Möglicher Rachefeldzug

Warum werden Orcas plötzlich für Menschen gefährlich? Spanien rätselt

  • vonJudith Finsterbusch
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Seit Wochen attackieren Orcas Segelboote im Nordwesten von Spanien. Doch warum? Forschern geben die Schwertwal-Angriffe Rätsel auf.

A Coruña (mit dpa) - Sie sind ein beliebtes Strand-Souvenir als aufblasbares Gummitier und spätestens seit „Free Willy“ Sympathieträger. Schwertwale oder Orcas gelten als friedliche Meeresriesen, als Killerwale sind sie lediglich wegen ihrer brutal anmutenden Jagdmethoden bekannt, nicht, weil sie Menschen attackieren. Doch seit mehreren Wochen kommt es vor der galicischen Küste in Spanien immer wieder zu Orca-Angriffen auf Segelboote. Das aggressive Verhalten gibt Forschern Rätsel auf.

SchwertwalTiere
OrdnungWale (Cetacea)
FamilieDelfine (Delphinidae)
Tragzeit15 – 18 Monate

Nach Rätsel um Orca-Angriffen in Spanien: Segelverbot vor galicischer Küste

Bereits vor einigen Tagen hatten die Behörden ein Segelverbot für Teile der galicischen Küste verhängt - mittlerweile ist das Gebiet ausgeweitet. Das spanische Verkehrsministerium will sowohl die Tiere als auch die Besatzung der Segelboote schützen, heißt es in einer Erklärung. Bei den bisherigen Angriffen rammten die Orcas die Boote so stark, dass bei einigen Yachten das Ruder stark beschädigt oder sogar herausgerissen wurde. Die ersten Angriffe von Orcas auf Segelboote meldeten Betroffene bereits im Juli und August in der Straße von Gibraltar, dann gab es weitere Schwertwal-Attacken vor Portugal und zuletzt vor der Nordwestküste Spaniens, im Golf von Biskaya. Die geographische Zuordnung entspricht der Migrationsroute der Tiere: Orcas sind im Sommer auf Thunfisch-Fang vor der Küste Andalusiens, dann ziehen sie an Portugal vorbei bis zur galicischen Küste - immer der Beute hinterher.

Forschern gibt das Verhalten der Schwertwale Rätsel auf*, berichtet auch 24hamburg.de*. Die spanische Seenotrettung überfliegt das Meer vor der galicischen Küste seit mehreren Tagen, in der Hoffnung auf neue Erkenntnisse zu dem Verhalten der Orcas nach den Angriffen auf Segelboote. Juan Antonio Romero von der Stiftung Oceanogràfic in Valencia erklärte in einem Interview mit dem Online-Magazin „Hipertextual“: „Die einzige klare Antwort, die wir geben können, ist, dass wir keinen blassen Schimmer haben, was da gerade vor sich geht“. Der Meeresbiologe aus Spanien ist auf Orcas spezialisiert und hat mehrere Tauchgänge mit den Schwertwalen absolviert. „Es hat praktisch nie Angriffe von Orcas auf Menschen gegeben“, meint Romero.

Orcas gelten eigentlich nicht als aggressiv. Die Angriffe auf Segelboote in Spanien geben Forschern Rätsel auf.

Rätsel um Orca-Angriffe in Spanien: Ermittlungen angekündigt

Auch Fachfrau Elvira García vom spanischen Ministerium für den Ökologischen Übergang ist das Verhalten der Tiere ein Rätsel. Sie sprach dieser Tage von „sehr ungewöhnlichen“ Zwischenfällen. Die Internationale Walfangkommission habe Madrid auf Anfrage bestätigt, dass es keine Informationen über ähnliche Ereignisse in der Vergangenheit gebe. Spaniens Regierung kündigte Ermittlungen zu den Orca-Angriffen auf Segelboote an.

Eine ungewöhnliche Theorie zu den Wal-Attacken auf Segelboote in Spanien kommt von dem Forscher, Umweltschützer und Buchautor Víctor Hernández. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur meinte Hernández, die Orcas seien auf einem Rachefeldzug. Eine von Orcabulle „Pingu“ angeführte Gruppe von bis zu 13 Tieren attackiere Schiffe, weil sie Vergeltung für einen Angriff im Juli an der Straße von Gibraltar übe, bei dem zwei Schwertwal-Weibchen unter anderem durch Harpunenschüsse verletzt worden seien. „Fischer und die Besatzung von Walbeobachtungsschiffen, die die Tiere sehr gut kennen, haben die verletzten Orcas gesehen und mir davon erzählt“, so Hernández.

Rätsel um Orca-Angriffe in Spanien: Corona-Lockdown als Grund?

Die auf Meeressäuger spezialisierte Biologin María del Carmen Rodríguez hat eine andere Vermutung. Ihrer Ansicht nach könnte das ungewöhnliche Verhalten der Orcas in Spanien eine Folge der Coronavirus-Pandemie sein. Dem spanischen Radiosender Cope sagte sie: „Die Tiere hatten sich vielleicht an die Ruhe gewöhnt, die der monatelange Lockdown bei uns auch den Meeren gebracht hatte. Als es im Sommer dann plötzlich wegen des wieder zunehmenden Schiffsverkehrs wieder deutlicher lauter wurde, hat der Lärm die Tiere vielleicht gestresst und aufgebracht. Das könnte die Erklärung für diese ungewöhnliche Aggressivität sein, denn das Verhalten der vergangenen Wochen ist sehr rätselhaft. *costanachrichten.com und 24hamburg.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Spanisches Ministerium für Verkehr, Mobilität und städtische Agenda/dpa

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