Blick auf den Vulkan auf La Palma.
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Die Lava des Vulkans auf La Palma „verschluckt“ die Häuser regelrecht.

Vulkanausbruch auf den Kanaren

Vulkanausbruch La Palma: Flüge gestrichen, neue Explosionen, Kanarische Insel wird Katastrophengebiet

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Der Vulkanausbruch auf La Palma, der vor einer Woche begann, hat mittlerweile über 600 Häuser vernichtet, 1.500 weitere sind in Gefahr. Die Lava breitet sich über 200 Hektar aus, Asche und Rauch machen Anwohnern zu schaffen. Der zivile Flugverkehr auf La Palma und La Gomera wurde eingestellt. Spaniens Regierungschef wird die Insel zum Katastrophengebiet erklären, der König war zu Besuch. - Mit Video und Kommentar.

Update, Dienstag, 28. September: Vulkanausbruch La Palma aktuell.

Update, Montag, 27. September, 13:00 Uhr: Nach einer kurzen Pause am Montagmorgen, , speit der Vulkan auf La Palma wieder Lava und schwarzen Rauch sowie große Mengen Asche in die Atmosphäre, „noch stärker als zuvor“, so Involcán.

Update, Montag, 27. September: La Palma - Einer der seit zwei Tagen fast zum Stillstand gekommenen Haupt-Lavaströme hat sich am Sonntag reaktiviert, auf dem alten fließt nun ein neuer Lava-Strom mit rund 100 Meter pro Stunde gen Meer und zerstörte dabei Teile des Bezirks Todoque (gehört zu Los Llanos de Ariadne) - unter anderem die Kirche, das Ärztehaus und das Gemeindezentrum sowie mehrere Dutzend Wohnhäuser - und bedroht jetzt die Küstenregion von Tazacorte. Weitere Evakuierungen wurden notwendig, 1.200 Gebäude sind unmittelbar bedroht. Wie die Vulkanologen erklären, kommt der neue Lava-Strom tiefer aus der Erde, ist daher heißer und fließt deshalb schneller.

Trügerische Ruhe: Vulkan auf La Palma spuckt keine Lava, Asche, Rauch mehr - Keine Entwarnung

Wie von Zauberhand verschont die Lava dieses Häuschen auf La Palma. Die Besitzer werden daran dennoch kaum mehr Freude haben.

Wie am Montagvormittag auf den Live-Bildern des Kanarischen Fernsehens zu sehen ist, hat der Vulkan auf der Cumbre Vieja seine Aktivität augenscheinlich eingestellt, er spuckt weder Lava, noch Rauch, noch Asche aus. „Wir können keine Entwarnung geben, die Situation kann sich binnen Momenten radikal ändern“, erklären die Experten vom ING, dem staatlichen Geoforschungsinstitut Spaniens. Die derzeitige Ruhe könne auch Hinweis auf eine Blockade im Inneren, eine Art Verstopfung sein, die sich dann wieder als Explosion löst. Im Laufe des Tages soll zudem der neue Lava-Strom das Meer erreichen, wobei toxische Gase freigesetzt werden könnten

Der Moment, in dem die Kirche von Todoque auf La Palma von der Lava des Vulkans zerstört wird im Video:

Update, Sonntag, 26. September: La Palma - Der Vulkanausbruch auf La Palma hat am Samstag zu einem teilweisen Einsturz des Hautpvulkankegels auf der Cumbre Vieja geführt, dabei wurden große Mengen Asche freigesetzt, es entstanden mindestens zwei neue Lava-Ströme. Mittlerweile wurden über 570 bis zu 600 Häuser auf der Kanarischen Insel zerstört oder schwer beschädigt, weitere 1.600 sind durch die Lava gefährdet. Während die Lava am Sonntagmittag rund 207 Hektar der Insel La Palma bedeckte, werden 1.340 Hektar von Asche bedeckt, was auch das Leben der anderen rund 80.000 Inselbewohner erschwert, die nicht - wie rund 6.500 - evakuiert werden mussten. Ein Teil der gestern vorsorglich evakuierten Menschen konnten in ihre Häuser zurück, weil die Lava einen anderen Weg nimmt.

Der Flughafen La Palma konnte nach einer zeitweisen Schließung zwar wieder geöffnet werden, steht aber nur Rettungs- und Versorgungsflügen offen, zivile Flüge finden derzeit nicht statt.

