. Auch Sachspenden sind gern gesehen.

Wenn jemand die Hölle malen wollte, die Bilder vom Vulkan auf La Palma vom Montagabend, 28. September, wären eine passende Vorlage.

Spenden für die Opfer des Vulkanausbruchs auf La Palma sind wie folgt möglich:

  • Innerhalb Spaniens mit dem dem Direkt-Payment-Dienst Bizum, in der App Ihrer spanischen Bank unter Bizum auf „donación“ gehen und den Code 03747 verwenden.
  • Das Bankkonto des Cabildo de La Palma, für Überweisungen aus dem In- und Ausland: IBAN ES47 2100 9169 0122 0017 9456, BIC/Código SWIFT: CAIXESBBXXX mit dem Verwendungszweck „Donación volcán“.
  • Unternehmen und Organisationen, die Baumaterial, Jobs, Plätze für Haustiere oder andere Hilfen zur Verfügung stellen wollen, können sich an die Email: volcanlapalma@cablapalma.es wenden.
  • Direkte Hillfslieferungen auf La Palma werden über die Telefonnummer 679 426 569 koordiniert.

Update, 29. September, 08:00: Der Lava-Strom des Vulkans auf La Palma hat am Dienstagabend, 23 Uhr, den Atlantischen Ozean erreicht. An der Steiküste der Playa Nueva stürzen die Lava-Massen aus rund 100 Meter Höhe ins Meer, wobei eine große schwarze Rauchwolke entsteht, die giftige Gase freisetzt. Die Behörden haben eine Sicherheitszone von zwei nautischen Meilen geschaffen.

Der Moment als die Lava vom Vulkan auf La Palma auf den Atlantik trifft:

Erstmeldung, 28. September, La Palma - Am Montag sah es so aus, als käme der Vulkan auf La Palma allmählich zur Ruhe. Doch diese Ruhe war trügerisch. Für wenige Stunden kamen weder Lava, noch Rauch, noch Asche aus dem Hauptschlot der Cumbre Vieja, wo am 19. September der Vulkanausbruch auf La Palma begann. Doch bereits am Mittag wurde der Vulkan wieder mit lautem Grollen aktiv, aktiver sogar als an den Tagen zuvor: "Sein Verhalten wechselte von strombolianisch zu hawaiianisch" erklären die Vulkanologen vor Ort. Anstatt der langsamen zähflüssigen Magma, strömt die Lava, teilweise auf der alten nun schneller.

Vulkanausbruch La Palma: Lava wieder schneller, erste Bilanz der Schäden

"Sie kommt aus tieferen Lagen, ist daher heißer und flüssiger", mit bis zu 100 Meter pro Stunde, zwischenzeitlich sogar bis zu 300 Meter pro Stunde, reißt die Lava alles mit sich und lässt Häuser, Existenzen, Landschaft verglühen. Die schnellere Entladung der Lava aus der Magmakammer ermöglicht aber auch, dass "die Gase problemloser entweichen, es weniger Explosionen gibt", erklärt María José Blanco vom Instituto Geográfico Nacional (IGN), sie wisse aber nicht, "was für die Betroffenen nun weniger schlimm sei". Zumal der Vulkan auf La Palma möglicherweise Monate aktiv sein könnte. Am Dienstag wurden auch wieder mehrere Erdbeben auf La Palma mit Stärken von bis zu 3,3 auf der Richterskala gemessen.

Video: Die Lava auf La Palma nähert sich dem Meer:

Der Stand der Schäden am Dienstag, 28. September, nach knapp 10 Tagen Vulkanausbruch auf La Palma: 740 Gebäude sind von der Lava zerstört worden, darunter auch 80 industrielle genutzte sowie rund 50 öffentlich genutzte Gebäude. Weitere 1.500 Häuser befinden sich in Gefahr. 6.000 Menschen wurden evakuiert, mehrere Orte, auch solche, die nicht direkt von der Lava bedroht werden, mussten wegen der Aschemassen gesperrt und geräumt werden. 260 Hektar Fläche bedecken die 1.000 Grad heißen Lava-Massen mittlerweile, der neue Strom ist noch rund einen Kilometer vom Meer entfernt. Bei Kontakt mit dem Meerwasser fürchten die Experten eine heftige Entladung giftiger Gase.

Vulkan auf La Palma zerstört Existenzen: 50 Prozent der Wirtschaft der Kanarischen Insel hängt von Bananen ab

Über Wiederaufbau auf La Palma nachzudenken, ist aufgrund des anhaltenden Vulkanausbruchs noch verfrüht.

Die Lava-Ströme gefährden nun auf ihrem Weg Richtung Meer auch etliche Plantagen der berühmten kanarischen Bananen. Dabei verbrennen tonnenweise Plastikplanen und machen die Dämpfe noch giftiger. 50 Prozent der Wirtschaftsleistung der "Isla Bonita" wie La Palma genannt wird, gehen auf die Bananenproduktion, erst dann kommt der Tourismus. Für viele Landwirte bedeutet der Vulkanausbruch der Verlust ihrer Existenz über den Verlust der Wohnung hinaus. In den letzten Tagen haben viele hektisch versucht, die teils noch nicht erntereifen Bestände abzuernten, um wenigsten ein paar Erträge zu retten. Auf dem Festland kaufen die Spanier die kanarischen Bananen in den Supermärkten auf, als kleine solidarische Geste und obwohl diese fast doppelt so teuer sind wie die Bananen aus Übersee.

