Neues Urteil gegen „Rudel“

Manada erneut verurteilt: Männer-„Rudel“ wieder am Pranger

  • vonStephan Kippes
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Die Gruppenvergewaltigung durch die Manada in Pamplona hat in Spanien den Umgang mit Sexualdelikten verändert. Jetzt ist das „Rudel“ wegen einer weiteren Straftat verurteilt worden.

  • Männer belästigten eine junge Frau 2016 im andalusischen Pozoblanco.
  • Videos dienten der Polizei als Beweismittel.
  • Belästigungsfall bei den Sanfermines in Pamplona ging in die Justizgeschichte ein.

Sevilla – Die Manada hat eine weitere Verurteilung wegen sexueller Übergriffe einstecken müssen. Die vier Mitglieder des „Rudels“ – so nennen sich diese Herren der Schöpfung selbst – wurden zu je eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie während einer Autofahrt von Torrecampo nach Pozoblanco im Süden Spaniens am 1. Mai 2016 eine junge Frau belästigten. Auf den mit dem Handy aufgenommenen Videos sieht man, wie die Angeklagten dem bewusstlosen Opfer an die Brüste fassen und einer es auf den Mund küsst. Diese Handlungen hätten laut dem Urteil „ohne Einverständnis und gegen den Willen“ des Opfers stattgefunden.

Übergriffe der Manada: Belästigung im Whatsapp-Video

Zusätzlich zu dieser Strafe mussten drei der vier Angeklagten weitere Haftstrafen einstecken, weil sie die Intimität des Opfers verletzten. Der vierte im Bunde, ein ehemaliges Guardia-Civil-Mitglied, bekam drei Jahre zusätzlich aufgebrummt, weil er mit dem Handy aufnahm, wie seine Kumpanen das Mädchen betatschten und die Videos in zwei Whatsapp-Gruppen teilte. Jeder der Angeklagten muss das Opfer mit 13.150 Euro entschädigen. Einer bekam noch ein paar Tagessätze obendrauf, weil er das Opfer vergeblich zum Oralverkehr drängte.

Die Mitglieder der Manada verbüßen bereits eine 15-jährige Haftstrafe. Denn sie vergewaltigten zwei Monate nach diesem Vorfall ein Mädchen bei den Sanfermines in Pamplona, nahmen die Tat ebenfalls mit dem Handy auf und verbreiteten die Übergriffe per Whatsapp. Das abscheuliche Verbrechen führte zu zahlreichen Protesten, einem neuen Verständnis über sexuelle Kontakte, einer intensiven gesellschaftlichen Debatte über Frauenrechte und zu einer Stärkung der Gleichberechtigung in Spanien – leider aber auch zu einigen Nachahmeaktionen, bei denen Gruppenvergewaltigungen in Verbindung mit Handyaufnahmen und deren Verbreitung eine Rolle spielten. Die beiden Videos aus Pozoblanco, die jetzt zu der Verurteilung der Manada geführt haben, fielen der Polizei übrigens bereits bei den Ermittlungen zu dem Sanfermines-Verbrechen in die Hände.

Urteil gegen Manada: Gericht bleibt unter Forderungen der Staatsanwaltschaft

Diesmal blieb das Gericht deutlich unter dem Strafmaß, das Staatsanwaltschaft und Nebenklage gefordert hatten. Weshalb es keine der Parteien zufrieden stellte. „Das ist ein Blankoscheck für Misshandlungen und Vergewaltigungen in Gruppen“, sagte die Vertreterin der Nebenklage, Patricia Catalina. Auch der Anwalt der Angeklagten, Agustin Martínez will gegen das Urteil Einspruch einlegen, da es auf den nicht gerichtlich autorisierten  Videoaufnahmen beruht, die der Polizei bei Ermittlungen zu einem ganz anderen Fall in die Hände gefallen waren.

Der Oberste Gerichtshof (TS) in Madrid fällte in dem Sanfermines-Urteil gegen die Manada ein Präzedenzurteil. Die fünf beteiligten Männer vergewaltigten die 18-jährige Frau aus Madrid in einem Hausflur, sie machten sich nicht nur eines sexuellen Missbrauchs schuldig. Deswegen bekamen die  fünf Männer aus Sevilla so drakonische Strafen von je 15 Jahren Gefängnis, zwei Jahre zusätzlich erhielt der Guardia-Civil-Polizist, der dem Opfer das Handy klaute und zuvor auch die Tat in Pozoblanco gefilmt hatte.

Präzedenzfall Manada: Was sich geändert hat

Zuvor hatte das Landgericht Pamplona die fünf Männer im April 2018 wegen sexuellen Missbrauchs zu neun Jahren Haft verurteilt. Das Oberlandesgericht von Navarra bestätigte das Urteil im Dezember. Beide Gerichte sahen „nur Missbrauch“, weil das Opfer sich nicht gewehrt hatte. Betrunken und in einem Zustand der Schockstarre, ließ es alles über sich ergehen. Frauenrechtler empörten sich darüber, dass die Rechtssprechung nur bei einer aktiven Gegenwehr des Opfers von Vergewaltigung ausging. Nicht aber, wenn fünf Männer eine Frau betrunken machten, sie auf engstem Raum bedrängen und ihr Opfer so einschüchtern, dass es aus Angst und im Schock zu gar keiner Gegenwehr mehr fähig ist.

Bürger versammeln sich vor dem Rathaus in Callosa und protestieren gegen eine Gruppenvergewaltigung.

Das TS in Madrid wertete diese richterlichen Interpretationen als „Irrtum“. Es habe extreme Einschüchterung des Opfers vorgelegen, das sich der mehrfachen Vergewaltigung unterworfen habe in dem engen, dunklen Hausflur ohne Ausweg, umringt von fünf Männern. Die Richter entschieden, dass in einer solchen Situation von niemandem heldenhaftes Verhalten verlangt werden könne. Es muss keine Gewaltanwendung vorliegen, um von Vergewaltigung zu sprechen, wenn fünf Männer sich an einer 18-Jährigen mehrfach vergehen.

Manada und ihre Videos: Wenn Männer sich mit der Gewalt an Frauen brüsten

Erschwerend komme hinzu, so der Oberste Gerichtshof, dass die fünf Männer die Tat auf Video aufzeichneten und per Whatsapp verbreiteten. Sie brüsteten sich mit ihr. Die Frau ließen sie halbnackt im Hausflur liegen, ohne Handy, mit dem sie Hilfe hätte rufen können. 100.000 Euro Schadensersatz müssen die Männer leisten, die sofort nach der Urteilsverkündung festgenommen wurden.

Dass sie zwei Monate nach dem Urteil des Landgerichts Pamplona gegen Kaution auf freiem Fuß waren, und die Richter in Navarra „nur“ Missbrauch sahen, hatte zu massiven Protesten der Bevölkerung geführt. Das ist nun das Argument des Verteidigers der fünf: Das TS habe sich dem Druck der Medien und der Bevölkerung gefügt. Tatsächlich hat es nach Zahlen des Innenministeriums seit den San-Fermín-Feiern 2016 rund 100 Gruppenvergewaltigungen gegeben mit 350 Tätern. Es sei Zeit klarzustellen, dass die Täter nicht straffrei davonkämen, begrüßen Frauenverbände das Urteil des Obersten Gerichtshofs.

Rubriklistenbild: © Ángel García

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