Ein Mann joggt mit einem Blumenstrauss in der Hand durch die Stadt.
+
Ein Mann joggt mit einem Blumenstrauß am Muttertag durch die Stadt. Die strenge Ausgangssperre zur Eindämmung der Corona-Pandemie ist in Spanien nach knapp sieben Wochen erstmals für Freizeitaktivitäten gelockert worden.

Ab Montag können kleine Geschäfte in Spanien wieder öffnen

Los geht es bei Null: Spanien startet am Montag mit Corona-Deeskalationsplan

  • vonStephan Kippes
    schließen

Die Spanier können seit Samstag wieder Sport treiben oder Spaziergänge unternehmen. Am Montag treten weitere Lockerungen des Notstandsdekrets in Kraft.

  • Niedrigster Stand bei den täglich erfassten Todesopfern seit 12. März.
  • Ab Montag dürfen Geschäfte öffnen und nach Terminvergabe Kunden bedienen.
  • Mit Phase 1 ab 11. Mai erhöht sich die Bewegungsfreiheit weiter.

Madrid – Nach 48 Tagen Quarantäne haben die Spanier wieder die Haustüren aufgemacht, Frischluft geschnappt, Spaziergänge unternommen oder Sport getrieben. Nun leidet möglicherweise ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung unter Muskelkater, doch das hält die Regierung nicht davon ab, den Spaniern weitere Lockerungen der Ausgehsperre „zuzumuten”. Die Phase 0 des Deeskalationsplan tritt am morgigen Montag in Kraft.

Die Spanier auf dem Festland können ab Montag nicht nur weiterhin Sport treiben und Spaziergänge zu den vorgegebenen Zeiten unternehmen, sondern nach Terminabsprache bestimmte Geschäfte aufsuchen und Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Ein klassische Beispiel wäre der Friseur, aber auch Fahrradläden öffnen teilweise wieder und bieten Reparaturen an.

Schutzmaßnahmen gegen Corona: Nur ein Kunde darf ins Geschäft

Die Regierung gibt vor, dass im Einzelhandel stets nur ein Angestellter einen Kunden auf einmal im Ladenlokal bedient, das nicht größer als 400 Quadratmeter sein darf. Ferner müssen die Lokale bestimmte Öffnungszeiten für Senioren einführen, innerhalb der Ausgehzeit der Gruppe von 10 bis 12 Uhr und von 19 bis 20 Uhr. Die Lokale müssen auch Schutzvorrichtungen wie etwa Plastik-Trennwände zwischen Personal und Kunden anbringen und regelmäßig das Lokal desinfizieren.

Die Regierung erlaubt auch Umbau- und Renovierungsarbeiten in geschlossenen Lokalen oder unbewohnten Häusern und Wohnungen falls gewährleistet wird, dass die Arbeiter nicht mit Bewohnern der Gebäude in Kontakt kommen.

Ab Montag können Bürger auch Gerichte in Bars und Restaurants bestellen, per Anruf, E-Mail oder App, und das Essen dort abholen und mit nach Hause nehmen.

Ab Montag Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln

Ab Montag müssen alle Fahrgäste in den öffentlichen Verkehrsmitteln Atemschutzmasken tragen. Der Zivilschutz verteilt sechs Millionen Atemschutzmasken in den wichtigsten Knotenpunkten von öffentlichen Verkehrsmittel, auch die Hilfsorganisationen Rotes Kreuz, Cáritas und Cermit geben 1,5 Millionen und der Städte- und Gemeindenbund weitere sieben Millionen Masken aus. Die chirurgischen Atemschutzmasken kann man in Apotheken zum Höchstpreis von 0,96 Euro erwerben, auch Supermärkte bieten inzwischen Atemschutzmasken an.

Desweiteren dürfen ab Montag alle Personen eines Haushalts in einem Auto fahren – unter Beachtung der weiterhin gültigen Vorgaben des Notstandsdekrets. Man darf weder zu zweit zum Einkaufen in den Supermarkt gehen, noch mit dem Auto in die Natur fahren, um dort einen Ausflug zu machen oder Sport zu treiben. Die Ausgehsperre gilt weiter. Auch die wieder eröffneten Geschäfte können nur von den Bürgern aufgesucht werden, die in dem jeweiligen Ort wohnen. Nur in Ausnahmefällen können Bürger kleiner Orte ohne Infrastruktur mit dem Auto fahren und diese Geschäfte aufsuchen.

