Bush und Aznar reichen sich beim Staatsbesuch 2004 die Hände.
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Keine Sternstunde: Spaniens Premier Aznar und US-Präsident George W. Bush im Februar 2004 beim Staatsbesuch in Madrid. Zwei Monate später war der „willige“ Aznar Geschichte.

Beziehungen USA-Spanien

Trump, Peanuts und Olivenöl: Zu den Beziehungen Spanien - USA

  • vonMarco Schicker
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Die Amtseinführung von Joe Biden als neuer US-Präsident - und viel wichtiger: das Ende der Ära Donald Trump - betrachtet Spanien heute aus europäischen Augen. Dabei könnte der frühere Nachbar der USA wegen seiner Verluste nostalgisch werden. Highlights und Tiefpunkte in den Beziehungen USA–Spanien, - eine kleine Chronologie.

Washington/Madrid - Heute ist es kaum noch zu glauben, dass Spanien und die USA zweieinhalb Jahrhunderte direkte Nachbarn waren und noch vor 200 Jahren Florida, in das Donald Trump aus Trotz über die unvermeidliche Amtsübergabe floh, zu Spanien gehörte. Als die Spanier im Krieg mit den USA 1898 ihre letzten wichtigen Kolonien, Kuba, Puerto Rico und die Philippinen verloren, galten die USA als zwar aggressive, aber auch moderne und freiheitliche Demokratie. Spanien hingegen war der Schatten eines veralteten, absolutistischen Herrschaftssystems, das es von seinem größenwahnsinnigen „Goldenen Zeitalter“ noch nicht in die Neuzeit geschafft hatte.

Historisches Novum, auch dank Trump: Demokratie in Spanien heute stabiler als in den USA

Angesichts des Chaos, das Trump als Präsident hinterlässt, haben sich die Vorzeichen verkehrt. Die spanische Demokratie wirkt erstmals in der Geschichte als deutlich gefestigter als jene der USA. Das verdankt Spanien den Lehren aus der eigenen Geschichte, aber vor allem der Integration in die Europäische Union. Und so schaut Spanien auf die Amtsübergabe in den USA heute nicht mit kolonial-sentimentalem Blick, sondern mit europäischen Augen.

Unglaube und dann Erleichterung über den holprigen demokratischen Machtwechsel in den USA, ist bei Bürgern und Regierungen der EU das vorherrschende Sentiment. Doch das Vertrauen in die imperiale Attitüde und das selbstzerstörerische Geschäftsmodell der USA bleiben gering, die Spanier wissen, warum. Heute sind Trumpsche Strafzölle auf Olivenöl, Mandeln und Käse das größte bilaterale „Problem“, das sich wohl bald in Wohlgefallen auflösen wird. Aus historischer Sicht sind das peanuts, – oder almendras.

Blick in die Geschichte der Beziehungen USA - Spanien, eine kleine Chronologie:

  • 1779 erkennt Spanien die Unabhängigkeit der USA formal an.
  • 1795: Im Vertrag von San Lorenzo einigt sich Spanien mit Präsident George Washington auf die Grenzziehung zwischen den Territorien in Nordamerika, Mississippi wird zu einer Art Freihandelszone.
  • 1797: John Jay, einer der Gründerväter der USA, wird zum ersten Botschafter in Madrid ernannt.
  • 1821: Florida und weitere Gebiete gehen formell von Spanien an die USA über, damit endet für Spanien das Abenteuer Nordamerika nach 300 Jahren.
  • 1840 wird der Schriftsteller Washington Irving Botschafter der USA in Spanien. Er schreibt den romantischen Bestseller „Tales and Legends of the Alhambra“.
  • 1861-65: Im US-Bürgerkrieg verhält sich Spanien neutral, in der Hoffnung, dass die Gewinnerpartei Kuba nicht antastet.
  • 1898 US-Einmarsch in Kuba, im Vertrag von Paris 1898 verliert Spanien die Kolonie.
  • Anfang 20. Jahrhundert knüpft Spanien mit den USA über Handelsverträge neue Bande. Neutralität im Ersten Weltkrieg beförderte Spanien zu einem Hauptlieferanten der US-Streitkräfte.
  • 1936-1939: Offiziell sind die USA gegenüber Putsch und Bürgerkrieg in Spanien neutral. Präsident Franklin D. Roosevelt sympathisiert mit den Republikanern, muss aber für seine Wiederwahl Rücksicht auf die US-Katholiken nehmen, die Franco als Verteidiger des Glaubens darstellen. Hunderte US-Amerikaner kämpfen dennoch in den Internationalen Brigaden im Bataillon „Abraham Lincoln“ für die Republik. US-Firmen durchbrechen von Marokko aus das Embargo und beliefern Francos Truppen mit Waffen, Fahrzeugen, Treibstoff.
  • 1945: Nach der Niederlage Hitlerdeutschlands ist der Verbündete Franco zunächst isoliert, Spanien wird nicht in den Marshall-Plan aufgenommen. Die USA erkennen bald das strategische Potenzial des Landes im Kalten Krieg. 1953 wird im „Pakt von Madrid“ die Errichtung von mehreren Militärbasen vereinbart, 1955 sorgen die USA für die Aufnahme des faschistischen Spaniens in die UNO.
  • 1959: Präsident Eisenhower stattet Spanien einen offiziellen Besuch ab, es ist der größte außenpolitische Erfolg Francos. 1970 und 1975 erfolgen weitere Präsidentenbesuche (Nixon und Ford), bei denen die Amerikaner wissen wollen, ob Franco noch lebt und wie es nach ihm weitergeht.
  • 1966 verliert ein B-52-Bomber vier Atomraketen über Palomares an der Küste von Almería. Die konventionellen Sprengladungen detonieren, die atomare Kettenreaktion wird wie durch ein Wunder nicht ausgelöst, die Gegend dennoch verstrahlt.
  • 1976 reist das neue spanische Staatsoberhaupt König Juan Carlos I. in die USA, anlässlich des 200 Gründungsjubiläums der Staaten legt er ein Bekenntnis zum demokratischen Übergang Spaniens ab.
  • 2003: Spanien tritt – im Gegensatz zu Deutschland – unter Regierungschef Aznar der „Koalition der Willigen“ der USA im Krieg gegen den Irak bei.
  • 2004: José Luis Rodríguez Zapatero zieht im April 2004 nach den Wahlen und dem Attentat von Atocha die spanischen Truppen aus dem Irak ab und verärgert damit die USA. Bis zum Amtsantritt Barack Obamas 2009 herrscht eine unausgesprochene Eiszeit. Obama kommt 2016 nach Spanien als bis dato letzter US-Präsident.
  • 2018 zieht US-Präsident Trump Spanien in seinen Handelskrieg mit Europa hinein und rächt sich für EU-Exporthilfen und Subventionen für die Luftfahrt- und Autoindustrie, in dem er spanischen Käse, Olivenöl, Mandeln und Wein mit empfindlichen Strafzöllen belegt...

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