Verbrannte Erde in Castilla y León
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Verbrannte Erde in Castilla y León.

Umwelt und Katastrophen

Waldbrände in Spanien: Lage in Navarra weiter kritisch - 30.000 Hektar in Zamora verbrannt - Updates

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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In neun Regionen Spaniens werden dieser Tage Dutzende Waldbrände bekämpft. Armee und Bauern müssen der Feuerwehr aushelfen, die oft an mehreren Fronten gleichzeitig im Einsatz ist.

Update, 20. Juni, 18.15 Uhr: Am Montag gegen 14 Uhr brach ein Feuer auf dem Gemeindegebiet von Sigüés in der Provinz Zaragoza aus. Die Rettungskräfte mussten daraufhin die A-21 in beide Richtungen sperren, die Landesregierung rief den Notfallplan Stufe 1 aus. In Navarra sind weiterhin fünf Waldbrände aktiv, zwei davon gelten als „außer Kontrolle“, drei als „stabilisiert“, drei Gemeinden bleiben evakuiert, nachdem am Sonntagabend die Orte Artazu, Eslava, Guirguillano und Gallipienzo geräumt werden mussten, zusätzlich zu den neun Dörfern, die bereits zuvor evakuiert wurden. Rund 1.000 Menschen sind betroffen, die Flammen kamen bis auf zehn Kilometer an Pamplona heran. Feuerwehren aus dem Baskenland, La Rioja und Castillaa León unterstützen die örtlichen Kräfte, darunter vier Löschflugzeuge und zehn Hubschrauber sowie etliche Bulldozer.

Das Großfeuer in der Sierra de la Culebra bei Zamora, das größte in Spanien seit 15 Jahren mit 30.800 Hektar verbrannten Landes, gilt seit Sonntagabend als „unter Kontrolle“. Naturschützer sprechen hier zudem womöglich vom Verlust des wichtigsten Lebensraumes des Iberischen Wolfes, der streng geschützt ist und erst seit wenigen Jahren in der Gegend wieder Fuß fassen konnte. In Lérida in Katalonien wird hingegen noch gegen drei Feuer gekämpft.

Update, 19. Juni, 18.10 Uhr: Während die Feuerwehrleute beim Feuer bei Zamora allmählich die Kontrolle bekommen, aber 26.000 verbrannte Hektar und u.a. 1.000 vernichtete Bienenstöcke zu Buche stehen, (Der Waldbrand in Zamora ist nach betroffener Fläche übrigens der größte in Spanien seit 10 Jahren.), ist nun Navarra die Region mit „äußerst kritischen Entwicklungen“. Fünf Brände sind in Navarra außer Kontrolle mit keiner guten Prognose, denn in den Abendstunden soll der Wind auffrischen.

Auch in Castilla La Mancha, Katalonien und Aragón gibt es mehrere aktive Brandherde. Am frühen Abend brach zudem in Andalusien in der Provinz Málaga ein Feuer auf einem Weizenfeld bei Antequera unweit der A-92 aus.

In Navarra sind die fünf problematischsten Brandherde in: Olóriz, San Martin de Unx sowie bei Belascoaín, Iracheta und Arguedas, also von ca. 12 bis 40 Kilometer südlich von Pamplona. Etliche Ortschaften wie Maquirriain, Sansoáin, Olleta, Lerga, San Martín de Unx, Guirguillano und Echarren de Guirguillano wurden evakuiert.

Update, 19. Juni, 13.30 Uhr: Bessere Wetterbedingungen und der unermüdliche Einsatz der Feuerwehrleute hat die Ausdehnung des Feuers in Zamora gestoppt, die Züge fahren wieder, die Hautpstraßen sind frei, die meisten Evakuierten können in ihre Häuser zurück. Dennoch bleiben hunderte Helfer im Einsatz, um den Brand bald zu kontrollieren. Katalonien meldet indes binnen vier Tagen 200 Brände in der Natur, davon drei der höchsten Alarmstufe.

Update, 19. Juni, 11 Uhr: Status der wichtigsten Waldbrände in Spanien:

Das Großfeuer in Zamora, Castilla y León, in der Sierra de la Culebra, ist weiter außer Kontrolle und laut Einsatzleiter „ein regelrechtes Monster“. Über 1.250 Menschen aus 14 Dörfern sind evakuiert, 25.000 Hektar verbrannt. Feuerwehren, Militär und andere Helfer werden aus ganz Spanien zusammengezogen, um zumindest die unkontrollierte Ausdehnung des Feuers zu beenden. Mehrere Bahnlinien, unter anderem auch Richtung Madrid mussten den Verkehr einstellen, darunter auch der frisch eingeweihte AVE Galicien-Madrid.

Ein Waldbrand zwischen Viver und Caudiel in der Provinz Castellón gilt seit 10 Uhr als „kontrolliert“, 150 Hektar fielen den Flammen zum Opfer. Ein Feuer in Vilariño de Conso, in Galicen am Naturpark O Invernadoiro konnte am Samstagabend gelöscht werden.

In Katalonien brennen mehrere Großfeuer, die Feuerwehr konzentriert sich auf den Brand in Artesa de Segre in der Provinz Lérida, dessen Entwicklung von den Feuerwehrleuten als „kritisch“ eingeschätzt wird. Weitere Feuer in Olivella (Barcelona) und ein neues in Bot (Tarragona) werden derzeit lediglich „eingegrenzt“, gilt aber als „stabil“.

In Navarra werden die Orte Azoz, Muskitz und Viguria vorsorglich und noch auf freiwilliger Basis evakuiert. Vor allem ältere und kranke Menschen sollen an sichere Orte gebracht werden, damit eine Räumung im schlimmsten Falle schneller abgewickelt werden könne.

In Castilla y León brennt es nicht nur bei Zamora, sondern jetzt auch in Villasur de Herreros in Burgos, aber „unter Kontrolle“, das gleiche gelte in unterschiedlichen Abstimmungen für weitere Wald- und Buschbrände in El Manzano, Salamanca, Guímara, Molinaseca und Villagatón in León sowie Serranillos in der Provinz Ávila.

Gelöscht werden konnte ein Brand in La Rioja bei Logroño unweit des Naturparks La Grajera, das gleiche gilt für ein Feuer in Vilariño, Provinz Pontevedra, Galicien, 6 Hektar wurden hier verbrannt.

Zwar sinken in den meisten Landesteilen nach einer enormen und sehr frühen Hitzewelle in Spanien am Sonntag die Temperaturen, allerdings sind Gewitter mit Blitzschlägen angesagt.

Ausgebrannte Helden: Infoca-Feuerwehrleute beim Waldbrand in der Sierra Bermeja, Málaga

Update, 18. Juni, 15.00 Uhr: Das Feuer in Zamora (siehe unten) hat mittlerweile 20.000 Hektar verbrannt und ist weiter außer jeder Kontrolle. 14 Ortschaften mussten zwischenzeitlich evakuiert werden. Spanienweit werden derzeit 38 aktive Waldbrände gemeldet, davon drei der höchsten Gefahrenkategorie, meherere bedrohen bewohntes Gebiet. Die Feuerwehren, Armeeeinheiten und sonstigen Helfer, vor allem aber die Betroffenen in den Brandgebieten hoffen ab Sonntag auf etwas klimatische Unterstützung durch sinkende Temperaturen und höhere Luftfeuchtigkeit. Allerdings sind just für die Brandgebiete im Nordwesten des Landes Gewitter mit Blitzen gemeldet.

Erstmeldung, 17. Juni: Valencia/Málaga/Barcelona - Während Spaniens Küsten und Urlaubsorte ihre Kulissen für den Touristen-Ansturm 2022 aufbauen, Strände und Chiringuitos richten, Ferien und die wohlverdiente Urlaubszeit für Millionen Menschen beginnen, brennt das Hinterland Spaniens lichterloh, müssen Feuerwehrleute in schwerer Schutzmontur bei über 40 Grad ausrücken, werden Menschen evakuiert, stirbt Natur. Ein surreales Szenario, das sich zwar in der einen oder anderen Weise in Spanien jährlich wiederholt, aber selten so früh und so heftig begann.

Katalonien: Drei Großbrände gleichzeitig

Der verheerende Waldbrand in der Sierra Bermeja zwischen Marbella, Estepona und Ronda ist erst seit wenigen Stunden, seit Donnerstagabend, 16. Juni, so halbwegs unter Kontrolle, - noch nicht gelöscht -, da brennen in dieser Juni-Woche Büsche und Wälder in sieben weiteren Regionen Spaniens neben Andalusien: Katalonien, Valencia, Navarra, Castilla y León, Aragón, La Rioja und Galicia sowie nun auch bei Toledo in Castilla La Mancha.

Allein in Katalonien kämpfen die Feuerwehren gegen drei Brände gleichzeitig, was die Löscheinheiten der Generalitat vor ein unlösbares Problem stellt. Nur Kooperation hilft hier weiter, Feuerwehren aus Valencia und Aragón halfen den katalanischen Kollegen ebenso aus, wie - einmal mehr - die UME, die Katastrophen-Sondereinheit der spanischen Armee, die in jeder Autonomen Gemeinschaft zumindest einen Stützpunkt hat. Allerdings bleibt das Personal knapp, so dass neue Brände derzeit nur eingegrenzt, statt gleich bekämpft werden können.

In Katalonien brannte es seit Donnerstag 16. Juni und auch noch am Freitag, 17. Juni an drei Orten gleichzeitig, die Landesregierung hat die höchste Alarmstufe ausgelöst und steht kurz davor, den Katastrophenalarm zumindest lokal zu deklarieren. 1.600 Hektar Natur waren bis Freitagmorgen, 17. Juni, allein verbrannt in Corbera d’Ebre, Provinz Tarragona, in Castellar de la Ribera und Artesa de Segre, beide in der Provinz Lleida gelegen. Die Feuerwehr musste hier sogar die Bauern der Gegend zu Hilfe rufen, die mit ihren Traktoren und Pflügen Feuerschneisen in die Landschaft fräsen sollen. Das Militär begleitet diese Maßnahmen, auch, um eine Gefährdung der unerfahrenen Brandhelfer zu minimieren.

Luftbild einer der Brände in der Provinz Lleida, Katalonien, am 17. Juni 2022.

Waldbrände von Aragón über Valencia bis Andalusien

In Kastilien und León, bei Zamora sprechen die Feuerwehrleute von einer "Anhäufung von Bränden" allein der Sierra de la Culebra, wo ab Freitagmittag neun Dörfer evakuiert werden mussten. Komplizierte Winde tragen Funken und Flammen hier von Tal zu Tal, die Feuerwehr eilt von einem Brandherd zum nächsten. Bis Freitag, 17. Juni 20.30 Uhr wurde eine verbrannte Fläche von 11.000 Hektar angegeben, das ist mehr als nach einem Monat Waldbrand in der Sierra Bermeja 2021.

Am Freitagabend kam auch Castilla La Mancha auf die Karte der aktuellen Warldbrände, der historische Themen- und Vergnügungspark Puy du Fou bei Toledo musste wegen eines nahen Buschfeuers außer Kontrolle komplett geräumt werden, was 700 Mitarbeiter und rund 2.500 Besucher betraf.

In Navarra konnte ein Feuer in der Sierra de Lexre mittlerweile stabilisiert werden, 30 Mönche und Nonnen mussten aus einem Kloster evakuiert werden, das von den Flammen fast schon umringt war. Mehrere Einheiten blieben vor Ort, um eine Aufflammen im Keim zu ersticken.

In Aragón brennt der Wald in Valderrobles, in der Provinz Teruel, wo unter anderem ein Campingplatz geräumt werden musste, wo 32 Schüler und drei Lehrkräfte ihren Schulausflug absolvierten.

In Andalusien kämpfen die Feuerwehren nicht nur in der Sierra Bermeja, wo bereits 3.800 Hektar verbrannten (nach 10.000 Hektar vor acht Monaten, beim Brand im September 2021), es brannte auch in Almonaster la Real, Provinz Huelva und brennt seit Donnerstag, 16. Juni, auch ein Gebiet in Padul, Provinz Granada sowie in Algatocín, ebenfalls im Valle de Genal, Provinz Málaga gelegen. Der große Pujerra-Brand gilt seit Mittwoch als kontrolliert, wird aber scharf beobachtet. Erst vor wenigen Wochen bedrohte ein Buschbrand, ausgelöst durch ein unachtsames Barbecue, das Weltkulturerbe in Granada zu verbrennen.

Die Flammen kommen bewohnten Gebieten gefährlich nah. Hier in der Provinz Zamora, in Castilla y León.

In Galicien wurden zwei Feuer bei Larouco (Orense) registriert, 110 Hektar verbrannten dort, in La Rioja traf es die Gegend um die Peña Isasa bei Prájeno, diesmal von der Natur selbst, einem Blitzschlag ausgelöst.

In der Region Valencia melden die Einsatzkräfte diese Woche rund 20 Brände, der jüngste wurde am Donnerstagnachmitta in Yátova, 20 Kilometer westlich der Landeshauptstadt Valencia entdeckt, die anderen fast alle in den Nordlagen der Provinzen Castellón und Valencia.

"Ein Funken genügt": Ganz Spanien unter "extrem hohem" Waldbrandrisiko

Laut dem spanischen Wetteramt Aemet hat die heftigste Hitzewelle in einem Juni in Spanien seit 1950 einen hohen Anteil an der leichteren Entzündbarkeit und an der schnelleren Ausdehnung, denn auch eine Waldbrand-Welle so früh im Sommer ist äußerst ungewöhnlich. Für fast ganz Spanien gilt die daher die höchste Waldbrandwarnstufe "extremes Risiko". Wie der Waldbrand in der Sierra Bermeja belegt, genügt ein Funke, um eine Katastrophe auszulösen.

Dort war es der ungenehmigte Einsatz einer Baumaschine, die an einen Felsbrocken geriet. Anderswo kann es ein Pkw sein, der auf einem Forstweg nichts zu suchen hatte, eine achtlose weggeworfene Flasche oder Zigarettenkippe, ein Grillabend auf der privaten Terrasse hunderte Meter von der Natur entfernt: "Wird schon nichts passieren". Laut Aemet steigt das Waldbrandrisiko in den meisten Gebieten Spaniens in den kommenden Tagen und Wochen noch permanent an, in Katalonien ebenso wie in Andalusien, an der Costa Blanca oder auf Mallorca.

Zum Thema: Spanien und der Klimawandel. Klimabericht.

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