Balearen und Kanaren Vorreiter bei Lockerungen in Corona-Pandemie

Während die Halbinsel am Montag mit der Phase 0 startet, können einigen Inseln auf den Kanaren und Balearen direkt mit der Phase 1 des Deeskalationsplans starten. Die Augen aller anderen Provinzen richten sich auf Formentera, La Gomera, El Hierro und La Graciosa, was dort am Montag bereits möglich ist, kommt auf den Rest eine Woche später ab dem 11. Mai zu – immer vorausgesetzt, dass die Ansteckungszahlen niedrig bleiben, genügend Kapazität in den Krankenhäusern herrscht und die Behörden vor Ort in der Lage sind, Covid-19 zu diagnostizieren und Infizierte zu isolieren.

Alle Lockerungsmaßnahmen setzen nicht das Notstandsdekret außer Kraft, ganz im Gegenteil. Die Regierung wird am Mittwoch das Parlament ersuchen, den Notstand bis 10. Mai um weitere zwei Wochen zu verlängern. Allerdings hat die Koalition bis dato noch nicht die Unterstützung der Volkspartei, die sich „alle Optionen offen lassen” will. Unter den Konservativen wächst die Unmut über die permanente Verlängerung des Notstands. Das könne nicht die Art sein, um ein Land zu regieren, meinte PP-Generalsekretär Teodoro García Egea. „Wir haben keinen Plan B, der Plan B ist der Notstand. Dazu gibt es keine Alternative”, sagte dagegen Präsident Pedro Sánchez.

Die Fallzahlen zur Corona-Pandemie dürften Ministerpräsident Pedro Sánchez momentan in den ersten Schritten hin zu einer Normalisierung bestärken. Das Gesundheitsministerium vermeldet am Sonntag 164 neue Covid-19-Opfer, die in den vergangenen 24 Stunden ihr Leben verloren. Eine furchtbare Zahl, aber der niedrigste Stand seit dem 12. März. Ihr gegenüber stehen 1.247 Patienten, die Covid-19 überwunden haben und aus den Krankenhäusern entlassen werden können. 838 neue Fälle wurden mit dem PCR-Test als positiv erfasst. Eine gute Entwicklung also, allerdings gehen die Zahlen sonntags stets nach unten und ziehen dann am Wochenanfang wieder etwas an. Insgesamt beläuft sich die Zahl der Infizierten auf 217.466, die der Gesundgeschriebenen auf 118.902 und die der Todesopfer auf 25.264.

In Phase 1 können Freunde und Bekannte zusammenkommen

Die Phase 1 des Deeskalationplans tritt auf der Halbinsel ab 11. Mai in Kraft und dauert 14 Tage. Ab dann können gesunde Menschen sich wieder untereinander treffen. Die Regierung beschränkt die Gruppenzahl auf maximal zehn, verweist auf den Mindestabstand von zwei Metern und stellt es den Freundesgruppen oder Familienangehörigen frei, ob sie auf den Terrassen der Lokale oder draußen im Freien zusammenkommen.

Die Klagen des Gastgewerbes haben die Regierung zu einer Änderung der Auflage bewogen. Statt die Außenbereiche auf eine Auslastung von 30 Prozent ihrer Kapazitäten zu beschränken, ging Ministerpräsident Pedro Sánchez am Samstag auf 50 Prozent hoch. Allerdings müssen die Tische weit genug auseinander stehen. Die Wochenmärkte können wieder ihren Betrieb aufnehmen, dort ist die Auslastung auf 25 Prozent festgelegt. Bei religiösen Zeremonien dürfen die Gotteshäuser und Tempel zu 30 Prozent besetzt sein.

Ab 11. Mai dürfen sich die Bürger wieder frei innerhalb ihrer Provinz bewegen. Da dürfte auch mal ein Ausflug drin sein, auch Pensionen und Hotels öffnen, allerdings ihre Gemeinschaftsbereiche bleiben noch geschlossen.

Ministerpräsident Sánchez rechnet mit Rückschlägen bis Impfstoff gegen Corona gefunden wird

Ministerpräsident Pedro Sánchez hob die Anstrengungen hervor, mit denen sich das Gesundheitswesen für den Deeskalationsplan rüstet. 1,9 Millionen Diagnosetests habe man in ganz Spanien durchgeführt, allein in der vergangenen Woche hätten man 290.000 PCR-Tests und 271.000 Schnelltests gemacht. Spanien nehme inzwischen den fünften Platz auf der Liste der Länder ein, die nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation die meisten Tests auf Covid-19 durchführen. Trotzdem warnte der Ministerpräsident davor, die Vorsichtsmaßnahmen gegen das Coronavirus schleifen zu lassen. „Wir müssen damit rechnen, dass wir Rückschläge und neue Ausbrüche erleben und zwar solange bis es einen Impfstoff gibt. Das Ziel ist, dass unser Gesundheitssystem nicht mehr so unter Druck gerät”, sagte Pedro Sánchez.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare