Spanien in der Flüchtlingskrise

Spanien und Marokko: Politische Spannung mündet in Flüchtlingskrise

  • Stephan Kippes
    VonStephan Kippes
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Etwa fünftausend Migranten sind zur Nordafrika-Enklave Ceuta geschwommen, nach dem Marokko die Grenzkontrollen ausgesetzt hat. Auslöser dürfte der diplomatischer Ärger wegen eines Patienten aus der Westsahara in einem Krankenhaus in Logroño sein.

Madrid - Sie schwammen durch das Mittelmeer oder liefen bei Ebbe am Strand entlang: Mindestens 6.000 Migranten haben am Montag von Marokko aus die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta erreicht. Die marokkanische Polizei habe faktisch die Kontrolle der Grenze eingestellt, berichteten Medien in Spanien unter Berufung auf Augenzeugen in Fnideq. Als Grund gilt die Verärgerung der Regierung in Rabat darüber, dass Spanien die medizinische Behandlung des Chefs der Unabhängigkeitsbewegung Polisario für Westsahara, Brahim Ghali, erlaubte. Marokko beansprucht das Gebiet an seiner Südgrenze als Teil seines Staatsgebietes. Eine Erklärung aus Rabat gab es zunächst nicht.

Spanien in der Flüchtlingskrise: Migranten schwimmen nach Ceuta

Etwa 1.500 der angekommenen Migranten seien Minderjährige, schrieb die in Ceuta erscheinende Zeitung „El Faro“. Mindestens ein Migrant sei bei dem Versuch, das Mittelmeer zu durchschwimmen, um nach Europa zu gelangen, ertrunken*, berichtet auch merkur.de*. Die Lage sei chaotisch, das Aufnahmelager der Exklave völlig überfüllt und viele der Migranten irrten in der Stadt mit 85.000 Einwohnern herum. Das spanische Militär in Ceuta habe logistische Hilfe angeboten und den Schutz seiner eigenen Einrichtungen verstärkt. Die Zentralregierung in Madrid kündigte die Entsendung 200 zusätzlicher Polizisten an.

Auch in der zweiten nordafrikanischen Exklave Melilla haben etwa 80 Migranten die Grenzabsperrungen überwunden und sind auf spanisches Gebiet vorgedrungen.

„Autobahn auf dem Meer“: Von Tanger aus machen sich Migranten auf den Weg

Die Zeitung „El País“ schrieb, nie zuvor seien so viele Menschen auf einmal nach Ceuta gekommen. Es sei wie eine „Autobahn auf dem Meer“. Die meisten der Ankommenden seien Männer, aber es seien auch Frauen und Familien dabei. Nach Medienberichten machten sich auch in der Stadt Tanger Migranten aus Ländern südlich der Sahara auf in Richtung Ceuta.

Rund 5.000 Migranten erreichen über Ceuta spanisches Gebiet.

Viele Marokkaner im Umfeld von Ceuta und der anderen spanischen Nordafrika-Exklave Melilla haben ihre Arbeit und Einkommen verloren, seit Marokko die Grenze zu den beiden Gebieten im März 2020 wegen der Corona-Pandemie geschlossen hat. Immer wieder demonstrierten Menschen, die sonst in den Exklaven arbeiteten, für ein Ende der Schließung.

Bereits am 26. April hatten 128 Marokkaner schwimmend Ceuta erreicht. Die meisten wurden bald darauf nach Marokko abgeschoben. Auch dieses Mal ist damit zu rechnen, dass viele der Migranten bald zurückgebracht werden könnten. Allerdings können minderjährige Migranten nicht einfach abgeschoben werden.

Westsahara an der nordafrikanischen Atlantikküste war bis 1975 spanische Kolonie. Marokko kontrolliert große Teile des dünn besiedelten Gebiets an seiner Südgrenze. Die Polisario und das Nomadenvolk der Saharaui streben nach Unabhängigkeit für die Westsahara. Marokko will der Region nur Autonomie zugestehen.

Im Dezember hatte der damals bereits abgewählte, aber noch amtierende US-Präsident Donald Trump Marokkos Souveränität über Westsahara anerkannt. Seither wachsen die Spannungen zwischen Marokko und europäischen Ländern, die Trumps Entscheidung kritisierten. So rief Rabat Anfang Mai seine Botschafterin aus Berlin zurück. Insbesondere aber gelten die Beziehungen zwischen Marokko und Spanien als angespannt. So stieß es Rabat für, dass sich spanische Regierungsmitglieder wie etwa der frühere Vizeministerpräsident Pablo Iglesias sich für die „gerechte Sache der Saharaui“ stark. *costanachrichten.com und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Antonio Sempere/dpa

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