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Paralympische Winterspiele ohne Russland und Belarus: Spanien schickt zwei Sportler nach Peking

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Von: Stefan Wieczorek

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Die Paralympics haben wegen des Ukraine-Krieges nun doch alle russischen und belarussischen Sportler ausgeschlossen - einen Tag vor der Eröffnung in Peking. Nur zwei Sportler vertreten bei den 13. Winterspielen derweil die spanische Flagge.

Peking – 51 oder 49: wie viele Nationen starten bei den am Freitag, 4. März, beginnenden Paralympics 2022 in Peking? Diese Frage war es, die die sowieso von Krisen und Zweifeln überschatteten chinesischen Winterspiele diese Woche beschäftigte. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und einem darauffolgenden Hin und Her entschied das Internationale Paralympische Komitee schließlich am Donnerstag, dass Russland und Belarus – beide Nationen mit vielen Medaillenfavoriten – nun doch von den 13. Winterspielen ausgeschlossen werden. Sicher dabei unter den 650 gemeldeten Sportlern ist das Duo aus Spanien. Nur zwei spanische Winterathleten kämpfen bis 13. März in Peking um paralympische Medaillen und Glanzlichter.

Paralympics Beijing 2022Paralympische Winterspiele 2022
Datum:Fr., 4. März 2022 – So., 13. März 2022
Stadion:Nationalstadion Peking
Wettbewerbe:78 in 6 Sportarten

Winterspiele ohne Russland und Belarus: Spaniens zwei Sportler in Peking

Bei der Eröffnung der paralympischen Winterspiele 2022 in Peking am 4. März ab 13 Uhr (MEZ) werden also die Flaggen von Russland und Belarus fehlen. Spaniens rot-gold-rote Flagge dagegen wird von nur zwei Sportlern vertreten: Víctor González und Pol Makuri begaben sich am Montag im insgesamt neunköpfigen spanischen Team in Chinas Millionenhauptstadt. Der 52-jährige González aus Asturien war auf seinem adaptierten Snowboard schon bei den Winterspielen 2018 am Start. Der 31-jährige Makuri debütiert bei den Paralympics. Darauf habe der Skifahrer zwölf Jahre lang hingearbeitet – und tritt als Pionier seines Landes an.

Denn: Pol Makuri ist der erste Sportler aus Spanien überhaupt, der mit einer Zerebralparese an paralympischen Winterspielen teilnimmt. Bereits das, ein paralympisches Märchen. Mit einer rechten Halbseitenlähmung kam der Katalane vor 31 Jahren in Bolivien, wo seine Eltern arbeiteten, zur Welt. Bereits wieder in Spanien, schnallte sich Makuri als Fünfjähriger erstmals Ski um. Und es war um ihn geschehen. Was für den einen die zwei Bretter sind, ist für den anderen das eine Brett. Ohne Snowboard kann sich auch „Vic“ González kein Leben vorstellen. Allerdings brachte das Sportgerät ihn auch in eine völlig unerwartete Lebenslage:

Paralympics statt Rollstuhl: „Integration auf der Flagge“

Am 22. Februar 2015 krachte der Sportler damit im Nationalpark Aigüestortes in eine Eiswand. Fast wäre Víctor González querschnittsgelähmt geworden. Doch der Snowboarder aus Spanien kämpfte sich in der Reha zurück und benötigt nicht einmal einen Rollstuhl, leidet aber an Gleichgewichts- und Koordinationsschwächen. Zwei Jahre nach dem Unfall stand „Vic“ wieder auf dem Snowboard und wurde prompt Spaniens Paralympics-Star. „Probier es nicht, mache es“, lautet seine Devise. Solche Vorbilder, das sagte Miguel Carballeda, Präsident des spanischen Paralympics-Komitees, habe das durch viele Sorgen gebeutelte Spanien derzeit sehr nötig.

Wir sind ungeheuer stolz auf euch“, verabschiedete José Manuel Franco, Vorsitzender vom Obersten Spanischen Sportrat CSD, das paralympische Duo und fügte an: „Ihr repräsentiert ein modernes und inklusives Land, das vor allem die Integration auf der Flagge stehen hat.“ Hintergrund: Lichter und Schatten der Paralympics- China und der Behindertensport.

Diese Worte richtete der Sportvorsitzende von Spanien aber sicher auch in Richtung Russland und Belarus. Den Ausschluss der beiden Nationen von den am Freitag beginnenden Paralympics gab das Internationale Paralympische Komitee erst einen Tag vor der Eröffnung bekannt. Damit revidierte es allerdings seine Entscheidung vom Vortag. Mehrere Verbände, Teams und Athleten hatten mit einem Boykott der Winterspiele gedroht, was die „Durchführbarkeit der Paralympics“ gefährdet hätte. Auch die Stimmung in den Sportlerdörfern habe sich so verschlechtert, dass die Sicherheit nicht mehr gewährleistet sei, so das IPC.

In einem Flugzeug tragen Menschen Spanien-Klamotten.
Paralympische Winterspiele 2022: Spanien schickt zwei Sportler und neunköpfiges Team nach Peking. © Comité Paralímpico Español

Ausschluss mit wenigen Ausnahmen: Rote Karte für Russland und Belarus

Nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine und einem Aufruf des Internationalen Olympiakomitees haben mittlerweile viele führende Weltverbände Russland und Belarus ausgeschlossen, etwa im Tennis, Radsport oder Ski. Das Champions-League-Finale, in das Real Madrid, Atlético Madrid oder Villarreal CF einziehen können, wurde von Sankt Petersburg nach Paris verlegt. Der Badminton-Weltverband machte eine Ausnahme für einige paralympische Sportler, die sich bei einem internationalen Turnier in Spanien befanden. Sie durften noch teilnehmen, da sie bereits vor Ort waren.

Bei den paralympischen Winterspielen 2022 stehen bis 13. März in Peking insgesamt 78 Wettbewerbe in sechs Sportarten an. Erstmals gibt es mit je 39 Wettkämpfen genauso viele für Frauen und Männer.

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