Juanma Morena bei der Einweihung des Campus 42 in Málaga.
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Juanma Morena (links) versprach bei der Einweihung des Campus 42 in Málaga „Internet gratis für ganz Andalusien“.

Technologie Andalusien

Digitale Wahl-Versprechen: Andalusien kündigt Gratis-Internet für alle an

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Wahl und Wifi: Als Andalusiens Landespräsident Juanma Moreno dieser Tage in Málaga einen Campus für IT-Talente einweihte, nannte er wieder keinen Wahltermin. Erstmal verspricht er eine digitale Milliardeninvestition, Wifi-Antennen auf 10.000 Dächern.

Málaga – Red Vuela: „Das wird das größte freie Wifi-Netzwerk Europas werden“. Ohne Superlative kommt kaum noch eine Ankündigung der andalusischen Landesregierung aus. So auch nicht auf der Eröffnung des Campus 42 in Málaga am Montag, 18. April, die Landesministerpräsident Juanma Moreno persönlich vornahm. Es handelt sich um ein Projekt zur Talentförderung, das in Gänze von der einst staatlichen Telefongesellschaft Telefónica (Movistar) finanziert wird.

Bis zu 600 junge Leute sollen sich hier gleichzeitig kostenlos fit machen können für die „digitale Transformation“, einem der großen, mit EU-Fördergeldern gespickten Zukunftsbereiche Spaniens und Europas, vor allem auch als Maßnahme gegen die Landflucht. Im Vordergrund der angebotenen Schulungen stehen aktuelle Programmiersprachen, aber auch Themenbereiche wie Big Data, Cybersicherheit, Künstliche Intelligenz oder Blockchain-Technologien, die zu weit mehr taugen als zum Schürfen zweifelhafter Digitalschätze.

Investitionen vor Wahltermin: Campus 42 und freies Internet für ganz Andalusien

An den Pilotkursen nehmen 172 junge Leute vieler Berufssparten teil, 600 werden es bei Vollbetrieb sein, doch schon jetzt liegen den Machern 4.000 Anträge vor. Málaga mit seinem gigantischen Tech-Park sieht sich als digitaler Pionier. Die Idee zu „42“, laut dem Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“, bekanntlich die Antwort auf alles (außer auf Andalusiens Wahltermin), stammt aus Frankreich. Telefónica hat sie nach Spanien, zunächst nach Madrid und Barcelona, nun auch nach Málaga gebracht. Natürlich nutzt der Telekommunikationskonzern die Institution auch als „Steinbruch“, schürft also selbst nach menschlichen Talenten als Nachwuchs für das eigene Unternehmen. Sponsoring ist ja keine Einbahnstraße.

Ein Hingucker: Ein Roboter-Barkeeper kümmert sich um die Vergabe von Getränken.

Auch wenn ganz Andalusien und halb Spanien derzeit an Morenos Lippen hängt, in der Erwartung der Aufkündigung der aktuellen Regierungskoalition und der Ansetzung von Neuwahlen für Andalusien, hatte der andalusische Regierungschef eine andere Ankündigung zu machen. Für eine Milliarde Euro werde er Investitionen im digitalen Bereich vornehmen, dazu gehört ein Zentrum für Cybersecurity in Málaga, eine Roadshow „Startup Andalucía“, die jungen Unternehmen Aufmerksamkeit, Märkte und Investoren erschließen soll und - vor allem – das Red Vuela, das kurz mit „gratis Internet für ganz Andalusien“ beschrieben sei.

Die Wifi-Sendemasten sollen dazu auf allen 10.500 Gebäuden montiert werden, über die die Landesregierung die Hoheit besitzt. Dazu gehören auch alle Schulen, Gesundheitszentren, überregionale Busstationen, Sporteinrichtungen, Museen, Naturparks und natürlich jede Menge Behördensitze und Amtsgebäude. Der Ausbau wird jetzt, so Moreno, ausgeschrieben. Genaue Angaben über die verfügbare Bandbreite, die Abdeckung auch im ländlichen Bereich und bis hinein in die Wohnungen oder gar einen konkreten Starttermin machte er nicht.

Was wenig verwundert, da er ja auch noch über den Wahltermin „sinniert und meditiert“, wie er vor Ostern zum Besten gab. Dass Projekte mit dem „Bürgerinternet“, die in vielen Kommunen mit EU-Geldern laufen, aber noch nie auf eine gesamte Region geplant wurden, oft mehr ankündigen als sie halten, ist ein Erfahrungswert, den Moreno erst noch widerlegen muss.

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