Weiter keine Flüge nach La Palma: Ziviler Luftverkehr bleibt gesperrt, Asche kommt nach Teneriffa

Der Flughafen von La Palma bleibt für den zivilen Verkehr gesperrt, "bis der Flugverkehr absolut sicher ist", erklären unisono die Airlines wie die spanische Luftfahrtbehörde. Das Problem sind die dicken Schichten von Asche, die sich in den Maschinen, in Messgeräten, auf der Landepiste und in Fahrzeugen festsetzt. Auch in der Hauptstadt von La Palma, Santa Cruz, auf der dem Vulkan entgegengesetzten Seite der Insel, fegen die Bewohner täglich zentimeterdick die Asche von den Straßen, die Corona-Schutzmasken erweisen sich nun als doppelt nützlich. Die Asche zeiht weiter und erreicht mittlerweile auch die Nachbarinseln El Hierro, vor allem aber La Gomera und Teneriffa. Noch ist die Asche dort nur ein Ärgernis, die Konzentration könnte aber steigen und den Flugverkehr auch dort gefährden.

Vulkanausbruch: Erste 10,5 Millionen Euro für unmittelbar Betroffene auf La Palma

Am Montag gab es kurz Hoffnung, der Vulkan auf La Palma käme zur Ruhe. Am gleichen Abend dann dieses Bild.

Jene, die auf La Palma ihre Häuser verloren haben, kommen aus ganz unterschiedlichen sozialen Verhältnissen, entsprechend unterschiedlich trifft sie der Verlust von Haus und Hof. Unter den rund 1.500 unmittelbar Betroffenen sind Familien, die seit Generationen auf ihrer Finca wohnen und mit einer kleinen Landwirtschaft ihr Auskommen bestritten, es finden sich Auswanderer und Aussteiger aus Nordeuropa, die einfach die Sonne genießen oder kleine Bungalows an Urlauber vermieten. Andere hatten hier nur ihren Zweitwohnsitz.

Auch jene, die nicht in Notunterkünften unterkommen müssen und bereits alles verloren haben, hadern mit ihrem Schicksal. Denn keiner weiß, ob es sie erwischt oder ob ihr Ort davonkommt. Die Lava sucht sich ihre eigenen Wege. Das betrifft zum Beispiel aktuell 300 Bewohner von San Borondón, Marina Alta, Marina Baja und La Condesa, kleinen Siedlungen zwischen Cumbre Vieja und dem Meer. Die Guardia Civil hat die Schließung der Geschäfte angeordnet, die Leute sollen vorerst in ihren Häusern bleiben. "Aber wenn ich meine Bar nicht öffnen kann, solange die Lava nicht hier ist, wer zahlt dann die Miete", fragt die 23-jährige Cathaysa Lorenzo in "El País". Und diese Fragen, wie es weitergeht, beschäftigen viele auf unterschiedliche Weise.

Die spanische Regierung hat ein erstes Hilfsprogramm aufgelegt. Mit 5,5 Millionen Euro sollen zunächst 107 verfügbare Häuser und Wohnungen auf der Insel aufgekauft werden, um denen, die selbst keine Alternative zum Leben finden, schnell ein Dach über dem Kopf zu ermöglichen. Die kanarische Inselregierung startet parallel ein ähnliches Programm.

Wiederaufbau La Palma: Vor Ende des Vulkanausbruchs lässt sich nicht viel machen

Weitere 5 Millionen Euro aus Madrid sind für notwendigste Produkte gedacht: Waschmaschinen, Kühlschränke, Möbel. In den Genuss sollen all jene kommen, die ihren Erstwohnsitz verloren haben, Familien mit Kindern und betreuungsbedürftigen Alten kommen zuerst an die Reihe. Die mit den Hilfsgeldern erworbenen Immobilien sollen mindestens 30 Jahre in öffentlicher Hand bleiben, vermietet zu einem sozial verträglichen Betrag, wenn die Leute wieder ein Einkommen haben.

Die Inselhauptstadt von La Palma, Santa Cruz, liegt auf der anderen Seite der Insel, doch die Asche macht den Menschen auch hier zu schaffen.

Dass das nicht ausreichen wird, ist der spanischen Regierung klar und sie betont auch, dass es sich nur "um erste Maßnahmen" handelt. Der eigentliche Wiederaufbau soll an einem Runden Tisch aus Zentral- und Inselregierung und den Bürgermeistern verhandelt werden. Da die Schäden 400 Millionen Euro übersteigen, kann Spanien dabei auch auf Katastrophen- und Wiederaufbaufonds der Europäischen Union zurückgreifen.

Doch bis dahin ist noch abzuwarten, denn der Vulkan auf La Palma, dessen Zerstörungen schon alle Rekorde vorheriger Ausbrüche überboten hat, ist noch putzmunter und aktiv, die Vulkanologen richten sich auf "Monate" ein, die der Ausbruch dauern könnte. Seriös kann man über Wiederaufbau erst sprechen, wenn das Ausmaß der Zerstörungen bekannt ist. Es gibt auch Stimmen, die verlangen, die Gegend einfach unangestastet der Natur zu überlassen, um kommenden Generationen solch traumatische Erfahrungen zu ersparen.

Zu Thema: Der Vulkanausbruch auf La Palma und die Hölle im Menschen.

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