Eispalast Madrid
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Madrids Eispalast als provisorische Leichenhalle hat ausgedient. Sie bleibt trauriges Symbol der Coronavirus-Krise in Spanien.

Todesfalle Altenheim

Region Madrid meldet 6.300 Coronavirus-Todesfälle mehr als die Regierung

  • vonMarco Schicker
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Über 5.500 Tote aus Seniorenheimen werden in Madrid Covid-19 zugerechnet. Die Madrider Eissporthalle hat als provisorische Leichenhalle ausgedient.

  • Spanien: 440 neue Todesfälle binnen 24 Stunden.
  • Ingesamt werden 22.157 offiziell als Coronavirus-Tote geführt.
  • 89.000 werden als von Corona geheilt eingestuft.

Madrid - Der Eissportpalast von Madrid, der Palacio del Hielo de Madrid, wurde weltweit zum Symbol für die Schrecken der Pandemie. Er diente wochenlang als provisorische Leichenhalle, weil die sonstigen Einrichtungen wegen der hohen Todeszahlen völlig überlastet waren. Am Mittwoch wurde das Provisorium des Grauens mit einer Gedenkminute der Ministerpäsidentin von Madrid, dem Bürgermeister und der Verteidigungsministerin wieder geschlossen. Ein kleiner Schritt in geordnete Zustände.

Coronavirus-Zahlen: Keine Ordnung in der Erfassung

Bis Ordnung in die zahlenmäßige Erfassung der Coronavirus-Krise kommt, dürfte es aber noch dauern. Am Mittwoch wurden Zahlen der Region Madrid bekannt, wonach hier 13.911 Personen an oder mit Covid-19 gestorben sein sollen. Das wären 6.334 mehr als die bisher offiziell vom Gesundheitsministerium aufgelisteten 7.577, davon 5.558 allein aus Altersheimen. Zwar bemühte sich die Zentralregierung, die Zählweise zu vereinheitlichen, wissend, dass man wegen des früheren Mangels an Tests und Obduktionen keine genauen Zahlen bekommen wird, aber immerhin so einen Trend ablesen kann. Doch die Hinzuziehung der Angaben, hauptsächlich aus Altersresidenzen, von Fällen, bei denen "typische Coronavirus-Symptome auftraten" oder jetzt erst positive Testungen bekannt werden, stellt das System erneut in Frage.

Veröffentlicht wurden die Zahlen vom Madrider Landesministerium für Sozialpolitik. Dieses stellt damit der eigenen Ministerpräsidentin Díaz Auyso, PP, ein Bein bei ihrer Oppositionsarbeit. Diese ließ bisher keinen Tag verstreichen, ohne die angeblich miserable Krisenbewältigung der PSOE/Podemos-Zentralregierung zu polemisieren, die angeblich nicht wisse, was sie tue. Ihr Sozialressort belegt nun nicht nur, dass Madrid selbst keinen Überblick über die Covid-19-Lage hatte, sondern stellt auch das vor allem von der PP promotete Modell der privatisierten Versorgung alter Menschen in Residenzen in Frage, die für alle sichtbar, nicht so geführt wurden, um den Menschen ein Mindestmaß an sanitärem Schutz zu bieten. Entsprechend süffisant lobte die PSOE die neuen Erkenntnisse: „Es ist für niemanden zu spät, die richtigen Daten zu liefern.“

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