Bundeskanzlerin Angela Merkel steht an einem Rednerpult in einem spanischen Kloster.
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Angela Merkel hat bei der Verleihung des Europapreises Carlos V. ihre wohl letzte Rede als Bundeskanzlerin in Spanien gehalten.

Deutsch-spanische Beziehungen

Merkels letzte Rede in Spanien: Kanzlerin nimmt Europapreis entgegen

  • Judith Finsterbusch
    VonJudith Finsterbusch
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Angela Merkel ist mit dem Europapreis Karl V. ausgezeichnet worden. Bei ihrer wohl letzten Rede als Bundeskanzlerin in Spanien sprach sie von Errungenschaften und Herausforderungen der EU.

Yuste ‒ Es dürfte ihr letzter Besuch in Spanien gewesen sein und die letzte Rede, die Bundeskanzlerin Angela Merkel als solche auf spanischem Boden hält. Am 14. Oktober hat „la canciller“ in Yuste den Europapreis Carlos V. entgegengenommen ‒ ein historisches Ereignis in den historischen Gemäuern des Klosters, in dem Karl V. seine letzten Lebensjahre verbrachte.

„Wir schaffen das“ ‒ Angela Merkels letzte Rede in Spanien

König Felipe VI. überreichte Angela Merkel den Europapreis in Yuste nach einem Film über die wichtigsten Karriere-Stationen der Bundeskanzlerin. Unterlegt war das Video mit Musik, nur den so bezeichnenden Satz „Wir schaffen das“ spielten die Veranstalter im Originalton ab. In ihrer wohl letzten Rede in Spanien erinnerte Merkel an die Anfänge der Idee eines gemeinsamen Europas mit der Unterzeichnung der Römischen Verträge 1957. „Das war das Anfangskapitel einer außerordentlichen Erfolgsgeschichte“, so die Kanzlerin.

In ihrer Rede hob die in Spanien sehr geschätzte Angela Merkel mehrfach die gemeinsamen Werte hervor, die die Mitgliedsstaaten einen. Sie sprach von Frieden und Freiheit als nicht selbstverständliche Errungenschaften, die weiterhin zu schützen sind. „Europa kann nur so stark sein, wie es einig ist. Und nur so einig, wie es sich über gemeinsame Werte verbunden sieht. Einig nach innen, stark nach außen ‒ das ist das Leitbild der Europäischen Union“, sagte Merkel in Spanien. Europa habe die dauerhafte Verpflichtung, den Frieden innerhalb der EU zu schützen und außerhalb dafür einzutreten.

Nicht nur Lob ‒ Merkel übt in ihrer Rede in Spanien auch Selbstkritik

In ihrer Rede fand Angela Merkel aber nicht nur Worte des Lobes für Europa und die Europäische Union, sondern sprach auch Krisen und künftige Herausforderungen an, etwa die Migrationskrise, die Corona-Pandemie oder die Herausforderungen, die die Klimaziele mit sich bringen. „Kompromisse zu finden klingt leicht, ist in der Praxis aber oft zäh und langwierig. Wenn Verhandlungen schon innerhalb eines Landes kompliziert sind, können Sie sich ja vorstellen, wie schwierig das bei 27 Mitgliedsstaaten ist“, meinte Merkel und holte sich dabei die Zustimmung von Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez ‒ für die Bundeskanzlerin „lieber Pedro“.

Doch Angela Merkel zeigte bei ihrer Dankesrede zum Europapreis Carlos V. auch eine Eigenschaft, die die Spanier so sehr an ihr schätzen und die in der spanischen Politik durch Abwesenheit glänzt: Selbstkritik. „Bei der jüngsten Corona-Pandemie haben wir gesehen ‒ und das sage ich durchaus selbstkritisch ‒ wie schnell wir wieder in alte Denkmuster zurückfallen“, so Merkel in Bezug auf die nationalen Strategien zur Bekämpfung der Krise. „Wir haben die Sicherheit in Abschottung gesucht, Familien getrennt, Pendler nicht mehr an ihre Arbeitsplätze gelassen, Güter kamen nicht mehr an. Für das Europa ohne Grenzen eine Belastungsprobe“, sagte die Kanzlerin.

Ein letztes Versprechen: Merkels Rede in Spanien

Als positives Beispiel nannte Angela Merkel dann aber die Entwicklung von Impfstoffen in Rekordzeit und die Verteilung an die Mitgliedsstaaten über die EU. „Die letzten Jahrzehnte machen Mut, denn immer, wenn es darauf ankam, hielt die EU zusammen“, sagte die Kanzlerin in ihrer Rede in Spanien. Europa müsse handlungsfähiger werden und mit den „knappen Ressourcen Zeit und Geld sorgfältig umgehen“. In Krisen müssten künftig schneller gemeinsame Entscheidungen getroffen und umgesetzt werden können. Nötig seien dazu nicht zuletzt finanzielle Spielräume, die solidarisches und schnelles Handeln ermöglichen ‒ ganz nach dem einfachen Prinzip: „In guten Zeiten vorsorgen, um in schlechten Zeiten schnell handeln zu können.“

Als Herausforderungen für die EU in der nächsten Zeit nannte die scheidende Bundeskanzlerin den wirtschaftlichen Aufbau nach der Corona-Krise, den Klimawandel und die Digitalisierung. Entwicklungen, bei denen „ich dann nicht mehr dabei sein werde, die ich aber ganz genau beobachten werde“, wie Angela Merkel in Spanien ankündigte. König Felipe VI. lobte Merkel in seiner Rede bei der Preisverleihung unterdessen für ihren Pragmatismus und ihre analytischen Fähigkeiten. Der Monarch sprach von der engen, freundschaftlichen Beziehung zwischen Spanien und Deutschland und lobte Merkels Rolle in der EU. „Nur wenige Personen verkörpern den Geist eines einheitlichen Europas besser als Angela Merkel“, so der spanische König.

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