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Weihnachtsgruß von Costa Nachrichten: „Hallelujah“ 2021

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Von: Stefan Wieczorek, Marco Schicker

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So schön feiert Spaniens Küste, so dramatisch war das Jahr 2021. Die CN-Redaktion wünscht frohe Weihnachten - mit bewegenden Bildern, einer gesungenen Geschichte und dem Plädoyer: Ein Haus ohne Licht sollte es nicht geben müssen.

Lichter und Dunkelheiten - all das bot das Jahr 2021, auf das wir in unserem Weihnachtsvideo zurückblicken. Darin erklingt ein von costanachrichten.com-Redakteurin Judith Finsterbusch gemeinsam mit Nadine und Philipp Schreiber interpretiertes „Hallelujah“ und geht mit all den Bildern – ob festlich, dramatisch oder solidarisch – eine weihnachtliche Harmonie ein.

Weihnachten an Spaniens Küste: Gedämpfte Gemüter

Zum „Hallelujah“-Singen eignet sich Weihnachten 2021 in Spanien auf den ersten Blick nicht unbedingt. Das Coronavirus dämpft alle Gemüter: Statt ausgelassener Fröhlichkeit herrschen auch an der Costa Blanca, Costa Cálida und Costa del Sol eher Ratlosigkeit, Irritation und Einsamkeit vor. „Zermürbt“ sei der perfekte Ausdruck für die Stimmung, meint eine Kollegin. Weihnachten 2020 war noch etwas anders. Die Welt erwartete ein besonderes Präsent: Die Covid-Impfung. Sie würde das Grauen beenden und 2021 eine Party nach der Pandemie auslösen, hoffte man. Und nun? Ist die Stimmung - trotz vieler Geimpfter und Geboosterter - im 3G-Keller.

Schuld daran ist Corona in all seinen Varianten. Aber eben nicht nur. Sorgen haben wir allein an Spaniens Küste auch ohne Pandemie genug: Nehmen wir die Umwelt, das auf Intensivstation liegende Mar Menor in der Region Murcia oder die verbrannte Sierra Bermeja in Andalusien. Den Vulkanausbruch, der die Menschen von La Palma heimsuchte, ihre Häuser und Existenzen unter Lava begrub. Sehen wir die vielen Migranten, die psychisch Erkrankten, die Alten und Schwachen, die keine Hoffnung mehr haben. Die vielen Mittellosen, die sich die wuchernde Stromrechnung nicht mehr leisten können...

Hier Las Vegas, dort das Haus ohne Licht

Unten im Haus gegenüber klappert jede Nacht das Absperrgitter, wenn ein dunkel gekleideter Mann in ein abgeranztes Ladenlokal geht. Erst nach einer Weile wurde mir klar, dass er dort wohnt. Ist er drinnen, geht kein Licht an. Es bleibt dunkel, während in den Etagen drüber die Christmas-Light-Show beginn. Hier und da gibt es noch Lichterschlangen, die das warme Kerzenlicht im Stile der erzgebirgischen Heimat meiner Eltern imitieren. Zumeist aber blinkt es in meiner spanischen Nachbarschaft grell silbern, mit lauter Laser-Effekten und Farben wie in Las Vegas.

Es wurden in meiner Straße Jahr um Jahr mehr, als wollten die Menschen sich mit den blinkenden Lichtern gegenseitig ein Zeichen geben: Schau, hier ist auch noch einer, der sich mit dir im Namen der Weihnacht vereint. Anstelle zu klatschen, wie anfangs in der Pandemie, leuchtet man sich jetzt zu. Dass die Spanier lieber silbern funkeln, statt güldenes Sonnenlicht zu imitieren, ist erklärlich. Die Sonne haben sie ja das ganz Jahr. Aber: Es gibt da auch noch Menschen, die sich im weihnachtlichen Geiste schlichtweg nicht entmutigen lassen und einfach mal - oft ganz unbemerkt - helfen, trösten, innere Lichter anzünden.

Das „Hallelujah“ unter Nachbarn

Wer ist jener dunkel gekleidete Mann, der sich hier in der Straße abends durch Absperrgitter in das kalte Lokal quält? Es könnte der Ladenbesitzer sein, jetzt ruiniert, warum auch immer. Oder ein Obdachloser, der Unterschlupf sucht. Ich will ihn Heiligabend besuchen, ein Prosit unter Nachbarn ist mir weihnachtlicher als das Hallelujah in der Kirche. Ein Haus ohne Licht (und Wein) sollte es Weihnachten nicht geben müssen, nicht in Betlehem, nicht in Alicante.

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