Erstmeldung, 25. September: La Palma - Der Vulkanausbruch auf La Palma kommt auch nach einer Woche nicht zur Ruhe. Im Gegenteil: Immer mehr Explosionen ereignen sich in den Schloten an der Cumbre Vieja, der "Vulkan ist explosiver, aggressiver geworden", berichten die Fachleute vor Ort. Diese Explosionen senden regelrechte Schockwellen aus, mittlerweile strömt Magma aus einem Dutzend Schlote, fast täglich öffnen sich neue. "Bis November" schätzt jezt die Forschergruppe Involcán, könnte der Ausbruch dauern.

Während ein Lava-Strom nach dem Vulkanausbruch auf La Palma am vergangenen Sonntag fast zum Stillstand gekommen ist, fluten jetzt zwei weitere die Insel und machen so weitere Evakuierungen notwendig, auch wegen der sich stetig erhöhenden Konzentration an giftigen Gasen sowie dem Ascheregen. 400 Menschen aus Tajuya, Tacande de Abajo und weitere aus Tacande de Arriba mussten ihre Wohnungen räumen, mittlerweile wurden knapp 6.500 Menschen evakuiert.

Vulkanausbruch La Palma: Flüge gestrichen, 420 Häuser vernichtet, Lava bedeckt 200 Hektar, Ausbruch bis November möglich

Neben Rettungskräften sind auf La Palma wegen des Vulkanausbruchs auch etliche Forscherteams unterwegs.

Laut dem europäischen Satelitten-Beobachtungssystem Copernicus hat der Vulkan auf La Palma bis Freitagabend 420 Gebäude, die meisten davon Wohnhäuser, zerstört und bedeckt rund 200 Hektar der Inseloberfläche. Die Rauchsäule über der Insel ragt inzwischen sechs Kilometer in den Himmel, erste Messungen ergaben eine erhöhte Konzentration von Schwefeldioxid und anderen toxischen Gasen auch über der Iberischen Halbinsel, also dem Festland von Portugal und Spanien. Allerdings sind die Konzentrationen dieser Gase an der Erdoberfläche so gering, dass sie keinerlei Gefahr für die Menschen darstellen. Auch "saurer Regen" wurde bis dato nicht gemessen.

Keine zivilen Flüge nach La Palma und La Gomera - Spaniens König zu Besuch

Das spanische Königspaar, Felipe VI und Letizia besuchten La Palma am Donnerstag.

Am Donnerstag besuchte die Königsfamilie, Staatsoberhaupt Felipe VI und seine Frau Letizia La Palma und ließen sich von Einwohnern die Lage schildern, auch Regierungschef Pedro Sánchez war wieder vor Ort, der bereits von Sonntag bis Dienstag auf der Insel war und dafür sogar seine Reise zur UN-Generalversammlung in New York verschoben hatte.

Mittlerweile ist der zivile Luftverkehr auf auf La Palma eingestellt worden. Alle Fluglinien, Iberia, Binter und Canarfly setzten ihre Flüge nach La Palma und La Gomera aus, "weil deren Sicherheit nicht mehr gewährleistet" sei, erklärte sie. Betroffene und Inselbewohner beschwerten sich zuvor über hunderte Vulkan-Touristen, die Straßen verstopften und den Rettungskräften das Leben schwer machten. Einige hätten bis zu 500 Euro für ein Flugticket zum "Vulkan-Schauen" gezahlt. Wie berichtet hatte die spanische Tourismusministerin in einem verantwortungslosen Radiokmmentar davon gesprochen, den Vulkanausbruch als Touristenattraktion bewerben zu wollen.

Vulkan-Experten auf La Palma: Ausbruchsgebiet könnte instabil werden, Erdrutsche sind denkbar

Die Vulkanologen vom Instituto Geológico y Minero (IGME) beobachten die neuen Lava-Ströme seitlich der Hauptausbruchstelle mit Sorge, denn während einer der Hauptlavaströme fast stillsteht und der andere sich nur mit wenigen Metern pro Stunde bewegt, würden die neuen mit 60 bis 80 Meter pro Stunde relativ schnell weitere Gebiete der Insel bedrohen. "Es gibt im Vulkangebiet noch immer Zonen mit Überdruck, die sich durch Explosionen und die Öffnung neuer Schlote entladen", so das IGME. Das sei an sich gut, denn andernfalls könnte sich eine deutlich größere Explosion ereignen.

Rund 1.000 Menschen auf La Palma haben nicht nur Zweitwohnsitze verloren, sondern oft ihre gesamte Existenz.

Allerdings fürchten die Experten jetzt, dass das Gebiet durch die "Durchlöcherung" mit neuen Schloten und Kratern immer instabiler wird, sich Risse auftun, die zu Hang- und Erdrutschen führen könnten. Ein Szenario, wonach - wie von zwei Forschern einst in einer Simulation demonstriert - die halbe Insel abbrechen und die Ostküste der USA mit einem Tsunami fluten könnte, gilt aber als "extrem unwahrscheinlich". Die Energie des Vulkans reiche laut Experten nicht aus, "um die Insel zu spalten".

Vulkanausbruch La Palma: Sicherheitszone ausgeweitet, mehr Menschen evakuiert - Katastrophengebiet

Die Guardia Civil hat - wegen der Entwicklung des Vulkanausbruchs, aber auch wegen der Gaffer - die Sicherheitszone mittlerweile auf drei Kilometer erweitert, in der sich keine Zivilisten mehr aufhalten dürfen. Auch die zahlreichen Journalisten aus aller Welt, die sich an einem Aussichtspunkt neben einer Kirche eingerichtet hatten, wurden weggeschickt. "Entweder bleiben Sie in den Häusern oder sie müssen hier verschwinden, denn die Explosivität des Vulkans nimmt zu", erklärte die Polizei den Vulkan-Touristen wie auch den Medienvertretern.

Das Leben auf einem Anhänger: Wegen der Asche und der Gase müssen auf La Palma immer mehr Menschen ihre Häuser verlassen.

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hatte am Freitag, bereits vor Auftauchen der neuen Vulkanschlote bestätigt, dass er beim Ministerrat am kommenden Dienstag, "die gesamte Insel La Palma zum Katastrophengebiet" erklären wird. Damit wird es für die Regierung leichter unbürokratisch Soforthilfen an die Betroffenen zu zahlen, aber auch Ressourcen für die gesamte Insel freizusetzen. Zudem würden betroffene Landwirte Entschädigungen erhalten und all jene, die auf den von der Lava vernichteten Feldern gearbeitet haben durch ERTE-Verfahren ihre Gehälter weiter gezahlt bekommen. Sánchez arbeite mit der Inselregierung und den Bürgermeistern bereits an einem Dekret für den Wiederaufbau. Es wird geschätzt, dass mittlerweile rund 1.000 Menschen praktisch all ihr Hab und Gut sowie oft auch ihre Existenzgrundlagen auf La Palma verloren haben.

Kommentar: Vulkanausbruch auf La Palma und die Hölle in uns

Bis zu 12 Meter hoch türmt sich die Lava auf La Palma und veschlingt alles, was ihr in den Weg kommt.

Naturschauspiel, Tragödie – und Medienspektakel. Die Reaktionen auf den Vulkanausbruch auf La Palma liefern ein interessantes Sittenbild unserer Gesellschaft in Zeiten der Sozialen Netzwerke. Neben Heul-Smileys und echter Anteilnahme fielen dort wieder standrechtliche Verbal-Urteile, freilich ohne Zeugenanhörung, ohne jede Expertise, ohne Recht auf Verteidigung. „Wer sein Haus auf einer Vulkaninsel baut, braucht sich nicht zu wundern, dass es von der Lava geschluckt wird“, hieß es dort schnell. „Selbst Schuld“ lautete das Verdikt nicht weniger User. Dass der letzte Ausbruch auf La Palma 50 Jahre zurückliegt und seit 500 Jahren die Lava andere Abhänge als den jetzigen nahm, interessiert die selbsternannten Richter nicht. Empathie und Solidarität für jene, die alles verloren haben, schon gar nicht. Vielleicht ist es auch der Neid gegenüber jenen, die auf der „Isla Bonita“ im Paradies lebten, das nun zur Hölle auf Erden wurde. Man kann nur hoffen, dass unsere „sozialen“ Richter mehr Mitgefühl erfahren, wenn einmal deren Häuser klimawandelbedingt überschwemmt oder weggeblasen werden, weil sie zu nah am Meer oder überhaupt irgendwo auf der Erde gebaut wurden. Mögen dann auch die Hilfskräfte so schnell und gut vorbereitet sein, wie das auf La Palma der Fall war. Mag es auf La Palma derzeit auch höllisch zugehen, die wahre Hölle tobt noch immer im Menschen selbst.

Zum Thema: Wie alles begann - Vulkanausbruch auf La Palma

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